Literatur

Nicht alles Gold, was glänzt

Juliana Hazoth
5. Januar 2022

Literaturredakteurin Juliana Hazoth über Bücher, die man gelesen haben muss oder auch nicht: Bestseller!

Weltweit mehr als 150 Millionen verkaufte Exemplare, Übersetzungen in 52 Sprachen, 147 Wochen (das sind fast drei Jahre!) ununterbrochen auf der Spiegel-Bestsellerliste. Klingt nach einem richtig guten Buch, das Sie unbedingt lesen sollten, oder? Bei besagtem Buch handelt es sich um die weltberühmte Reihe »Shades of Grey« von E. L. James und naja, sagen wir mal, das ist nicht unbedingt für jede*n was. Aber die Zahlen lügen nicht. Die Reihe gehört zu den erfolgreichsten aller Zeiten, hat einen Rekord nach dem nächsten gebrochen. Man könnte meinen, so viele Kauffreudige können nicht irren, oder doch?

Es ist das Problem vieler Bestsellertitel. Der Platz auf der Liste, der Aufkleber auf dem Cover gilt als Qualitätsmerkmal und Verkaufsargument. Viel mehr Informationen braucht es oft nicht, denn einem Buch, das sich so gut verkauft, wird automatisch das Prädikat »gut« verliehen. Aber viele Käufer*innen bedeuten nicht, dass ihnen das Buch auch wirklich gefällt. Es kann negative Rezensionen hageln, ein Bestseller ist es trotzdem. Und selbst wenn das Buch auch nach dem Lesen noch gut ankommt, bedeutet das schließlich nicht, dass es auch Ihnen gefällt.

Wer es einmal auf die Liste geschafft hat, bleibt Bestsellerautor*in, auch wenn sich die Verkaufszahlen nicht wiederholen. Die Assoziation der Qualität wird also durchaus bewusst vermarktet. Das ist für die entsprechenden Autor*innen natürlich super, für alle anderen eher nicht. Dieses Problem wurde uns auch durch die Coronakrise wieder vor Augen geführt. Während sich etablierte Bestsellerautoren wie Sebastian Fitzek und Benedict Wells gut auch online und über telefonische Bestellung verkauften, konnte die überwiegende Mehrheit der Autor*innen ohne Sticker nicht einmal mehr auf die Laufkundschaft hoffen. Sowohl Fitzek als auch Wells schafften es aufs Treppchen, die Rezensionen sind dennoch eher gemischt.

James, Fitzek und Wells haben alle ihre Berechtigung auf dem Markt und verdienen natürlich auch ihren Platz auf der Liste. Nur sollte man nicht vergessen, dass es da um reine Verkaufszahlen geht, also um Quantität, jedoch nicht unbedingt auch um Qualität. Die Buchwelt ist zu groß, zu vielseitig und spannend, um sich auf die wenigen Titel mit Auszeichnung zu beschränken. Also gehen Sie ruhig auf Entdeckungsreise fernab der festgetretenen Pfade, die Buchhandlung Ihres Vertrauens steht Ihnen sicher liebend gern mit persönlichen Empfehlungen zur Seite.

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