Ausstellungen & Kunstprojekte

Offene Bildräume

Tanja Mohr 5H23, Öl  auf Leinwand, 60 x 50cm © Tanja Mohr

Die Münchner Künstlerin Tanja Mohr schwelgt im Schaezlerpalais »Im Himmel der Farbe«. 
 

Der erste Blick: ein zart diffuses Grau, verwischte Konturen. Auf den zweiten Blick jedoch offenbart das kleinformatige Gemälde, was hier so vage dargestellt ist: Wir erkennen kannelierte, wohl antike Säulen. Doch unser Aha-Erlebnis beruht nicht nur auf der genauen Betrachtung von Mohrs Malerei, sondern ist ebenso vom Umfeld beeinflusst, in dem dieses Bild hängt: Es ist zu Gast in der Barockgalerie des Schaezlerpalais und Nachbar eines Gemäldes aus dem 17. Jahrhundert – einer Arbeit von Johann Heinrich Schönfeld, der viele Jahre in Italien zugebracht hat. In der Mitte seiner »Zeichner in römischen Ruinen« erhebt sich eine mächtige Säule. So entsteht im Spannungsfeld von Mohrs Kunst mit der barocken Malerei und den jeweiligen Betrachter*innen eine frische Dreieckskommunikation.

Mohr, Meisterschülerin von Gerd Winner an der Münchner Akademie, hat insgesamt neun Arbeiten in der Barockgalerie platziert – eine jede nimmt Bezug auf eines der vorhandenen Bilder, so auch zu einem weiteren Gemälde von Schönfeld. Da schimmert bei Mohr in einem düster wirbelnden Etwas ein dunkles Blau hervor, das direkt zum Mantel führt, der Chronos, den Gott der Zeit, umhüllt. Mohrs Malerei zeigt eine schwebend zarte Flüchtigkeit, eine Offenheit, die den eigentlichen Bildraum überschreitet – die Künstlerin schafft »entgrenzte Landschaften«, die bestens mit der Theatralität der barocken Malerei korrespondieren. Für die spezielle Textur und Farbigkeit ihrer Werke experimentiert Mohr mit Pigmenten und Malmitteln – ihre Ölfarbe kommt nicht aus der Tube, sondern entsteht, wie auch im Barock, im Atelier.

Zeigen Mohrs Arbeiten in der Barockgalerie behutsam delikate Farben und Kontraste, geht es im zweiten Teil der Ausstellung im Museumscafé – nun ohne barocke Partner – deutlich intensiver zur Sache. Die nahezu impressionistischen, abstrakten Farblandschaften lösen sich auf, die Konturen verschwimmen auch hier, doch ihre Farben leuchten und schimmern nachdrücklich: grün und blau oder braun und orange. Jedoch – die neue farblaute Raumgestaltung des Cafés mit pinkfarbenen und knallgrünen Teppichbahnen macht es (je)der Kunst nicht eben leicht, sich hier zu behaupten …
Mohrs sensible und klug konzipierte Malerei eröffnet uns – vor allem beim Gang durch die Barockgalerie – neue Perspektiven, schärft unsere Sinne und lässt Altbekanntes in neuem Licht erstrahlen: sehenswert.

Die Ausstellung »Im Himmel der Farbe. Entgrenzte Landschaften bei Tanja Mohr« ist noch bis zum 26. Oktober im Schaezlerpalais zu erleben. 

Mehr Informationen unter www.kmaugsburg.de


 

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