Ausstellungen & Kunstprojekte

Poetisch und politisch

Eine Galerie aus Tel Aviv und die Neue Galerie im Höhmannhaus tauschen sich aus. Zum Auftakt werden in Augsburg elf Künstler*innen aus Israel präsentiert.

Tel Aviv ist seit geraumer Zeit Schauplatz großer Demonstrationen gegen die geplante Justizreform in Israel, die tief in demokratische Strukturen des Landes eingreifen würde. Auch Künstler*innen der »P8 cooperative gallery«, Akteur*innen der lokalen Kunstszene, nehmen an diesen Demos teil, bringen sich mit künstlerischen Projekten ein. Elf von ihnen sind nun in Augsburg zu Gast. Kuratiert wurde die Ausstellung von Avshalom Suliman (P8 Gallery) und Thomas Elsen (Neue Galerie im Höhmannhaus), die so den ersten Teil eines Austauschs zwischen den beiden Galerien präsentieren.

Der Titel »Augmented (Hi)Stories)« – erweiterte Geschichte(n) – umreißt, worum es hier geht: Geschichte wird in Geschichten erzählt, die eigene Lebenswelt und die eigene Geschichte werden zum Ausgangspunkt künstlerischer Betrachtungen.

Eine solche Standortbestimmung geht jedoch, ganz besonders in Israel, über das Individuelle hinaus. Kollektive Erfahrungen spielen unweigerlich mit. Fotografien von Menschen, erkennbar vor langer Zeit aufgenommen, offenbaren diesen Doppelsinn, und so finden sich solche Bilder in einigen Arbeiten wieder, sei es als Bild wie bei Naama Klaimn oder in Videoarbeiten von Lee Barbu und Tamar Lev-On.

Neben weiteren Fotografien und Videos wie der toten Taube von Ruth Biger und Netta Dror gibt es auch einige textil anmutende Arbeiten. Ausgesprochen betörend zeigen sich die von Sally Krysztal geschaffenen kartographischen Darstellungen . Die Künstler*in klöppelt die Altstadt von Jerusalem und die Katakomben von Paris in zarter Spitze und verweist hier auf ihre Biographie – sie wurde in Paris geboren und lebt seit langem in Israel. Doch lassen sich die dünnen Garnstrukturen vielleicht ebenso mit der fragilen politischen Situation im Nahen Osten in Beziehung bringen.

Und dann sind da noch die zunächst nicht einzuordnenden roten Spirograph-Zeichnungen auf dem Boden und die an der Wand arrangierten roten Wollstränge, Relikte der »Unraveling Threads«, einer zeremoniell anmutenden Performance von Ronit Mirsky zur Eröffnung der Ausstellung, in der sich vieles zusammenfand. Eine rote wollene Halskrause um Mirskys Hals, aufgelöst und aufgewickelt von Sally Krysztal; die Rezitation aus Brechts  »Der Kaukasische Kreidekreis« (Avshalom Suliman); ebenso der Verweis auf die Kleider und Hauben der Mägde aus „The »Handmaid’s Tale«, nach dem Roman von Margaret Atwood, die von Ronit Mirsky und ihren Mitstreiterinnen auch bei den Demonstrationen in Tel Aviv getragen werden.

Im Höhmannhaus erleben wir unterschiedliche künstlerische Herangehensweisen, aus denen ein Gesamtbild erwächst, das nachdrücklich und poetisch vermittelt wie nah am Leben und zugleich geschichtsbewusst und politisch diese Kunst ist.

Die »Augmented (Hi)Stories)« sind bis zum 16. Juli in der Neuen Galerie im Höhmannhaus zu sehen.

www.kunstsammlungen-museen.augsburg.de/hi-stories

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