Ausstellungen & Kunstprojekte

Die pure Lust am Zitat

a3kultur-Redaktion

»Enjoy the Exhibition« wünscht Künstler Heiner Meyer in der Galerie Noah und meint es auch so.

Ob das Motoröl von von Shell, Esso oder Valvoline einst so hochpreisig gehandelt werden wird wie Heiner Meyers Kunst, man weiß es nicht. Und Meyer (Jahrgang 1953), der es in seinem Siebdruck-Werkzyklus »Masterpieces in Oil« (siehe Foto) von 2015 in Szene gesetzt hat, weist auch weit von sich, in seinem Werk eine politische Intention hinsichtlich Ökologie und der Zukunft der fossilen Brennstoffe verarbeitet zu haben. Augenzwinkern ja, ein bisschen Konsumkritik auch, aber die großen Themen verhandeln seine – inzwischen hoch gehandelten – Gemälde, Skulpturen und Drucke nicht. Auch die »Masterpieces …« gehen, so Meyer, auf seine schiere Begeisterung für Oldtimer zurück.

Man nimmt dem hochgewachsenen Bielefelder diese nonchalante Naivität ab, die solche Kompositionen gebiert, deren Perfektion manchmal fast schmerzhaft ist, und aus denen die Verehrung und Erhöhung alles Schönen der vergangenen Jahrzehnte bis heute spricht.
Ja, da können auch Frauen darunter sein, junge Frauen vor allem, oft stellvertretend vermittels Rückenansicht im opulenten Kleid oder des wohlgeformten, hochhackig beschuhten Beins. Als pure Zutat für den Mix der Versatzstücke oder wie beim als Flyerbild der Ausstellung verarbeiteten Gemälde  »Illuminati« (2022) eingebunden in rätselhafte Situationen.

Diese Weltsicht eint ihn mit dem zweiten derzeit in der Galerie Noah ausgestellten Künstler Tom Wesselmann   (1931–2004.) Den hat sich Meyer nicht selbst als Partner ausgesucht, sondern Galeristin Wilma Sedelmeier hat die beiden zusammengebracht, jedoch nicht zum Leidwesen Meyers. Dass die Werke der beiden in Zeiten einer hitzigen Debatte um Rollenbilder für manche an einer Kante entlangschrammen, ficht ihn nicht an. Die Ästhetik steht im Vordergrund, und die ist in seinen akkurat gearbeiteten Werken, in denen nur selten eine Abrisskante zu sehen ist, und deren Motive, so profan sie auch sein mögen, aller Schäbigkeit beraubt sind, allgegenwärtig.

Meyers künstlerische Wurzeln liegen im Surrealismus, mit dem ihn manches verbindet (er räumte schon als junger Mann dem großen Salvador Dalí das Atelier auf). Einst störte es ihn, in die Nähe surrealistischer Künstler wie Magritte gerückt zu werden, heute lässt er dies ebenso zu wie Querverweise zu Basquiat (den er direkt zitiert), Liechtenstein und Warhol. Er bezeichnet sich selbst als »zitierfreudigen« Künstler, und das erfreut auch seine zahlreich zur Vernissage erschienene Fanbase. Sie sieht ihn als legitimen Erben und Fortführer der Pop Art, wie immer man sie heute nennen will, »Post-Pop-Art« oder »New Pop«, you name it.

»Enjoy the Exhibition« ist bis 12. März 2023 in der Galerie Noah im Augsburger Glaspalast zu sehen.

www.galerienoah.com