Ausstellungen & Kunstprojekte

Raum gewinnen

Raumgreifende Kunstobjekte sind im Augsburger Ausstellungsgeschehen nicht ganz so häufig vertreten wie die sogenannte Flachware. Doch zurzeit bieten sich drei Möglichkeiten Skulptur zu erleben.

Die Galerie Cyprian Brenner, die – neben ihrer Zusammenarbeit mit der Künstlervereinigung Ecke – regelmäßig Künstler*innen aus dem eigenen Portfolio präsentiert, setzt auf den Bildhauer Armin Göhringer, der heimischen Hölzern mit Kettensäge, Brenner und Farbe zu Leibe rückt und so kantig spröde Skulpturen schafft, die perfekt die Balance aus Monumentalität und filigraner Struktur halten. In kleinen und großen Objekten definiert die Leerstelle des Weggesägten im Zusammenspiel mit den zarten verbliebenen Stegen spannungsvolle Kleinräume von gleichermaßen skulpturalem wie grafischem Reiz. Der Künstler wagt »Riskante Grenzgänge« – so der Titel der Schau – denn trotz seines virtuosen Umgangs mit einem eher brachialen Werkzeug ist Scheitern immer auch eine Option. Sinnlich und sehenswert!

Auch für David Nash ist Holz die Basis seiner Arbeit, jedoch wetterfest in Bronze gegossen. Das Werk »Cube, Sphere, Pyramid« ist eine der Skulpturen, die, als Auftakt einer neuen Ausstellungsreihe Draußen-Kunst, einen Sommer lang den Rokokogarten des Schaezlerpalais bevölkern. Dort wo sich ohnehin gut Siesta halten lässt, geben nun vier Bildhauerarbeiten den angestammten Rokokofiguren Contra. Michael Croissant sowie Heike und Jiri Mayr zeigen abstrakt Bewährtes aus Stahl und Granit. Den Anreiz jedoch, immer wieder mal vorbeizuschauen, liefern die aus einzelnen Juramarmor-Teilen bestehenden »Gesandten« von Norbert Schessl. Sie sind nicht nur in sich variabel und offen, sie setzen zudem ein Gedankenspiel der Möglichkeiten in Gang: Spolien, Module, Unfertiges, Bruchstücke?

Auf dem seit 1534 bestehenden malerischen Protestantischen Friedhof lässt sich gut herumspazieren und en passant die kunstvollen Grabmäler oder die klassizistische Kirche besuchen. Doch nun ist – temporär – auch die Kunst von heute eingezogen. Im Rahmen eines Projektes der Evangelischen Kirche in Bayern wurden auf sechs bayrischen Friedhöfen außenraumtaugliche Kunstwerke installiert, einige ortsübergreifend. Manches erscheint friedhofstauglich moderat wie die stählerne Bodenarbeit von Madeleine Dietz. Spannender wird es bei Christofer Kochs, der zu Holztafeln und Kettensäge griff und die beiden, den Haupteingang flankierenden Quadrate mit einem Augenpaar gefüllt hat, eins offen und goldgefasst, eins geschlossen und violett – Symbole für Leben und Sterben. Leicht zu übersehen, aber unbedingt ansehen: Die Fotoarbeit von Pirko Julia Schröder öffnet ein vermeintliches Fenster in die öde Friedhofsmauer am Parkplatz.

www.galerie-cyprian-brenner.de | Riskante Grenzgänge | bis 30. Juli
www.kmaugsburg.de | Kunst im Garten | Rokokogarten des Schaezlerpalais | bis 3. Oktober
www.kunst-kirche-bayern.de | unendlich still … | Protestantischer Friedhof Augsburg | bis 30. September | Ausstellungsbroschüre als Download

 

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