Raumentfaltungen
Die Ausstellung »SPA C E S« im Kunstraum am Pfarrhof Leitershofen spielt mit Wahrnehmungsgrenzen und feiert die neue Lust an klassischer Malerei.
Wer sich zuweilen in andere Dimensionen sehnt, kann hier zurzeit Magisches entdecken: Am ersten Advent eröffnete die Tandemschau »SPA C E S« mit Werken von Judith Grassl und Youngjun Lee im Kunstraum Leitershofen. Die vielversprechenden Newcomer sind in München zuhause, schon während ihres Studiums an der Akademie der Bildenden Künste nahmen sie an ersten internationalen Projekten teil. Beide überzeugen durch einzigartige Raumperspektiven, im Handtaschen- bis wandhohen Format.
Auf drei Etagen erlebt man bizarr geformte, soghafte Farbgestöber neben kühl anmutenden, metaphysischen Scheinwelten, die Engelshaarspiralen, goldene Äpfel und weitere historische Bildzitate einhegen. »Hyperräume« nennt Judith Grassl ihre acrylgemalten Konstrukte, die an filigrane Papierkunst erinnern. Beim Betrachten verschieben sich Zeit- wie Raumgrenzen, balanciert man gleichsam in figürlich-abstrakten Spannungsfeldern. Durch Dekonstruieren und Neukombinieren gelingt Grassl die poetische Fusion von realen mit virtuellen Räumen.
Vor Youngjun Lees Werken mag man teils an Massenattacken fremder Spezies denken, in der Tat wendet er invasive Techniken an, um Resultate zu erzeugen, die ihn oft selbst überraschen: Seine Farbakzente trägt der gebürtige Südkoreaner Schicht für Schicht auf, um sie anschließend wieder abzuraspeln. In scheinbar zufälligen Mustern die Leinwand freilegend, erhebt er den Reiz des Unkalkulierbaren zur konstanten Größe seines Schaffensprozesses.
So klar sich Judith Grassls perfekt konzipierte Bildwelten von den »erkämpften« Farbterritorien Youngjung Lees trennen, so intensiv sind auch die Formverwandtschaften in scharf umrissener wie frei fließender Sinnenfreude spürbar. Disruptive Vielschichtigkeit bildet wohl den gewichtigsten gemeinsamen Nenner beider Kunstschaffender, die bereits als Teil des Münchner Kollektivs MalSO13 in Leitershofen zu Gast waren. Ihre Arbeiten faszinierten Michael Kießling sofort: Der Augsburger Verleger und Kunstsammler führt gemeinsam mit Sohn Paul die Erfolgsgeschichte der Galerie Oberländer weiter. Im früheren Familiensitz am Pfarrhof präsentieren die offenherzigen Mäzene auf kleinem Raum großartige Werke – seit bald fünf Jahren.
Die Ausstellung »SPA C E S« läuft bis zum 26. Januar 2025. Später im neuen Jahr ist eine Werkschau der Münchener Malerin und Bildhauerin Christina von Bitter geplant.
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Formen die Leuchten
Michael Kiessling, Galerist des Kunstraums am Pfarrhof Leitershofen, erzählt gerne, wie er Sandra Tröger im Münchner Ausstellungsraum »Sandkasten« kennengelernt hat – und wie schnell aus diesem ersten Kontakt die Idee für eine gemeinsame Ausstellung entstand. Noch im selben Jahr wurde daraus Wirklichkeit: »Form Farbe Raum« zeigt eine äußerst sehenswerte Auswahl von Trögers Werk in den Räumen von Leitershofen.