Ausstellungen & Kunstprojekte
Dasein

Reiseziel: Jenseits

a3kultur-Redaktion

Eine Wanderausstellung im Neu-Ulmer Edwin Scharff Museum will Kinder und Erwachsene spielerisch anregen, sich mit dem Phänomen Vergänglichkeit auseinanderzusetzen.

Am Anfang steht: Mal wieder die Bürokratie. Wer in die Ausstellung »Erzähl mir was vom Tod« im Edwin Scharff Museum gehen möchte, findet sich erst einmal an einem Schalter wieder und bekommt einen Reisepass ausgestellt. Erst mit gültigem Stempel ist der Einlass in eine Welt gestattet, die den Lebenden sonst verschlossen bleibt: ins Jenseits.

Aber ruhig Blut, was folgt, ist kein Abschied ins Nirwana. Vielmehr geht es um ganz weltliche und auf alltägliche Dinge, nur eben mit dem Fokus auf den Themen Tod, Vergehen und Erinnern.

In 13 Stationen sollen Kinder (etwa ab Grundschulalter), Jugendliche und Erwachsene lernen, sich mit den Aspekten und kulturellen Erscheinungsformen dieser Themen aktiv auseinanderzusetzen. Die Wanderausstellung aus Berlin, die seit vergangenen Herbst und noch bis Anfang 2024 auf zwei Etagen des Museums gastiert, ist ausdrücklich als »Mitmachausstellung« konzipiert.

Es soll hier nicht allzu viel verraten werden, was die Besucher*innen alles machen dürfen und sollen. Nur so viel: Mit sanftem Druck und anhand von sehr plastischen Beispielen werden die Themen Zeit und Vergänglichkeit, Erinnerung und Gedenken, Werden und Vergehen, Totenkult und Jenseitsvorstellungen angeschnitten. Dass hierbei Beispiele aus anderen Kulturen wie z.B. dem alten Ägypten oder der in Mexiko gefeierte »Dia de los Muertos« nicht fehlen dürfen, versteht sich fast von selbst.

Fabeln und Fußball

Aber auch Ausprägungen westlicher Bestattungsriten wie z.B. die Urne in Form eines Fußballs (siehe Bildergalerie) regen zum Staunen, ja zuweilen sogar zum Schmunzeln an. Ein Sonderraum gehört der Kinderbuchautorin und -illustratorin Antje Damm, die mit dem Buch »Füchslein in der Kiste« (siehe Bildergalerie) eine sehr putzige Fabel für die Kleinen zum Thema Tod veröffentlicht hat.

Ein großes Plus der Ausstellung ist, dass sie sich an nahezu alle Zielgruppen richtet. Der Aspekt Religion taucht nur punktuell auf, sodass jede und jeder, ob Christ*in, Muslim*in oder konfessionslos, seine/ihre Lebenswelt in den einzelnen Stationen wiederfinden kann.

Dank geschultem museumspädagischem Personal ist man mit den Exponaten und seinen Gedanken nie alleine. Überhaupt besticht die Ausstellung durch eine freundliche Atmosphäre. Andacht und Ehrfurcht vor den Verblichenen sind eher die Gefühle, die evoziert werden sollen, als nackter Grusel.

Und wenn man den (wirklich beeindruckenden) letzten Raum wieder verlässt, öffnet sich der Blick durch große Fenster auf den belebten Neu-Ulmer Petrusplatz, und das Diesseits hat einen wieder.

Das Museum ist Karfreitag geschlossen, aber am Ostermontag ab 10 Uhr geöffnet.

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