Rembrandt sehen und lernen
Die spannende Ausstellung im Schaezlerpalais widmet sich seinem Einfluss als Lehrer, zeigt aber auch Arbeiten von Zeitgenossen und seinem eigenen Lehrer.
Rembrandt Harmenszoon van Rijn war einer der bedeutendsten Protagonisten der niederländischen Kunst des 17. Jahrhunderts, dessen Werk schon Generationen von Kunsthistoriker*innen beschäftigte, wobei vor allem die Zu- oder Abschreibung einzelner Werke bis heute den Diskurs belebt.
Rembrandts Bedeutung zeigt sich aber nicht nur in seinen eigenen Werken, er war auch einer der einflussreichsten (und recht teuren) Lehrer seiner Zeit. Diesem Aspekt geht die Präsentation im Schaezlerpalais anhand von rund 60 Gemälden und Zeichnungen seiner Schüler aus privaten Sammlungen und aus den Beständen der Augsburger Kunstsammlungen nach. Die jeweilige Vorbildung der Schüler und auch die Intensität der Ausbildung variierten erheblich, sodass sich kein stromlinienförmiges Schülerschema fixieren lässt. Gerade diese Vielfältigkeit macht jedoch den hohen Reiz der Ausstellung aus, die immer wieder den Blick der Besucher*innen auf Bilddetails und Ausführungen lenkt und zum genauen Hinsehen animiert.
Die reiche Auswahl umfasst auch den Augsburger Rembrandt-Schüler Johann Ulrich Mayr, einen ausgezeichneten Porträtisten, wie unter anderem zwei zauberhafte Kreidezeichnungen auf blauem Tonpapier nahelegen, die stilistisch schon eine Ahnung des
18. Jahrhunderts andeuten. Da auch ein Ausnahmekünstler wie Rembrandt nicht nur Lehrer war, sondern auch in jungen Jahren als Schüler nicht aus dem luftleeren Raum schöpfte, ist es mehr als überzeugend, dass auch Arbeiten seines Lehrer Pieter Lastman zu sehen sind.
Als idealer Betrachtungsmaßstab steht im – räumlichen – Mittelpunkt der Ausstellung ein vielschichtiges Beispiel der Kunst des Meisters: Das Gemälde, das Rembrandts zweite Frau Hendrickje Stoffels als Pallas Athene zeigt, wurde ihm erst vor Kurzem zweifelsfrei zugeschrieben – eine wichtige Erkenntnis, die auch Forscher*innen des seit 1968 laufenden Rembrandt Research Project nach Augsburg lockt, um das Bild in Augenschein zu nehmen.
Die Ausstellung zeigt anschaulich, wie Künstler des 17. Jahrhunderts Einflüsse und Vorbilder verarbeitet und weitergetrieben haben, hier sind Künstlerpersönlichkeiten zu entdecken, die jede auf ihre Weise das Gelernte und Erfahrene in das eigene Werk einfließen ließen, naturgemäß mal mehr, mal weniger virtuos, mal näher dran, mal freier. Ein Besuch der Ausstellung lohnt sich ungemein, denn im Hinsehen, vergleichen und erkennen schimmert auf, wie Kunst betrachtet werden kann …
www.kunstsammlungen-museen.augsburg.de | Lehrer Rembrandt – Der große Maler im Spiegel seiner Schüler | Schaezlerpalais | bis 16. Januar 2022 | Zur Ausstellung wird ein kleiner Katalog (9 Euro) erscheinen, auch der Katalog der in Teilen identischen Ausstellung im Kunstverein Aalen ist erhältlich (24,95 Euro).
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