Römerschlacht
Pünktlich zum anstehenden zehnten Jahrestag der Schließung des Römischen Museums in Augsburg kommt nun Bewegung ins Thema. Ein Kommentar von Jürgen Kannler
Im Rampenlicht stand dieser Bauskandal zuletzt im Herbst letzten Jahres, als die Stadt der Öffentlichkeit einen beachtlichen Fund römischer Silbermünzen präsentierte und es mit der peinlichen Nachricht in die Tagesschau schaffte, dafür zurzeit gar kein Museum zu haben. OB Weber bezeichnete diesen Zustand damals als »einen Stachel im Fleisch der Stadt«. Sie nannte Steuerausfälle durch die Coronakrise als Grund, verschwieg jedoch, dass die Stadt – mit ihr als Finanzreferentin – schon Jahre vor der Pandemie kein Geld für das römische Erbe aufbringen wollte.
Wie man weiß, erschöpft Augsburg seit Jahren ihre finanziellen Möglichkeiten in anderen Bauvorhaben historischer Dimension. So soll der Staatstheaterkomplex am Kennedyplatz nach letzten Informationen erst 2029 der Öffentlichkeit übergeben werden können. Die aktuelle Kostenschätzung ist noch Geheimsache. Hinter den Kulissen wird jedoch ein kolossaler Preissprung gehandelt. Genauere Zahlen sollen im April im Stadtrat folgen. Dann wird die Öffentlichkeit wohl auch erfahren, wie dieser Skandalbau nach letztem Planungsstand eigentlich aussehen soll.
Hinter vorgehaltener Hand bekräftigen Entscheidungsträger*innen aus dem städtischen Kulturbereich, dass die Theaterbaustelle die Mittel so stark bindet, dass an anderen Stellen wichtige Entwicklungen blockiert werden.
So war eben auch beim Thema Römisches Museum die Sachlage lange Zeit alles andere als klar. Auch noch im Herbst, als Kulturreferent Jürgen Enninger gerade einen dreistufigen Aktionsplan Römerstadt entwarf. Dieser besteht aus virtuellen Erlebnistouren, der Neuausrichtung der Interimsausstellung »Römerlager« in der Toskanischen Säulenhalle sowie der Planung eines Museums. Angesprochen auf den Zeitplan für diesen neu zu schaffenden Kulturort antwortete der Referent im letzten Oktober: »Wenn in dieser Legislaturperiode eine Einigung über den Standort erzielt werden kann, werte ich das als Erfolg.«
Diese Positionierungsvariante der Augsburger Kulturpolitik hat sich in den letzten Wochen verflüchtigt. Angeheizt durch den öffentlichen Druck und aus Teilen der Kulturverwaltung, mitgetragen und gestützt von Sympathisant*innengruppen mehrheitlich aus dem bürgerlichen Lager und mindestens einem lokalen Bauträgerangebot, erinnerte man sich im Rathaus daran, das vonseiten der Politik die Standortfrage längst geklärt war.
Auch wir erinnern uns! Im Sommer 2015 erklärte Manfred Hahn, damals wie heute geschäftsführender Leiter eines nicht existenten Römischen Museums, im Interview mit a3kultur die bis heute unveränderte Sachlage: »Im Oktober 2014 hat, ausgehend vom Stadtplanungsamt, eine Planerwerkstatt, eine Art Ideenwettbewerb, stattgefunden, in dem es zunächst um die Frage ging: Ist eine Erweiterung des Museums am Standort Predigerberg unter Beibehaltung der dortigen Schule möglich? Vonseiten der Kulturverwaltung haben wir in diesem Zusammenhang einen Raumbedarf formuliert. Vier Architekturbüros sind daraufhin zu dem Schluss gekommen, dass man das, was ›die Römer‹ wollen, am Predigerberg verwirklichen kann, ohne die Schule abzureißen. Dieses Urteil war dann die Grundlage für den Beschluss des Kulturausschusses, sich auf diesen Standort festzulegen. Das hört sich zwar banal an, ist aber eine ganz wichtige Entscheidung. […] Insofern haben wir im Moment einen Standortbeschluss und den erkennbaren Willen seitens der Politik. Nichtsdestotrotz haben wir zusätzlich eine ganze Palette anderer Projekte wie das Stadttheater oder den Bahnhofsumbau. Wir sind nur ein Teil einer langen Liste.«
Sehen Sie hierzu auch das Interview mit Kulturreferent Jürgen Enninger zu diesem Thema.
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