Rückwärts gemalt
Im Schaezlerpalais leuchten diesen Herbst die Farben besonders. Grund dafür ist ihr Bildträger: Glas.
Wer die Ausstellung »Vorsicht, zerbrechlich!« besucht, muss ein bisschen Zeit und gute Augen bzw. Sehhilfe mitbringen: An die 100 klein- und kleinstformatige Schätze der Hinterglasmalerei von schier überwältigendem Detailreichtum warten im 2. Stock des Schaezlerpalais dieser Tage darauf, erforscht und durchdrungen zu werden.
Schon im ersten Raum wird man als Besucher*in von dem üppig leuchtenden Blumenstillleben der Johanna Elisabeth Weydmüller-Krüger (1725–1807, Lausitz/Dresden) empfangen (Foto). Vis-à-vis zwei Stillleben ihrer Zeitgenossin Maria Anna Franziska Pfyffer von Altishofen aus der Schweiz. Auch diese bestechen durch ihre Opulenz und sogar ein bisschen Witz. Überhaupt sind Frauen als Künstlerinnen in dieser Sparte einmal nicht ganz so unterrepräsentiert, was an der Nähe der Hinterglaskunst zur Volkskunst liegen mag, was den Frauen seinerzeit den Weg in die Schulen des Fachs ein wenig geebnet haben dürfte.
Allegorien, Heiligenbilder, Genrebilder, Adelsporträts, griechische Mythologie – es gibt keine Teildisziplin und kein Thema der Kunst, das die Hinterglasmalerei, unterstützt von reichlich Blattgold und -silber, nicht hinter dem lichtbrechenden Trägermaterial zum Leuchten bringen würde. Nicht selten bildeten dabei auch Ölgemälde oder Stiche die Vorlage, die – und hier zeigt sich das ganze Können der Hinterglaskünstler*innen – spiegelverkehrt und in umgekehrtem Prozess der Schichtung (erst die Figuren, ganz am Schluss erst der Hintergrund) reproduziert wurden. So fand manches Kunstwerk den Weg auch in die Wohnhäuser des Kleinbürgertums und mit ein bisschen Glück überdauerte das fragile Gebilde die Jahrhunderte bis heute.
Die Ausstellung, zusammengestellt aus Ankäufen aus der Privatsammlung Steiner und Dauerleihgaben der Ernst von Siemens Kunststiftung, kuratiert von Julia Quandt, ist bis 15. Januar 2023 zu sehen. Ergänzt wird sie durch die Dauerausstellung »Der Blick dahinter« mit 57 weiteren Exponaten im Erdgeschoss des Schaezlerpalais.
www.kunstsammlungen-museen.augsburg.de
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