Ausstellungen & Kunstprojekte

Die Sache mit den Bildern

Was verbindet Fotografie und Malerei? Was trennt sie voneinander? Und wie sieht es an der Schnittstelle aus? Die Kunst der aktuellen Ausstellung im H2 gibt da beispielhafte Antworten. 

Der Titel der aktuellen Schau im H2 – Zentrum für Gegenwartskunst gibt bereits die Richtung vor: »PaintingPhotography« – nah beieinander, doch zugleich eigenständig – präsentiert beide künstlerischen Techniken. Doch es geht hier um deutlich mehr als die technischen Aspekte, denn ein Bild ist nicht nur das physisch Greifbare – immer stellt sich auch die Frage nach dem Bild als ideellem Konstrukt.

Vor allem fotografsche Bilder bestimmen heute unser Dasein, meist erreichen sie uns digital. Dabei tappen wir immer wieder in die Realitätsfalle, doch selbst ein unbearbeitetes Foto bildet keineswegs die Realität ab; Motiv, Ausschnitt und vieles mehr basieren auf der Entscheidung der Fotograf*in, sind somit mitnichten objektiv. 
Die Malerei hingegen betrachten wir selbstverständlich als künstlerisch freies Medium, als kreativen Ausdruck der Künstler*in. Doch so einfach ist es nicht. Malerei und Fotografie haben sich bereits kurz nach deren Erfindung 1839 einander genähert, voneinander gelernt und profitiert.

Hier nun loten 12 Künstler*innen unserer Zeit mit ihren medienübergreifend konzipierten Arbeiten das Wesen und die Möglichkeiten der beiden Gattungen aus – Grenzen lösen sich sachte auf…

In einer langen Reihe hängen 14 Fotografien, die Demos, Aufstände oder Konflikte zeigen. Monika Huber hat für ihr Archiv »einsdreissig« (dies bezieht sich auf die gewöhnliche Dauer eines Nachrichtenbeitrags) Pressebilder fotografiert, übermalt, überdeckt, unscharf gemacht und so die ursprünglich konkrete Situationen zeigenden Bilder verallgemeinert. Nachrichtliche Einzelfälle verdichtet Huber auf diese Weise zu einem allgemeinen menschlichen Phänomen.

Unscharfes und Uneindeutiges – die Auflösung von Gewissheiten

Philipp Goldbach, der Fotogramme der Neonlichtskulpturen von Ferdinand Kriwet fertigte, untersucht in dieser Aneignung und Transformation die Beziehung der beiden Kunstwerke und Herangehensweisen zueinander.

Auf Richard Princes »Heaven« schweben merkwürdig poetische Sätze in duftigen Wolkenfeldern. Prince verweist hier auf Alfred Stieglitz und seine fotografiehistorisch wichtigen Wolkenserien aus den 1920er Jahren. Für Stieglitz, einer der ersten, der Fotografie und Malerei als künstlerisch gleichrangig ansah, waren Wolken Stimmungsträger, visuelle Sprache. Bei Prince werden die Wolken quasi zum Gesprächspartner seiner leichten Wortbänder.

Fotografie oder Malerei? Der Fotograf und Maler James White spielt mit der unmittelbaren Unsicherheit der Betrachter*in. Seine Arbeiten, oft gefasst in Plexiglas-Boxen zeigen das Beiläufige, Alltägliche, interessieren sich aber deutlich für visuell Uneindeutiges. Glanz und Spiegelung lösen Gewissheiten auf, nicht ganz Passgenaues wie bei den »Hangers« irritiert, schärft aber Blick und Bewusstsein.

Die leider früh verstorbene Malerin Kotek geht für ihre fotografisch anmutenden grauen Bilder so nah an das Objekt ihrer Wahl heran, dass – in Verbindung mit dem sehr großen Format der Bilder – für die Betrachter*in die tatsächliche Gegenständlichkeit in die Abstraktion übergeht. Kerstin Skringer hingegen nutzt malerische Unschärfe und dunkelschattige Farben, um die vermutet präzise Situationen ihrer Bilder aufzulösen.

Abschließend soll der Weg ins Kabinett zu Karen Irmers »silent piece« führen.
Ist das eine Landschaft oder abstrakt? Glaube ich da allmähliche Veränderungen zu sehen? Die latente Unsicherheit, ob sich die visuellen Verschiebungen lediglich im Kopf der Betrachter*in abspielen, machen den hohen Reiz dieser ruhigen Arbeit aus, deren Titel und Dauer von 4:33 min. natürlich nicht von ungefähr kommen: John Cage …

Wir alle sind im Alltag an digitale Bilderlebnisse gewöhnt. Doch in diesem Fall gilt: Nur das physische Original macht diese speziellen Bilder wirklich erfahrbar. Also machen wir uns auf den Weg ins H2 zu dieser klugen Ausstellung mit Sofortwirkung.

»PaintingPhotography« läuft bis zum 3. Dezember im H2 – Zentrum für Gegenwartskunst im Glasplalast. Geöffnet ist Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr. Jeweils sonntags wird bei freiem Eintritt um 14 Uhr eine Führung angeboten.

www.kunstsammlungen-museen.augsburg.de/paintingphotography

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