Ausstellungen & Kunstprojekte

Satte Farben vor Rosa

Abstrakt oder gegenständlich, laut oder leise: »Polychrom« flutet die »Halle 1« mit Farbe.

Groß war der Andrang zur Eröffnung der Ausstellung »Polychrom« in der »Halle 1« im Augsburger Glaspalast am vergangenen Donnerstag.

Mit Carolin Jörg, seit 2015 Professorin für Künstlerisches Gestalten an der Hochschule Augsburg,  Timur Lukas, ebenso wie Laurentius Sauer Meisterschüler von Prof. Gregor Hildebrandt, München, dem englischstämmigen Daniel Man, Meisterschüler von Markus Oehlen, hat Kurator Christofer Kochs, als hochdekorierter Augsburger Künstler mit eigenen Werken ebenfalls vertreten, eine Riege hochkarätiger Künstler*innen um sich versammelt. Zu dieser gehört auch die Wertingerin Burga Endhardt, die diese Ausstellung leider nicht mehr erleben durfte. Sie verstarb im Mai 2019.

Dennoch fügen sich ihre Bilder gut in das Konzept der Ausstellung ein und korrespondieren mit denen ihrer männlichen Kollegen und temporären Nachbarn. Überhaupt scheint es, als haben sich die sechs Ausstellenden auf ein Konzept verständigt, das sich rund um einen zentralen rosa und blau gestrichenen Quader wie um eine mehrfarbige Kaaba entfaltet. (Diese Aktion war übrigens nur mit der Hilfe von privaten Sponsoren möglich, wie überhaupt das Bespielen der unter etwas ungeklärten Zuständigkeiten leidenden Halle viel Eigeninitiative erforderte.)

Mehr Farbe geht fast nicht. Mehr Kontrast auch nicht. Umso bemerkenswerter ist die Unaufdringlichkeit, mit der sich die mehr als 70 Werke den Besucher*innen präsentieren. Kochs lässt allen den Platz und die Ruhe, ihre Farben wirken zu lassen und beim Passieren der nächsten Ecke nachzuklingen.

Das Rosa, das als Hintergrund für Kochs‘ Werke dient, setzt sich an der angrenzenden Wand in Lukas‘ »GROUP ’76« fort, und das Blau jener Wand umgekehrt in Kochs’ »Nebenschauplätzen«. Die Hängung ist also Teil der Kunst.

Relativ leise geht es in Jörgs aquarellierten Tuschbildern zu, denen Lukas‘ ebenfalls dezentere Stadtansichten gegenüberliegen. Laut darf es bei Daniel Man werden, dessen Farbschichten in den Raum ausbrechen und Endhardts energischen Farbflüssen entgegenzustreben scheinen. Laurentius Sauer lockt mit seinen skizzenhaften Pop-Art-Formaten in einen der beiden abgedunkelten Räume, die wie Keimzellen wirken, wo im Kleinen wild (Endhardt) oder ganz zart (Jörg) ausprobiert wurde, was sich dann geordnet und großformatig im Hauptraum stolz behauptet.

Die Kunst in ihrer Essenz spricht hier in den nächsten Wochen. Hörbar. Sie hebt vielleicht nicht die Welt aus den Angeln, aber sie umarmt sie – besonders wohltuend an einem grauen Wintertag –  mit dem Mittel der Farbe.


»Polychrom« ist bis 12. März in Halle 1 – Raum für Kunst im Glaspalast zu sehen. Am Sonntag, den 12. Februar, wird es eine Talkrunde mit den Künstler*innen geben.

www.k
unstsammlungen-museen.augsburg.de/polychrom
 

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