Die Augsburger Kegelbahnkonzerte gehen in die 12. Staffel. Mit dabei sind Lillian Hampson, Josy, Marcoca, Janikeliah und Picky Eater.
Saufen für das Kino
Eine für den deutschen Dokumentarfilmpreis nominierte Doku, viel Open-Air Kino in der Region und Mads Mikkelsen in der Midlifekrise — Projektor, die a3kultur-Filmkolumne im Juni.
Stellen Sie sich einmal vor, Sie könnten, statt in einer fragwürdigen Aktion durch den Kauf eines Kastens Großbrauerei-Pils aus NRW den Regenwald zu retten, auf lokaler Ebene Folgendes tun: Sie spazieren irgendwo zwischen Lechhausen und Haunstetten in einen Super- oder Getränkemarkt, holen sich für den coronakonformen Grillabend eine Kiste Helles oder Weizen einer sympathischen lokalen Brauerei und spenden damit auch noch den ein oder anderen Euro an Ihr Lieblingskino. Fantastisch, oder? Wie schaut es da bei Ihnen aus, Frau Schmid, Herr Priller, Herr Schwarz, Herr Kuhnle, Herr Schimpfle, Herr Meitinger oder die Herren Detke und Geyer-Klingeberg?
Wie komme ich jetzt aber überhaupt auf so eine glorreiche Idee? Abgesehen davon, dass diese Kolumne im März und April neben einer Bierwerbung erschien, spielt der diesjährige Oscarpreisträger für den besten internationalen Film und Eröffnungsfilm des Gersthofer Kinosommers eine tragende Rolle. Im Juni, ein genaues Datum steht immer noch nicht fest, startet die Open-Air-Saison in Gersthofen mit »Der Rausch«. Früher war Martin (Mads Mikkelsen) Lehrer aus Leidenschaft – heute sind nicht nur die Schüler von seinem fehlenden Enthusiasmus gelangweilt, auch aus Martins Ehe ist die Luft raus. Seinen drei Freunden, die am selben Gymnasium unterrichten, geht es nicht viel besser. Bei einer angeheiterten Geburtstagsrunde diskutieren sie die Theorie eines norwegischen Philosophen: Nach dieser ist ein Mensch nur mit einem erhöhten Alkoholgehalt im Blut zu Bestleistungen fähig. Solch eine gewagte These muss überprüft werden. Die vier beschließen den Selbsttest zu machen und während der Arbeit einen bestimmten Pegel zu halten. Die Wirkung der »wissenschaftlichen« Studie lässt nicht lange auf sich warten.
»Der Rausch« ist keine plumpe Suffkomödie à la »Hangover«. Der dänische Regisseur Thomas Vinterberg ist unglaublich scharfsinnig, wenn es darum geht, wie sich Menschen in außergewöhnlichen Situationen verhalten. Dazu noch unterhaltsam und energiegeladen, wartet dieser Film obendrein mit außerordentlich guten Schauspielleistungen auf – was beeindruckend ist, weil Trunkenheit auf der Leinwand gerne übertrieben dargestellt wird. Mads Mikkelsen spielt sensibel, setzt Mimik und Gestik nuanciert ein. Mit viel Ausdruck und wenigen Worten macht er die Tragik und die unfreiwillige Komik eines von der Midlifekrise Betroffenen mit all seinen Schwächen erlebbar. Nun feiert »Der Rausch« beim Gersthofer Kinosommer seine exklusive Bayernpremiere, ehe er Ende August/Anfang September bundesweit in den Kinos starten wird.
Neben dem Klassiker, dem Augsburger Lechflimmern, und dem Gersthofer Kinosommer (siehe auch »Projektor« im Mai) plant Schwabmünchen ebenfalls mit Filmen unter freiem Himmel. Unter dem Titel Sommerkino2 will die Gemeinde, unterstützt durch das Filmhaus Türkheim, am 16. und 17. Juli ab jeweils 19 Uhr im Stadtgarten die Herzen von Filmfans höherschlagen lassen. Wann es auch in Aichach wieder Kino unter freiem Abendhimmel geben wird, steht noch in den Sternen.
Und wenn das noch nicht genug der guten Nachrichten für die lokale Filmlandschaft ist: Der gebürtige Diedorfer Dominik Utz ist mit dem Dokumentarfilm »Blutige Kohle« für den deutschen Dokumentarfilmpreis nominiert. Mit der Domar Film GmbH in Eichenau bei Fürstenfeldbruck produzierten Utz und sein Partner Martin Schwimmer den Film der Regisseur*innen Christopher Stoeckle und Paola Tamayo. »Blutige Kohle« beleuchtet ein dunkles Kapitel des kolumbianischen Alltags, der eng mit unserem verbunden ist. Einen Großteil seiner Kohle bezieht Deutschland seit vielen Jahren aus Kolumbien. Doch an dieser Kohle klebt Blut, viel Blut und noch viel mehr Tränen. El Samario, ein ehemaliger Soldat einer paramilitärischen Einheit, spricht über die unzähligen Morde, die er im Auftrag internationaler Kohlezulieferer ausgeführt hat. Seit Jahren dreht sich in Kolumbien eine Gewaltspirale, von der nicht nur die Unternehmen, sondern auch wir profitieren.
Geboren am: 19. Mai 1969 in Frederiksberg, Dänemark
Beruf: Regisseur
Ausbildung: 1993 bis dahin jüngster Absolvent der Danske Filmskole, Kopenhagen
Abschlussfilm: »Sidste omgang«, war für den Studenten-Oscar nominiert
Inszenierte Musikvideos für Metallica und Blur sowie 2010 sein eigenes Theaterstück »Das Begräbnis« am Wiener Burgtheater
Mit Lars von Trier Begründer der Dogma-95-Bewegung zur Produktion von Filmen
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