Comedy & Kabarett

Saukomisch und doch nicht lustig

Gastautor

Josef Hader war zu Gast in Augsburg. Sein Programm ist provokant und mahnend.

 

Nach vielen Jahren wieder das erste Solo-Projekt: »Hader on Ice«. Quälend ehrlich, tiefgründig, saukomisch und doch nicht lustig, Schauspiel und Kabarett in Einem. Der über 60-jährige spielt mit seinem Wiener Schmäh, der raunzigen, unerbittlichen Person des Proleten, reich und katholisch, was gibt es Besseres. Das Lachen steckt einem im Hals, wenn er auf tiefstes Niveau gleitet, wie sich das nur Österreicher auf der Bühne trauen und leisten können, ohne Unwohlsein und Abscheu zu provozieren. Meint er tatsächlich uns alle?

Das Programm schraubt sich über den ersten Teil, der noch bedingt kabarettistisch anmutet, hin zum Absturz in die Seele eines alternden Trinkers, der im Rausch seiner Selbstverliebtheit zerbricht, an seinen körperlichen und geistigen Abgründen im zweiten Teil. Er treibt sein Publikum geschickt mit Charme und Unverfrorenheit vor sich her, entblößt seinen Körper und auch die Seele, stürzt in seine »Mein Freund Harvey«- Illusion mit einem Wolf, dem Rudi, respektive Rudl, mit dem er sein Fleisch teilt, aber nur vegan, schließlich isst er nur von Tieren, die beim »Töten nicht schreien«, bewegt sich nachhaltig in seinem SUV, den er elektrisch powert und genießt sein Exil im Waldviertel, wo er offen empfangen wird – Hauptsach koa N**** -, und durchlebt seine katholisch-Nazi-geprägte Jugenderinnerung. Er säuft nachhaltigen, klimaneutralen Rum aus der Karibik, der mit dem Segelschiff kommt, versteht seine jungen Geliebten, die mit dem Knorpelaufbau bei drittgradiger Arthrose nicht zurechtkommen, fantasiert von fliegenden, tot gefrorenen Tieren und durchblickt die Weltverschwörung der Bäume. 

Zum Schluss singt er mit seinem imaginären Freund Rudl noch »Somewhere over the Rainbow«, mit brüchiger Stimme und dem Publikum zugewandtem Rücken, dann sind sie vorbei: zwei Stunden mit Josef Hader, zwei Stunden Kabarett, großes Schauspiel, wahnsinniges Genie, lauter Provokateur und leiser Mahner. Und sie bleibt noch auf dem Nachhauseweg, die milde Beklemmung in der Brust, zusammen mit dem Schmunzeln im Gesicht. Und dann gönnt man sich noch einen klimaneutralen Rum …

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