Klassik

Schönheit, Bedeutung und Tiefe entdecken

a3kultur-Redaktion

Bei den Frühjahrskonzerten des Schwäbischen Jugendsinfonieorchesters (14., 15. und 16. April) steht Nathalie Schmalhofer als Sologeigerin auf der Bühne. Trotz intensiver Probenarbeit nahm sich die deutsch-kanadische Künstlerin Zeit für a3kultur. Nathalie Schmalhofer gewann 2019 den ersten Musikförderpreis des Bezirks Schwaben und wird am Sonntag, 7. Mai ihr coronabedingt verschobenes Preisträgerkonzert nachholen.

a3kultur: Worin besteht für Sie der Reiz, mit dem SJSO zusammenzuarbeiten? Stellt es für Sie eher eine Art entspanntes »Schaulaufen« dar, oder bietet es andere Herausforderungen, auch wenn Sie als Solistin u.a. schon die Carnegie Hall in NY kennen und Ihr Alltag im Gewandhausorchester Leipzig stattfindet?

Nathalie Schmalhofer: Es ist immer eine Freude, mit jungen Musikern zusammenzuarbeiten, sie stecken voller Energie und Begeisterung. Als Solistin vor dem Orchester zu stehen, birgt ganz andere Herausforderungen, als darin mitzuwirken, sich in einen Klangkörper von ca. 80 Musikern einzufinden. Für mich hat die Abwechslung sowohl im Orchester, als auch als Solistin oder Kammermusikerin aufzutreten, einen besonderen Reiz. Zudem denke ich, dass sich die Sparten gegenseitig inspirieren, das Zuhören und miteinander Agieren fördern. In der schwäbischen Heimat aufzutreten, ist immer etwas Besonderes. Hier sehe ich auch meine Familie, an dem Ort, der mir viel Wärme und Kraft gibt.

Auch bei professionellen Streicher-Ensembles sieht man immer öfter »pflegeleichte« Instrumente aus Carbon, Sie spielen eine Stradivari als Dauerleihgabe. Warum tut man sich das an?

Ich sehe es als großes Privileg an, ein solch großartiges Instrument spielen zu dürfen. Ich glaube, niemand würde nein sagen, wenn es ihm angeboten würde. Auch ein günstigeres Instrument sollte man pflegen, wie eine Stradivari. Es bleibt ein wertvolles Kunstwerk, das wunderbare Musik erklingen lassen kann.

Es heißt, alte Instrumente hätten eine »Seele« mit eigenem Charakter. Wie war die erste Begegnung mit Ihrer Geige, wie haben Sie sie »gezähmt« und sich zu eigen gemacht?

Ich bekam sie zunächst ohne Worte in die Hand gedrückt. Dann habe ich ein paar Töne auf ihr gespielt und sofort gemerkt, dass es ein fabelhaftes Instrument ist, das ich unbedingt kennenlernen möchte, ich wollte gar nicht aufhören, sie zu spielen. Es war eher andersherum, dass die Geige mich zähmen musste, von mir Geduld erfragt hat, die Farben und Möglichkeiten zu suchen, die wir zusammen kreieren können.

Sie haben sich früh für eine Karriere als professionelle Musikerin entschieden und halten es aus, als Solistin ganz auf sich gestellt zu sein. Welches »Mindset« steht dahinter?

Ich wollte schon immer die Welt entdecken und möglichst viele Erfahrungen sammeln. Deshalb ging ich auch mit 16 Jahren in die USA, um auf eigenen Beinen zu stehen. Ganz klar genieße ich es, in die Heimat und zur Familie zurückzukehren, bin aber doch ein abenteuerlustiger Mensch.

Vielen Leuten, gerade jungen, ist klassische Musik zu »abgehoben«. Was würden Sie ihnen entgegnen? Wären Sie bereit, an einer Kampagne des Bezirks für mehr junge Klassik-Fans mitzuwirken?

Ich schlage vor, sich ganz unvoreingenommen an die klassische Musik heranzutrauen und nicht gleich aufzugeben, wenn es nicht sofort gefällt. Gerade die klassische Musik ist in sich sehr vielfältig, und um ihre wahre Schönheit, Bedeutung und Tiefe zu entdecken, reicht es nicht, mal kurz reinzuhören. Gerne würde ich bei einer solchen Kampagne mitwirken, kommen Sie ruhig auf mich zu!

 

Konzert-Informationen und Tickets: www.sjso.bezirk-schwaben.de 

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