Ausstellungen & Kunstprojekte

Schwebendes (V)erfahren

Eine Münchner Künstlervereinigung befasst sich im Ballonmuseum in ihrer Jahresausstellung mit dem Zustand des Schwebens. Die Ergebnisse sind durchwachsen.

Ja, es ist ein diffiziles, wenn auch reizvolles Thema. Schweben, das ist ein ganz besonderer Zustand, welcher Leichtigkeit mit einer, ach!, allenfalls relativen Mobilität verbindet. An einem Ort oder in einer Umgebung zu verweilen und dort – lustvoll oder resignierend – der eigenen Schwerelosigkeit zu frönen, das macht das Schweben aus.

Wer schwebt? Ballons bzw. Ballone, sicherlich; daher auch die beeindruckende Umgebung des Foyers des Ballonmuseums Gersthofen als Gastgeber der aktuellen Kunstausstellung, in der derzeit 25 Künstler*nnen der Freien Münchner und Deutschen Künstlerschaft e.V. (gegründet 1959) eine bunte Vielfalt des Schwebens präsentieren und sich dem Thema annähern.

Das gelingt manchmal mit verblüffender Einfachheit, wenn ein Zeppelin sich den Weg durch einen Himmel aus abstrakten Formen bahnt und dabei wunderbar unerreichbar weit oben im Bild platziert ist, um von dort von vergangenen Avantgarden vom Bauhaus bis zur Band Kraftwerk und deren in der Rigging-Phase belassenen Avataren zu künden (Wolfgang Dietrich: »Schwebend«, 2022). Der fliegende Robert schwebt unter (bundes)deutscher Flagge davon, und wir bleiben zurück.

Dies bleibt leider ein seltenes vielseitig lesbares Highlight dieser Ausstellung, der ansonsten oft nicht sehr viel mehr einfällt, als illustrativ und viel zu vor­sichtig gesammelte Gegenstände und Personen ab­zubilden. Federn, Ballons, Akte, auch nicht näher verortbare »Bubbles« liegen in ihren Formaten; pixelige Astronauten (und Astronautinnen) lassen aus dem Orbit grüßen. An Motiven als Ausgangsmaterial mangelt es also nicht. Auch fliegende Teppiche und fliegende Blätter reihen sich in den thematischen Reigen ein.

Das Thema hat viel Potenzial. Sich dem Schwebezustand, in dem sich Menschen und ganze Gesellschaften in diesen Tagen befinden, auf der Metaebene anzunähern. So bleibt es leider nur eine Stoffsammlung. Manchmal ist ein Ballon eben nur ein Ballon.

Immerhin ist das Ganze familienfreundlich und leicht zugänglich, gelegentlich auch verspielt, was ja in einem Erlebnismuseum nicht ganz verkehrt ist. Doch für den Autor, der sich – nicht ganz so schwerelos – auf den Weg nach Gersthofen gemacht hat, doch ein bisschen zu wenig.

Wer sich selbst selbst ein Bild machen und Inspiration sammeln möchte: Die Ausstellung ist noch bis zum 15. Mai 2022 im Foyer im Untergeschoss des Ballonmuseums Gersthofen zu sehen.

www.ballonmuseum-gersthofen.de

Das könnte Sie auch interessieren

Malte Günther
Ausstellungen & Kunstprojekte

Malerische Landschaften

Im Grafischen Kabinett des Höhmannhauses sind seit dem 25. September Philipp Röths malerische Landschaften zwischen Spätromantik und Impressionismus ausgestellt.
Malte Günther
Ausstellungen & Kunstprojekte

Formen die Leuchten

Michael Kiessling, Galerist des Kunstraums am Pfarrhof Leitershofen, erzählt gerne, wie er Sandra Tröger im Münchner Ausstellungsraum »Sandkasten« kennengelernt hat – und wie schnell aus diesem ersten Kontakt die Idee für eine gemeinsame Ausstellung entstand. Noch im selben Jahr wurde daraus Wirklichkeit: »Form Farbe Raum« zeigt eine äußerst sehenswerte Auswahl von Trögers Werk in den Räumen von Leitershofen.

Malte Günther
Ausstellungen & Kunstprojekte

Wegrennen ist einfach!

Der Kunstverein Augsburg startet am 19. September mit der Videoarbeit »Running away is easy, it's the leaving that's hard« (2025) in den Herbst.