Ausstellungen & Kunstprojekte

An der Schwelle zu etwas Neuem

Aschoff © a3kultur/bek

Die Künstlerin Dorothee Aschoff widmet sich in ihrer neuen Ausstellung im tim dem Unterwegssein als Flüchtende*r: Wie ist es, zu einer Reise mit ungewissem Ausgang aufzubrechen?
 

Boote aus durchscheinend hellem Papier oder dicker grauer Pappe, schroffe Ölmalerei, die in ihrem harten Glanz an Keramik erinnert, weiche Stoffbahnen und Kohlezeichnungen auf glattem Papier: Dorothee Aschoff, studierte Bildhauerin, nähert sich ihrem Thema auf vielfältige Weise und in verschiedenen Medien. Die Künstlerin untersucht die existenzielle Erfahrung der Flucht – den Weg aus einem Leben in ein anderes. Mit »Liminal Spaces«, dem Titel der Ausstellung, verwendet Aschoff einen Begriff aus der Ethnologie, der transitorische Räume und Schwellenbereiche beschreibt. Es geht um Übergänge von einem Lebensbereich zum anderen, um die Schwebe zwischen Nicht-Mehr und Noch-Nicht. Zu diesen entscheidenden Zeiten und Passagen gehören auch die Wege, die Menschen gehen, die ihre Heimat verlassen (müssen).

Aschoff konzentriert sich in ihrer Kunst auf Strukturen, Wege und Erfahrungen, blickt auf Details. Sie zeigt abstrahierte Wellen und Geröll, Spuren von Zeit und Materie sowie immer wieder Boote als Symbole des Reisens – einerseits der Gefahr und des möglichen Todes, andererseits der Hoffnung und Zuversicht. Dabei verzichtet Aschoff konsequent auf Farbe, bewegt sich im Spektrum zwischen Schwarz und Weiß und setzt auf die sinnliche Wirkung von Material, Struktur und Oberfläche. Außerdem verzichtet sie auf Darstellungen von Menschen, sodass die Besucher*innen sich mit dem Blick der Flüchtenden in diesem Spannungsgefüge bewegen.

Schwarze und weiße Wände strukturieren die weitläufige Halle im Obergeschoss des tim. Sie führen die Besucher*innen mäandernd durch den Raum, ohne den Durchblick völlig zu verstellen, sodass der Fokus immer auf den jeweils nächsten Abschnitt des Weges gerichtet bleibt. Markiert werden diese Kapitel durch Texte und Lyrik, etwa von Hilde Domin oder Paul Celan. Diese kluge und eindrucksvolle Präsentation von Aschoffs Kunst spiegelt den Weg flüchtender Menschen wider – eine Reise mit einem vielleicht vagen Ziel, deren Etappen jedoch nicht völlig vorhersehbar sind.
Erst zum Ende des Weges ändern sich Perspektive und Atmosphäre: In einem abgeschlossenen, blaudunklen Raum strahlt Aschoffs blaugrün leuchtende Schellackmalerei wie Juwelen des Weltalls. Untermalt von sphärischen Klängen löst sich die vorherige Schwere und Strenge. Der Blick weitet sich und erfasst alles zugleich. Bedrückend und bestechend, grandios und souverän – ein weites Spektrum der Erfahrung.

»Liminal Spaces« ist bis zum 2. März 2025 zu sehen, Dienstag bis Sonntag von 9 bis 18 Uhr. Begleitend werden verschiedene Führungen angeboten. Der sehr ansprechende Katalog ist für 39 Euro im Museum erhältlich. Ein Band mit Essays folgt zu Beginn des kommenden Jahres. 

timbayern.de
 

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