Ausstellungen & Kunstprojekte

Eine sehr schöne Entwicklung

Zentrum für Gegenwartskunst im Glaspalast Halle 2
a3kultur-Redaktion

Am Samstag, den 29. November öffnet der Glaspalast gleich zwei neue Ausstellungen auf einmal – die perfekte Gelegenheit für ein Gespräch mit Norbert Kiening, Präsident des BBK Schwaben Nord und Augsburg e.V.

a3kultur: Seit gut einem Jahr hat der BBK Schwaben Nord und Augsburg e.V. seine Galerie im Glaspalast. Wie seid ihr im Textilviertel gelandet?
Norbert Kiening: Genau betrachtet gibt es zwei Phasen des Umzugs in den Glaspalast. Der eine Umzug betrifft die Galerie des BBK im Glaspalast. Der mit großem Einsatz der Mitglieder gut bewältigt wurde. Die andere Phase betrifft die Ausrichtung der Großen Schwäbischen Kunstausstellung, die seit vielen Jahren in der Toskanischen Säulenhalle und im Schaezlerpalais verortet war.

Woher kam die Idee, in den Glaspalast zu ziehen?
Ab 2019 wurde im Glaspalast die H1 zur Verfügung gestellt, nachdem die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen ihre Präsentation dort aufgaben. Die Idee, die H1 nun für regionale Kunst zu nutzen – kommend vom BBK – wurde von der Stadt Augsburg dankenswerterweise umgesetzt. Dies war die Gelegenheit, die Gemeinschaftsschau erstmalig im Glaspalast durchzuführen. Die positiven Reaktionen auf den neuen Standort, an dem die Präsentation der Kunst aus Schwaben erstmals in einem angemessenen, zeitgenössischen Rahmen stattfinden konnte, gaben der Schau Auftrieb.

Wie nehmen eure rund 300 Mitglieder den Ortswechsel wahr?
In der Mitgliedschaft des BBK gibt es sehr positive Reaktionen, weil erkannt wird, dass mit den Ausstellungsräumen und dem Umfeld des Glaspalastes – mit den Kunstsammlungen & Museen Augsburg, der Galerie Noah, der Sammlung Walter und der Gesellschaft für Gegenwartskunst – die Präsentationen des BBK deutlich besser wahrgenommen werden. Gleichzeitig ist dieses Umfeld für die ehrenamtliche Galeriearbeit eine große Herausforderung.

Worin besteht diese Herausforderung?
In unserer Galerie im Glaspalast sind Ausstellungen zu kuratieren, die neben den anderen Angeboten im Haus bestehen können. Dafür sind auch die nötigen finanziellen Mittel zu beizubringen. Natürlich ist auch Überzeugungsarbeit zu leisten, wenn wir Ausstellungen von Nicht-BBK Mitgliedern präsentieren, aber ich meine, dass unser Verband die Verpflichtung hat, den Blick über unsere Region hinaus zu richten.

Welche künstlerischen Impulse sind mit den neuen Räumen verbunden?
In diesem Umfeld entsteht die Möglichkeit, Kunst aus der Region verbindlich zu präsentieren, das heißt qualitätvolle Arbeiten in einem sehr wertigen Rahmen zu zeigen. Die Galerie des BBK und die Möglichkeit, für die Jahresausstellung 1.100 qm oder – wie heuer – 1.600 qm zu bespielen, macht unsere Ausschreibungen auch für Künstler*innen interessant, die sich sonst vielleicht nicht im Umfeld des BBK sehen.

Der Glaspalast beheimatet H1 und H2, das Museum Walter samt Galerie Noah, die GfG, die Artothek und die BBK-Galerie. Wie läuft das Neben- oder doch Miteinander?
Gerade in diesen Tagen habe ich mit Stefan Schrammel, von der GfG im Rahmen einer Förderung für junge Kunst, die durch das Ehepaar Gabriela Palm und Wolfram Grzbka gestiftet wurde, eine Zusammenarbeit mit dem BBK in der Durchführung vereinbart.

Es gibt gegenseitige Ausstellungsbesuche und aktuell eine sehr intensive und fruchtbare Zusammenarbeit mit der neuen Leitung des Zentrums für Gegenwartskunst, Jan T. Wilms, der auch die Auswahlkommission für die Schwäbische bereichert hat. Es wird zudem eine Doppeleröffnung am 29. November im Glaspalast geben: Das Zentrum für Gegenwartskunst eröffnet »SYMBIOSIS« und wir eröffnen die 77. Große Schwäbische Kunstausstellung.
Darüber hinaus versuchen wir, durch konstruktive Zusammenarbeit Synergien zu schaffen.

Es gibt auch Dinge, die ihr im Abraxas zurücklassen musstet – wie die Druckwerkstatt. Wie stark ist die Wehmut?
Es ist nicht die Frage, wer die Druckwerkstatt, die wir mit großem Engagement betrieben haben, nun betreibt. Die Frage ist, ob es aktuell noch eine funktionierende Druckwerkstatt mit den bisherigen Möglichkeiten in Augsburg gibt. Wenn das so ist, kann das gut von einem anderen Träger fortgeführt werden. Aus der Mitgliedschaft ist jedoch Bedauern über die verlorenen Möglichkeiten wahrzunehmen.

Das heißt, es gibt gegenwärtig keine Druckwerkstatt?
Der BBK hat aktuell keine Druckwerkstatt.

Demnächst startet die 77. Große Schwäbische – zum 7. Mal im Glaspalast, erstmals in H2. Die Zahl der Besucher*innen bleibt noch hinter jener zurück, die ihr im Schaezlerpalais hattet. Was könnte der Grund dafür sein?
Aus meiner Sicht gibt es nur eine Antwort, die für alle Immobilien relevant ist: Lage, Lage, Lage. Das Schaezlerpalais liegt im Zentrum der Stadt, mitten in der Maximilianstraße, in erster Reihe. Außerdem ist das historische Haus allein schon einen Besuch wert – unabhängig von den Präsentationen, besonders in der Vorweihnachtszeit.

Auch die Toskanische Säulenhalle lag im Zentrum der Stadt, allerdings nicht in erster Reihe. Im Vergleich zur Toskanischen sind die Besucherzahlen im Glaspalast gestiegen. Das heißt nicht, dass wir nicht alles daran setzen werden, mehr Publikum zu erreichen. Ich denke, dass Fortschritte vor allem möglich sind, wenn unsere Präsentationen überregional wahrgenommen werden. Das ist der Grund, warum wir parallel zur Schwäbischen in unserer Galerie »Kunst aus Bayern« zeigen.

Der Verkauf bei der Großen Schwäbischen ist gleichzeitig deutlich angestiegen. Ist die Qualität der Arbeiten besser, liegt es am neuen Umfeld – oder wie erklärt ihr euch diese Entwicklung?
Ja, im Vergleich zu früheren Ausstellungen ist der Verkauf wesentlich gestiegen – eine sehr schöne Entwicklung, besonders für die Aussteller*innen. Ein paar Zahlen: 2020 – 6 Werke, 2023 – 12 Werke, 2024 – 21 Werke. Es wäre schön, wenn sich dieser Trend fortsetzt und wir – wie 2024 – fast ein Viertel der Ausstellung verkaufen. Das ist enorm und ein tolles Kompliment der Kunstsammler*innen und Kunst-Genießer*innen.

Ich bin mir bewusst, dass diese Entwicklung auch stark von der wirtschaftlichen Lage abhängt. Wir tun jedenfalls unser Bestes. Eine qualitätvolle Präsentation – wie sie im Glaspalast möglich ist – mit einem wertigen Katalog, Führungen, Konzerten etc. ist die Basis, diese Schau schwäbischer Kunst im Bewusstsein der Kunstinteressierten zu verankern. Wir sind abhängig von qualitätvollen Einreichungen, darum ist es wichtig, die Schwäbische attraktiv für Kunstschaffende in Schwaben zu halten.

Die Infrastruktur im Glaspalast für Besucher*innen ist ausbaufähig – kein Shop, kein Museumscafé, kein gemeinsamer medialer Auftritt der Kulturorte. Welche Punkte sollte man zuerst angehen, um den Glaspalast zu einem echten Cluster für Gegenwartskunst zu machen?
Ich denke, Fortschritte sind nur durch eine Bündelung der gemeinsamen Interessen der verschiedenen Player im Haus zu erzielen. Wir sind auf jeden Fall gesprächsbereit und freuen uns, wenn die Gesellschaft für Gegenwartskunst oder die Kunstsammlungen und Museen Augsburg Projekte mit dem BBK voranbringen.

Norbert Kiening © Marcus Merk

Norbert Kiening ist freischaffender Künstler und Vorsitzender des Berufsverbands Bildender Künstler Schwaben-Nord und Augsburg. 
 

77. Große Schwäbische Kunstausstellung
29. November 2025 – 22. März 2026 | Zentrum für Gegenwartskunst | H2 im Glaspalast

Zur 77. Großen Schwäbischen Kunstausstellung präsentieren 90 Aussteller*innen insgesamt 109 Werke, darunter großformatige Installationen. Der Kunstpreis der Stadt Augsburg geht in diesem Jahr an Erwin Roth.

Die Auswahljury setzt sich aus Fachleuten der Kunstsammlungen und Museen der Stadt Augsburg, des Bezirks Schwaben sowie Vertreter*innen des BBK Allgäu/Schwaben-Süd e.V. und des BBK Schwaben-Nord und Augsburg e.V. zusammen: Jan T. Wilms, Klara Reidel, Sophie Buscher, Bärbl Auer, Ebby Hauser, Daniela Riß, Anda Manea, Christine Reiter, Ines Roller, Christina Weber und Norbert Kiening.
Verantwortliche der Ausstellung: Regine Belli, Gabriele Fischer, Bernd Hohlen, Norbert Kiening, Henriette Macalik, Gitta Pielcke, Andrea Sandner, Katharina Schellenberger, Jo Thoma, Josef Zankl, Nina Zeilhofer und Rudolf Zimmermann.

Führungen mit Künstler*innen finden an folgenden Samstagen, jeweils um 15 Uhr statt: 29. November, 13. Dezember, 27. Dezember, 10. Januar, 24. Januar, 7. Februar, 21. Februar, 7. März, 21. März.

Konzert: T.H.I.Q. (Tilman Herpichböhm Intellectual Quartet) am 25. Januar 2026, 19 Uhr.

Mensch, Kunst, Natur

Die Ausstellung »SYMBIOSIS« lädt ab Samstag, 29. November zu einer multisensorischen Erkundung dieser fundamentalen Verbindung ein.

Auf 1.100 qm verwandelt sich das H1 des Zentrums für Gegenwartskunst in einen atmosphärischen Raum, in dem vier international renommierte Künstler*innen ihre Visionen präsentieren.

Paul Diestel schafft meditative Skulpturen aus minimalistischen Formen und natürlichen Materialien. Clare Langan entführt mit ihren filmischen Meditationen in Landschaften im Übergang – poetische Reflexionen über Klimawandel und Vergänglichkeit. Christiane Löhr formt aus Samen, Gräsern und Tierhaaren filigrane Strukturen von bestechender Zartheit. Nathan Peter verschmilzt in seinen vielschichtigen Arbeiten natürliche und künstliche Elemente zu kraftvollen Transformationsprozessen. Durch Malerei, Skulptur, Installation und Videokunst entsteht ein Dialog, der Gegensätze und Harmonien erfahrbar macht – von der Fragilität ökologischer Systeme bis zur Materialität als Ausdruck natürlicher Kräfte. Die räumliche Inszenierung ermöglicht ein sinnliches, emotio­nales und intellektuelles Erleben.

Lassen Sie sich inspirieren, die Verbindung zwischen Mensch und Natur neu zu entdecken und Perspektiven für ein verantwortungsvolles Miteinander zu entwickeln.

www.kunstsammlungen-museen.augsburg.de

 

Die Kunststiftung Grzabka-Palm, gegründet im Oktober 2025, fördert die Gesellschaft für Gegenwartskunst Augsburg zehn Jahre lang mit jährlich 10.000 Euro zum Aufbau der Sammlung »Junge Kunst in der GfG-Artothek«. Künstler*innen bis 35 Jahre können sich jährlich für eine Studioausstellung im Glaspalast bewerben, ihre Werke auf Papier präsentieren und werden bei Auswahl angekauft. Die erste Ausschreibung startet Anfang 2026.

Das Kunstmuseum Walter ist ein privates Museum ohne öffentliche Förderung und ebenso im Glaspalast beheimatet. Mit über 1.600 Werken bietet es einen einzigartigen Einblick in moderne und zeitgenössische Kunst aus Deutschland, Europa und Amerika – darunter die weltbekannte Leipziger Schule – sowie Klassische Moderne des 20. Jahrhunderts.
 

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