Politik & Gesellschaft

Selten lebendig

a3kultur-Redaktion

Der Kulturbeirat der Stadt Augsburg beschloss in einer Sitzung einstimmig Empfehlungen zur Verbesserung der Situation auf dem Gaswerk-Areal. Die Empfehlungen spiegeln die seit Langem geforderten Veränderungen der a3kultur-Redaktion wider. 

Die Stadt Augsburg hat 2013 entschieden, das Gaswerk-Areal zum Kultur- und Kreativwirtschaftsquartier zu entwickeln. Das Gaswerk wurde visioniert als lebendiger und vernetzter Ort der Kunst, Kreativität und Innovation an einem Industriedenkmal, der Impulse für die Stadt Augsburg gibt.

Dennoch wird das Quartier dem eigenen Anspruch heute nur teilweise gerecht. Gerade tagsüber unter der Woche erlebt man das Areal selten als lebendig. Zudem verzögert sich der weitere bauliche Ausbau erheblich. Die Entwicklung des Gaswerks als Kreativquartier ist ins Stocken geraten.

Die Gründe: zu wenig Austausch und Zusammenarbeit der Kreativen vor Ort, zu geringe Attraktivität des Areals für die Öffentlichkeit, Probleme in der Organisationsstruktur und der personellen Aufstellung.
Um die Entwicklung des Gaswerks wieder in Schwung zu bringen, gibt der Kulturbeirat folgende Empfehlungen:

 

Schaffung von mehr Möglichkeiten zum Austausch und zur Zusammenarbeit der Kreativen vor Ort

Damit das Gaswerk-Areal zum kreativen Schmelztiegel wird, benötigen die Kreativen mehr Gelegenheiten zu Begegnung, Austausch und Zusammenarbeit und mehr Spielräume für die künstlerische Selbstverwaltung.

Der Kulturbeirat empfiehlt daher die zügige Eröffnung einer niederschwelligen und ganztägig geöffneten Gastronomie als Begegnungsstätte in der Garage. Zudem sollten Räume für Veranstaltungen und Ausstellungen geschaffen werden – in künstlerischer Selbstverwaltung. Bei der Vergabe geförderter Räume muss auf die Präsenz und Aktivität der Mieter*innen auf dem Areal Wert gelegt werden. Zudem fordert der Kulturbeirat eine Verbesserung der Kommunikation durch einen E-Mail-Verteiler sowie ein Intranet. 
Um ein Zusammenwachsen des Gaswerks mit dem BayWa-Areal des Kulturparks West zu ermöglichen, muss die Trennung durch das Localbahn-Gleis endlich durch einen Bahnübergang überwunden werden.

Erhöhung der Attraktivität des Areals für die Öffentlichkeit

Der Kulturbeirat empfiehlt, die Gaswerk-Galerie im Ofenhaus-Neubau dauerhaft zugänglich zu machen. Auf dem Außengelände ist die Aufenthaltsqualität weiter zu verbessern und das Gelände muss barrierefrei gestaltet werden. Mit der Errichtung eines Spielplatzes und von Bewegungsflächen kann das Areal zusätzlich aufgewertet werden. Eine künstlerisch gestaltete Illumination der Baudenkmäler kann das Areal in Szene setzen und die abendliche Atmosphäre verbessern. Die Zugänglichkeit des Areals ist durch Beschilderung, Straßenbeleuchtung und höhere Taktung des ÖPNV zu verbessern. Für Festivals sind Räumlichkeiten vorzuhalten. Konzerte sind auch nach 22 Uhr zu ermöglichen. In Abstimmung mit dem Umweltamt ist sicherzustellen, dass die Veranstaltungen, die die akustischen Grenzwerte einhalten, trotz einzelner Anwohnerbeschwerden stattfinden können.


Bei der Programmgestaltung dürfen Party-Events nicht im Missverhältnis zu Kulturveranstaltungen stehen. Die Entwicklung des großen Teleskopgasbehälters ist wieder aufzunehmen. Der große Scheibengasbehälter ist als herausragendes Baudenkmal regelmäßig mit Leben zu füllen.

Verbesserung der Organisationsstruktur und der personellen Aufstellung

Mit dem Erreichen der Vollvermietung haben die Stadtwerke kaum wirtschaftliches Eigeninteresse mehr an der weiteren Belebung des Areals. Der Kulturbeirat empfiehlt daher: Die Stadt Augsburg und die Stadtwerke müssen sich auf eine gemeinsame Strategie für die nächs­ten Jahre verständigen und an einem Strang ziehen, um diese zu realisieren. 


Die Besetzung der Stelle eines dauerhaft präsenten Community Managers (Vollzeit), der auch als Programmmacher fungiert, erachtet der Kulturbeirat als unabdingbar. Ebenso ist an der dauerhaften Anwesenheit der Geschäftsführung vor Ort festzuhalten. Falls sich dies in der gegebenen Trägerstruktur nicht realisieren lässt, ist diese zu reformieren. Für den aufgelösten Kreativwerk-Aufsichtsrat ist ein Nachfolgegremium einzurichten, das die Entwicklung des Gaswerks fachkundig begleitet. (Zusammenfassung von Helena Makarenko und Jürgen Kannler)

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