Politik & Gesellschaft

Servus Sigi ***

a3kultur-Redaktion

Mit dem Tod von Sigi Zagler verliert die Presselandschaft unserer Stadt eine wichtige Stimme. 

Es gibt Menschen, die mehr als eine todverheißende Diagnose brauchen, um endgültig ausgezählt zu werden. Zu diesem Schlag zählte wohl auch Sigi Zagler. Am 2. März holte den Herausgeber und Chefredakteur der Onlinepublikation DAZ eine ihn seit Jahren quälende Krebserkrankung, in Verbindung mit einem schweren Schlaganfall, endgültig von den Beinen.

Einem wie ihm war es nicht ins Stammbuch geschrieben, die Augsburger Presselandschaft entscheidend mitzuprägen. Aber er war ein Kind des sozialdemokratischen Aufbruchs der Sechziger- und Siebzigerjahre. Für seine Generation galt noch das Versprechen des gesellschaftlichen Aufstiegs aus dem Arbeitermilieu, bei erwiesenem Talent, einer durchschnittlichen Portion Leistungsbereitschaft und dem nötigen Quantum Glück, das letztendlich für jeden Lebenslauf entscheidend ist. 

Lebensversuche waren zu jener Zeit einfacher anzugehen. Eine kleine Wohnung kostete in Augsburg bis in die Neunzigerjahre 250 D-Mark Miete, ein WG-Zimmer die Hälfte. Das soziale Netz war eng geknüpft. Bei Abstürzen fiel man zumeist weich.

So wurde Zagler Lehrer, Schachspieler, Journalist. Er erkannte die Zeichen der Zeit und setzte als Publizist auf deren technische Möglichkeiten. Gemeinsam mit dem in IT-Fragen versierteren Bruno Stubenrauch startete Zagler 2007 das Onlineprojekt »Die Augsburger Zeitung – DAZ«. Stubenrauch war nicht der einzige Weggefährte, den er im Laufe all der Jahre zurückließ oder der sich von Sigi verabschiedete.

Ein wirklich einfacher Mensch war Sigi Zagler nicht. Aber welcher gute Journalist möchte schon dein Freund sein, wenn es um eine gute Story geht. Und von denen hatte er im Lauf seiner Karriere einige anzubieten. Die DAZ war Pflichtlektüre in den Redaktionsbüros von Heimatzeitung bis a3kultur, in den Fraktionsräumen des Rathauses und in so manchen Verwaltungsstuben der Stadt. Die Whistleblower aus den Amtszimmern wussten sich bei Zagler in guten Händen. Sein Netz an Informant*innen war eng gewebt. Und mit so manchem Post aus seiner Zuhause-Redaktion brachte er nicht nur den großen Mitbewerber AZ in Zugzwang.

Diese publizistische Stimme, zuweilen leise, manchmal auch gewaltig, wie zuletzt bei den DAZ-Beiträgen im Kontext der Antisemitismusdebatte rund ums Brechtfestival und seinen Leiter, wird in unserer Stadt fehlen. Unabhängig davon, wie sich die Zukunft der DAZ gestalten wird. Kommerziell hätte Zagler mehr aus seinem Medium herausholen können. Es gab Kaufangebote. Und gerade in der Riege der regionalen Politberatenden gab es Begehrlichkeiten, dieses Sprachrohr für ihre politisch schwarz gefärbte Klientel zu instrumentalisieren.

Für Sigi Zagler war dieses Ansinnen unterhaltsam und es schmeichelte seinem Ego. Es war jedoch keine echte Option für den Pressemann, der den Scoop liebte und den oft damit verbundenen Nervenkitzel. Für seine Arbeit brauchte er meist nicht viel mehr als sein Adressbuch, ein Telefon und einen Computer. Vielleicht wird ihm dies alles nun abgehen. Uns aber wird er sicher fehlen. Die Beisetzung findet am Mittwoch, den 13. März um 10:15 Uhr auf dem Alten Ostfriedhof in Augsburg-Lechhausen statt.

In den Jahren vor Corona verdichteten sich die Kooperationen zwischen der DAZ und der a3kultur-Redaktion. Ein erstes publizistisches Baby war der gemeinsame Podcast »Jetzt geht Kurt« zur Kommunalwahl 2020. 
Die Fotos zeigen Sigi Zagler und Jürgen Kannler bei den Aufnahmen in der a3kultur-Redaktion in der Ballonfabrik.

Siegfried Zagler und Jürgen Kannler in der Redaktion von a3kultur
Siegfried Zagler und Jürgen Kannler in der Redaktion von a3kultur

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