Politik & Gesellschaft

Sichtbarkeit, Kultur, Etat

Stromkasten © a3kultur / kaj
a3kultur-Redaktion

Sichtbarkeit ist für Kulturorte existenziell. Der Raum hierfür ist äußerst divers, unterliegt jedoch einer starken Marktlogik und ist für viele Kulturtreibende schlichtweg nicht leistbar.

Kulturelle Sichtbarkeit ist eine grundlegende Voraussetzung, wenn es darum geht, einerseits den gesellschaftlichen Stellenwert von Kunst und Kultur widerzuspiegeln sowie ganz konkret Kulturorte und deren Programm auf vielfache Weise im Mikrokosmos einer diversen Stadtgesellschaft zu präsentieren. Zweifelsfrei verändert sich kulturelle Sichtbarkeit. Das liegt mitunter an der veränderten Bedeutung von Printmedien, in denen Kulturveranstaltungen beworben werden. Hinzu kamen neue digitale Möglichkeiten. Allerdings ohne analoge Werbeorte vollständig zu verdrängen. Vielmehr erweiterten diese die Bandbreite, etwa für ein Konzert in der Kantine, eine Lesung im Abraxas oder eine neue Kunstaustellung in der Villa Schöne Felder zu werben. Im öffentlichen Raum sind diese Werbeflächen durch die Stadtverwaltung zu großen Teilen reguliert, um einem Wildwuchs entgegenzuwirken. Verständlich – man dürfte sich sonst in der Stadt fühlen wie im Internet der 2000er mit seinen unzähligen Pop-UpFenstern, die einem aller Hand verkaufen wollten. a3kultur geht in diesem Schwerpunkt der Frage nach, wie es in und um Augsburg um das Thema Werbung im öffentlichen Raum bestellt ist. Für diese Dokumentation haben wir eine fiktive Kulturveranstaltung Ende Januar 2027 gewählt, für die wir mit bis zu 20 Plakaten (analog wie digital) im Stadtgebiet werben wollen – über einen Zeitraum von zwei Wochen. Auf dieser Grundlage haben wir Preise für eine entsprechende Werbekampagne angefragt. Die angegebenen Preise für Litfaßsäulen und Billboards sind dabei Einzelpreise, die je nach Lage variieren. Ein Teil der Anbieter vermarktet seine Werbeflächen direkt über eigene Strukturen, ein anderer Teil läuft bundesweit über entsprechende Plattformen, die die Angebote bündeln und vermitteln.

A0 Stahlrahmen © a3kultur / fab
A0 Stahlrahmen (Pfau GmbH) 

Die etwas mehr als 600 Stahlrahmen in Din A0 Größe verteilen sich im gesamten Stadtgebiet. Die Stahlrahmen richten sich speziell an Kultur und Konzerte in der Stadt sowie angrenzenden Gemeinden und nichtkommerzielle Veranstaltungen von Vereinen in Augsburg, als auch Stadtteilaktionen. Die Preise sind daher, mit 305 € für eine zwei wöchige Kampagne, im Verhältnis zum Großteil der anderen Anbieter günstig, die Preisstruktur transparent und offen einsehbar.

Litfaß Säulen © a3kultur / fab
Litfaß-Säulen (Schiffmann) 

Im ganzen Stadtgebiet gibt es die, ganz klassisch mit geklebten Plakaten oder mit beleuchteter Glasfassade und drehbaren Litfaß-Säulen. Demnach variieren Preise nach Lage und Ausstattung. Über eine entsprechende Plattform sind Termine in 10 bis 11 Tagesslots möglich, inklusive Anbringung. Für die Litfaßsäule am Mittleren Graben lägen die Kosten für eine ganze Säule in den letzten beiden Dezemberwochen bei etwa 362 Euro. Einzelplakate an den beleuchteten Glassäulen sind je nach Lage und Verfügbarkeit ähnlich oder sogar noch teurer, wie etwa vor der City Galerie (siehe Foto)

Billboards © a3kultur / fab
Billboards (diverse Anbieter) 

Klassische Billboards gibt es ebenso weiterhin wie jene digitalen. Auch hier variieren Preise stark nach Lage und Zeitraum, sowie digital oder analog. Über eine entsprechende Plattform haben wir uns jene am Plärrereingang Lagenmantelstraße angesehen. Termine sind auch hier in 10 – 11 Tagesslots möglich, inklusive Anbringung betragen die Kosten für eine zweiwöchige Kampagne 495 €.

Citylights © a3kultur / kaj
Citylight Poster (Schiffmann) 

An den Haltestellen der Stadtwerke Augsburg läuft die Vermietung in Zusammenarbeit mit Schiffmann Außenwerbung. Es besteht die Möglichkeit im 8/1-Bogen oder kleiner im A1 / A0-quer (siehe Foto) zu werben.Die Preisstrukturen hier sind intransparent.

Moskitos © a3kultur / kaj
Moskitos (Pfau GmbH) 

Für die Bewerbung im Augsburger Umland bieten sogenannte MoskitoRahmen an City Cubes eine Ergänzung zu den innerstädtischen Flächen. Verfügbar sind sie aktuell in Aichach, Friedberg, Gersthofen, Königsbrunn und Neusäß, jeweils mit drei Netzen pro Standort im Format A1. Ein Netz fasst je nach Ort zwischen 7 (Neusäß) und 16 Plakaten (Königsbrunn). Mit einem vergünstigten Angebot für Kultur und Vereine liegen die Kampagnenkosten hier bei 302,40 €.

Freie Plakatierung © a3kultur / mag
Freie Plakatierung 

Eine Besonderheit insbesondere für den Kulturbereich stellt die freie Plakatierung dar. Diese wird vornehmlich von der freien Szene genutzt, da sie kostenfrei und oftmals geduldet ist. Es gibt allerdings Ausnahmen. Etwa wenn Eigentümer leerstehender Immobilien das Plakatieren verbieten. Oftmals wird es auch dort lange geduldet. Die Spots hierfür wurden in den vergangenen Jahren rar und werden zum Teil innerhalb der Szene weitergegeben.

Werbung prägt unseren Alltag

Ohne, dass Menschen diese bewusst wahrnehmen. Kein Wunder, bei der Fülle der unterschiedlichen Flächen und Formate. Insofern ist es zu begrüßen, dass die vielen und vielfältigen Werbeflächen zumindest im Ansatz einer Regulierung unterliegen. Dennoch unterliegen Werbeflächen einer starken Marktlogik. Das zeigt sich an Preisen und Verfügbarkeiten einerseits, andererseits an der nicht immer vorhandenen Transparenz, wer wie werben kann. Die Fülle der gewerblichen Anbieter nutzt eine Preisstruktur, die je nach Zeitraum, Ort und Format einer Werbemaßnahme stark variiert. Hinzu kommt, dass mit der Unterschiedlichkeit der Werbeflächen anderes Know-How bei Planung und Gestaltung gefragt ist. Kein Wunder also, dass diese Werbeflächen in aller Regel nur von großen Unternehmen angemietet werden. Undenkbar ist es für die meisten Kulturschaffenden für ein Konzert oder eine Lesung sich bei Billboards, City-Light-Postern oder Litfaßsäulen einzumieten. Zumal hierfür zusätzliche Ressourcen von Nöten wären. Dahingehend ist es für die Kunst- und Kulturszene von Vorteil, dass die Stadt etwa mit den A0-Stahlrahmen eine flächendeckende und in Relation zum Großteil der gewerblichen Anbieter günstige und explizit der Kultur und Vereinen vorbehaltene Werbemöglichkeit geschaffen hat. Selbiges betrifft die in der Region anzutreffenden sogenannten Moskitos, welche für Kultur ein günstigeres Angebot schaffen als für gewerbliche Anbieter. Dieses Prinzip sollte die Stadt weiterdenken: Wenn sie Werberechte vergibt, sollte Kultur von vornherein feste Slots erhalten, statt auf Restflächen angewiesen zu sein. Das gilt auch für digitale Formate wie Bildschirme an Haltestellen, in Straßenbahnen und Bussen. Werden Kulturkontingente schon in den Vergabebedingungen verankert, kann sich Sichtbarkeit nicht nur leisten, wer ein großes Marketingbudget hat. Für den Ansatz einer kulturellen Sichtbarkeit sind solche Angebote ein echter Gewinn, wenn gleich auch diese Möglichkeiten nicht für alle Kulturveranstaltungen bezahlbar oder sinnvoll sind. Oftmals sind es größere Museen, Festivals, städtische Träger, die sich hier problemlos einmieten können. Für die freie Szene, welche mit weniger Budget auskommt oder ehrenamtlich Kultur ermöglicht bleibt die freie Plakatierung etwa an leerstehenden Schaufenstern von zentraler Bedeutung für die Bewerbung der eigenen Veranstaltungen. Überdies passiert kulturelle Sichtbarkeit nicht ausschließlich analoge und digitale Werbeformate – vielfach leben Angebote auch von Mundpropaganda. Heißt für alle Besucher*innen von Konzerten und Co.: Weitersagen lohnt!

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