So selbstverständlich
»When Nothing Stays The Same« versammelt drei künstlerische Transzendenzen in der Moritzkirche.
Eisberge »kalben« manchmal – jetzt auch die lichten Seitenschiff-Rundbogen in St. Moritz? So selbstverständlich integrieren sich Eva Golds »Shelters« in ihren umgebenden Schutzraum. Tatsächlich verlangten die beiden Rückzugskapseln ihrer Schöpferin aufwendigste Vorarbeit ab. In den halbrunden Nischen kann man sich einnisten, um Geborgenheit, gar Langeweile im positiven Sinn zuzulassen – alles inmitten einer trotz Parklets und Topfbäumchen »unortigen« Innenstadt. Eva Gold schließt das spätere »Auswildern« ihrer Schutzskulpturen im öffentlichen Raum nicht aus – ein ebenso begrüßens- wie medial beachtenswertes Wagnis.
Vorerst dringt nur gedämpftes Großstadtgrollen herein, dezent untermalt es auch Udo Hudelmaiers bewegtes Altarbild »Loss becomes hope«: Reale mikrokosmische Ereignisse entfalten am Großschirm beeindruckende Dynamiken und Dimensionen. In der unendlich brodelnden Ursuppe erahnt man die Schöpfungsgeschichte. Dabei lebt Hudelmaiers 17-minütiges Video vom geduldigen »Stirb und Werde«-Experiment in der Nussschale. Zahllose Prozesssteuerungsversuche seien gescheitert, erklärt der Augsburger Diplom-Designer. Genau dieser Kontrollverlust prägt die Faszination seiner höchst bewegenden, grenzerweiternden Kurzfilme.
Konkret kreatürlich grüßt »Supra«, die schöpfungsumfassende Soundskulptur von Markus Mehr und Florian Jung, im von virtuellen Grillenschwärmen und Frosch-Kantatenchören besetzten Lichthof. Aus gefallenen Tropfen, auf biegsamen Bambusrohren schwingend, weist Markus Mehrs klangliche Jagdbeute den Weg ins Höhere, Tiefere, Allgewaltige, siebenfach verstärkt aus den formschönen Bauten einer bislang unbekannten Spezies, kultiviert und technisch perfektioniert durch Florian Jung. Mit Blick gen Himmel feiert »Supra« universelle Kräfte, deren Strömungen uns tragen oder mitreißen – frei von liturgischen Glaubensbekenntnissen.
»Kreuzwirkungen« der drei eigenständigen Kunstinterventionen wollen individuell erlebt werden: Am Eröffnungsabend ermutigte Kurator Michael Grau zur »gesamtsinnlichen« inneren Einkehr. »When Nothing Stays The Same« ist bis zum 22. März täglich von 9 bis 19 Uhr außerhalb der Gottesdienste und sonstigen Veranstaltungen geöffnet. Interessierte sind herzlich eingeladen zum Künstler*innengespräch mit Eva Gold am 26. Februar um 19:30 Uhr sowie mit Udo Hudelmaier am 8. März um 15 Uhr.
Infos & Termine: www.moritzkirche.de
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