Spitzen-Idee
... oder wohin mit einem Wahrzeichen? Ein Kommentar von Alexander Möckl
»Denk mal NEU!«, »Einmal Zukunft mit Zwiebel bitte!«, »Turm der Herzen seit rund 1000 Jahren« oder »Ende 2027 geht es hoch hinaus«. Diese plakativen Sprüche zieren in großen Lettern und auch in englischer Übersetzung den Pavillon direkt vor dem Rathaus. Obenauf thront die »Zwiebel«, also die Spitze des Perlachturms. Innerhalb des Runds zeigt eine Dokumentation die Geschichte des ursprünglichen hölzernen Wachturms auf.
Der nun kopflose Turm ist gänzlich eingerüstet und bereit für die Sanierung. Rund 9 Millionen Euro soll das kosten und voraussichtlich bis Herbst 2027 fertig sein. Und dann »geht es hoch hinaus«, steht ja auch da. Hoffentlich nicht bei der Planung und den Kosten.
Über zwei Jahre
Der Kopf des Perlachturms wiegt schwer, sehr schwer sogar. Schon das Herunterbringen auf den Boden der Tatsachen stellte sich als komplizierter heraus als gedacht. Inzwischen blockiert er die freie Sicht auf das schöne Rathausportal. Steht da, aufgebockt auf einem Pavillon, und wird sich ob der Masse nicht so einfach mehr verschieben lassen. Für mindestens zwei Jahre wird das jetzt der Anblick sein. Da müssen sich Besucher*innengruppen wohl einen anderen Ort suchen, um Fotogrüße aus der Römerstadt nach Hause schicken zu können.
Warum gerade hier?
Skeptisch nähere ich mich dem Monstrum. Egal von welcher Seite ich es versuche, es steht im Weg. Aber es scheint nur mir so zu gehen. Denn aus dem Inneren des Luxuszelts kommen ständig Menschen heraus, mit Fotoapparaten um den Hals und Stadtplänen in der Hand. Ich wage einen Blick hinein. Und ja, da stehen sie, lesen die Texte, bewundern die lange Geschichte des Turms zu Augsburg, gehen hinaus, betrachten die »Zwiebel« und nicken wieder beeindruckt. Andere blicken kurz in Richtung Straßenbahn und machen sich mit wenigen Schritten davon, um in die Bahn einzusteigen, die gerade daherkommt.
Mir stellt sich dennoch die Frage: »Warum gerade hier?« Gibt es in Augsburg keinen schöneren, keinen besseren, keinen würdigeren Ort, um das Wahrzeichen Augsburgs schlechthin auszustellen?
Pro und Contra
Ich bin verunsichert. Finde ich das jetzt nachvollziehbar oder komplett »fehl am Platz«? Ich sortiere für mich die guten und die schlechten Aspekte:
Pro
- Das Dach ist so schwer, dass ein langer Transportweg zu viel kosten würde.
- Zum Rathaus gehen sehr viele Tourist*innen.
- Das Warten auf die Straßenbahn wird verknüpft mit Geschichtsunterricht.
- Noch nie war man der Spitze des Perlachturms so nah.
- Zur Weihnachtszeit könnte es hier Edelpunsch zur Refinanzierung der Sanierungskosten geben.
Contra
- Der Pavillon wirkt unglücklich an die Wand gedrängt.
- Die Spitze des Perlachturms hätte einen schöneren Ort verdient.
- Nichtssagende Sprüche am Pavillon.
- Schmucklose Gesamtgestaltung.
- Grobe Einschränkung beim Blick auf die Rathausfassade.
Fazit
Auch wenn es nach meinem Hin und Her ausgeglichen scheint – gefühlt bin ich mit dem Standort nicht zufrieden. Der Pavillon wirkt deplatziert. Zu groß und mächtig, um das Ganze einfach so hinzustellen wie einen Kübel, von dem man nicht weiß, was man gerade damit anfangen soll. Immerhin steht das Ding jetzt für mindestens zwei Jahre dort, und daran gewöhnen möchte ich mich nicht. Ich hätte mir gewünscht, dass ein größerer Raum eingeplant worden wäre – zum Beispiel mitten auf dem Rathausplatz, auch wenn dafür fünf Glühweinbuden weniger zu Weihnachten im Geschäft gewesen wären. Für Ausschank und Co. gibt es immer einen guten Ort, für geschichtsträchtige Wahrzeichen nur einen: mitten in die Stadt.
Das könnte Sie auch interessieren
»Mit vereinten Kräften«
Sport verbindet
Glück, Kultur, Rendite
Das Glück
Die glücklichsten Großstadtmenschen Bayerns findet man in Augsburg. Im nationalen Vergleich liegt unsere alte Römerstadt auf Platz 2. Getoppt von Erfurt in Thüringen. Dieses Ergebnis brachte eine Studie der SKL unter deutschen Kommunen über 100.000 Einwohner*innen an den Tag.