Das Studium aktiv mitgestalten

30. Dezember 2020 - 5:13 | Jürgen Kannler

Sibylle Lang gehört zu den Ersten, die den Augsburger Modellstudiengang Humanmedizin studieren. Später möchte die ausgebildete Krankenpflegerin im Klinikbetrieb arbeiten.

Circa 20.000 Studierende in rund 90 Studiengängen an 8 Fakultäten – das sind die aktuellen Zahlen der Universität Augsburg. »Wie studiert es sich heute?« fragt die a3kultur-Sonderveröffent­lichung zum 50. Geburtstag des größten Bildungs- und Kulturortes unserer Region. Download der Gesamtausgabe

8 Student*innen, pro Fakultät eine*r, hat die a3kultur-Redaktion in Kooperation mit der Universität Augsburg porträtiert: #8 Sibylle Lang, Medizinische Fakultät (Foto © Frauke Wichmann)

Die Medizinische ist die jüngste der acht Fakultäten in Augsburg. Der Lehrbetrieb läuft nun seit gut einem Jahr. Zehn Kilometer liegen zwischen der 50 Jahre alten Universität und dem bald 40-jährigen Klinikum, das mit seinen derzeit rund 5.000 Beschäftigten den Stadtteil Kriegshaber prägt. Sibylle Lang erwartet mich am Eingang zur Medizinischen Fakultät an der ehemaligen Kinderklinik. Seit zwei Semestern studiert die 23-Jährige in Augsburg und ist in der Fachschaft aktiv. Sie gehört zur Alpha-Kohorte. Dieser etwas martialisch anmutende Begriff bezeichnet den ersten Jahrgang eines neu eingerichteten Studiengangs.

Erst Ausbildung, dann Studium

Bevor sie zum Studium nach Augsburg kam, lebte Sibylle in Wuppertal. Nach dem Abitur machte sie zunächst eine Ausbildung zur Krankenpflegerin. Eine Berufsausbildung, zum Beispiel in einem Pflegeberuf, wird an vielen Universitäten als Zulassungskriterium gewertet und wurde bis letztes Jahr an manchen mit bis zu 0,6 Notenpunkten boniert. So verbesserte sie ihre gute Abitur-Durchschnittsnote und schaffte den Sprung ins Studium. Die Konkurrenz um Studienplätze ist in der Medizin besonders hart.

»In meiner Familie gibt es einige Mediziner*innen. Das Thema war, seit ich mich erinnern kann, positiv besetzt und hat mich eigentlich schon immer interessiert. So kam es zum ersten Praktikum noch während meiner Schulzeit. Auch die Ausbildung zur Krankenpflegerin war spannend. In jedem Bereich, in dem ich eingesetzt wurde, konnte ich mir vorstellen später auch zu arbeiten. Ich möchte in den Klinikbetrieb. Die Arbeit in einer Praxis ist eher nicht so mein Ding.« Wie Sibylle das Medizinstudium nach einer Fachausbildung zu starten, ist gewiss nicht die schlechteste Voraussetzung für eine angehende Ärztin. Es trifft wohl auch den Geist des Augsburger Modellstudiengangs, der sich ja an den ärztlichen Rollen und ihren Kompetenzen orientieren soll.

Der Augsburger Modellstudiengang

Dies bestätigt Gründungsdekanin Prof. Dr. Martina Kadmon: »Wir bilden unsere Studierenden sehr früh sowohl praktisch als auch wissenschaftlich aus und bringen sie in ihrem Studium auch mit Studierenden der Medizininformatik zusammen. Mittelfristig wollen wir auch Medizinstudierende und Auszubildende in der Pflege zusammenbringen – sie arbeiten später ja auch zusammen und wir versprechen uns von ausgewählten gemeinsamen Lehrsituationen entlang des Studiums und der Ausbildung ein besseres gegenseitiges Verständnis.« Prägend für die Medizinische Fakultät sei weiterhin auch der rasant verlaufende Aufbau, der vom Universitätsklinikum und von der Universität gemeinsam gestaltet wird.

Mit Blick auf die Forschung meint Prof. Kadmon: »Unsere Fakultät macht ein besonderes Profil aus, das sehr aktuelle Themen aufgreift, wie etwa die Digitalisierung und datenbasierte Forschung und das Zusammenspiel zwischen Umweltfaktoren und Gesundheit bzw. Krankheiten. Der Forschungsschwerpunkt ›Medical Information Sciences‹ bietet die Möglichkeit, aus sehr vielen patientenbezogenen Daten neue Erkenntnisse zu gewinnen, welche die Versorgung in der Zukunft verbessern können. Das betrifft auch die Bereiche Tumormedizin, Herz- und Gefäßmedizin sowie Allergologie – Schwerpunkte, die am Universitätsklinikum in der Forschung im Zentrum stehen. Im Schwerpunkt ›Environmental Health Sciences‹ geht es unter anderem um die detaillierte Erforschung von Zusammenhängen zwischen Umweltfaktoren (von Klima über Feinstaub bis hin zur Lärmbe-
lastung) und Gesundheitserhalt bzw. dem Entstehen von Erkrankungen und Krankheitsverläufen im Rahmen der Patientenbehandlung.«

Per Zufall nach Augsburg

Dass Sibylle ihr Studium der Medizin in Augsburg begonnen hat und so Teil der Alpha-Kohorte an der gerade an den Start gegangenen Fakultät wurde, war Zufall. Sie bewarb sich in einigen Städten und landete über die zentrale Vergabestelle als Nachrückerin in Bayerisch-Schwaben. Von der Stadt kannte sie, wie viele, eigentlich nur die Puppenkiste. Sie mag die Spaziergänge vom Rathausplatz zu ihrer Wohnung in Lechhausen und sie liebt den Hofgarten hinter dem Dom.

»Ich hatte keine speziellen Erwartungen an Augsburg, aber mir gefällt die Stadt. Ich mag Altstädte, vielleicht auch weil es nichts wirklich Vergleichbares in Wuppertal gibt. Es ist hier nicht zu groß und weitläufig. Das macht es einfacher, sich einzuleben und zu orientieren. Und als eine der Ersten an einer nagelneuen Fakultät zu studieren, ist natürlich super. Diese Aufbausituation ist extrem spannend. Unser Anfangsjahrgang umfasst etwa 80 Student*innen. Hier kennt man sich – nicht nur die Studierenden untereinander, sondern auch Dozierende und Beschäftigte in der Fakultät. Man hat außerdem die Möglichkeit, aktiv die Entwicklung des Studiengangs mitzugestalten. Wer gute Vorschläge macht, zum Beispiel wie ein Praktikum aussehen könnte, der wird gehört und Änderungen können meist schnell umgesetzt werden. Das ist an anderen Unis nicht unbedingt so.«

Die Medizinische Fakultät wird in den kommenden Jahren von Semester zu Semester wachsen. Sie wird wie eine kleine Stadt in der Stadt funktionieren und dabei auch die weitere Nachbarschaft verändern. Wir sitzen bei unserem Gespräch in einer lichten Halle in den oberen Stockwerken. Im anschließenden Trakt erblickte mehr als die Hälfte der Menschen unserer Region das Licht der Welt. Ein Blick aus dem Fenster zeigt viel Grün im Park vor der Klinik. Ein Ort, um die Zeit zwischen den Seminaren zu verbringen? »Leider nein. Wir arbeiten eng getaktet. Viel Zeit bleibt da gar nicht – außer für eine große Mittagspause in der Klinikmensa. Ich bin aber auch oft an der ›großen Uni‹, zum Beispiel um in der Zentralbibliothek zu lernen.« (kaj/uni)

www.uni-a.de

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