Täuschend (Br)echt
Tag 1 der »Brechtmaschine« im Saalbau Krone
Brecht oder GPT3? Mit einer Gameshow startete die fünfteilige »Brechtmaschine« am ersten Festivalwochenende des Brechtfestivals unter dem Motto »Brecht’s People«. Launig moderiert von Julian Warner, gerieten Antigone Akgün und Dr. Michael Friedrich ins Rätseln, wenn es echte von KI-generierten Brecht-Zitaten zu trennen galt.
»Sag, dass das nicht Brecht ist!«, rief die Gastregisseurin (u.a. »Leer/Stand –Der Brotladen«) bei einem besonders trivialen O-Ton, der allerdings Brechts Arbeitsjournal entstammte. Ihr Gegenspieler, Vorstand des Augsburger Brechtkreises, entlarvte »unbrechtige« Statements zu Themen wie Kommunismus, Theater und Eigentum durch profundes Wissen über Augsburgs unbequemen Sohn.
Vielschichtig und heiter verlief auch die Diskussionsrunde »Brecht zwischen Null und Eins«. Julian Warner sprach mit Tina Lorenz, Leiterin der Digitalsparte am Staatstheater Augsburg, Jörg Sundermann (Verbrecher Verlag) sowie dem Autor und Dozenten Timo Daum über KI als »Game Changer«. Lösen Algorithmen uns bald ab? Sicher nicht – so der Tenor des knapp einstündigen Panels.
Denn KI kann nur rechnen, jedoch nicht fühlen oder bewerten. Digitale Transformation könnte sich analog zur temporären Aneignung des Saalbau Krone durch »Brecht’s People« vollziehen: Alles an uriger Einrichtung durfte bleiben, es kam lediglich Kunst hinzu.
Wie sehr KI unsere Hilfe braucht, zeigte sich später bei der »Kybernetischen Schreibwerkstatt«, geleitet von Tina Lorenz. In der daraus entstandenen hybriden Bühnenkunst fand Tag 1 der »Brechtmaschine« seinen Höhepunkt.
Und hier gibt es den Brecht-Bot zum selber Testen:
https://staatstheater-augsburg.de/brechtmaschine_fragen_sie_brecht