Theater & Bühne

(Themen-)Demokratie wagen

Gastautor

Mit der Polit-WG gibt es seit diesem Sommer eine neue politische Kraft in der Augsburger Kommunalpolitik. Mit innovativen und mutigen Thesen möchte die Wählergemeinschaft im März in den Stadtrat einziehen. Doch auch im Textilviertel regt sich Widerstand gegen das altgediente Establishment: Engagierte Bürger beginnen, sich zu mobilisieren. »Die Partei«, eine bislang noch unbedeutende Bewegung, möchte die verkrusteten Strukturen herausfordern. Ihr wichtigstes Ziel: die Etablierung der Themendemokratie. Die altgediente Parteiendemokratie soll abgeschafft und das System von innen heraus revolutioniert werden. Letztendlich möchte sich die neue Gruppierung so langfristig selbst überflüssig machen.

Mit der Impro-Fortsetzungskomödie »Die Partei« präsentiert das Sensemble Theater den legitimen Nachfolger der »Wohngemeinschaft«, die von 2005 bis 2013 zu sehen war. Aktuell und unberechenbar improvisieren die Schauspieler auf Zuruf des Publikums.

Die erste Sitzung der »Partei« am 7. November machte die anfänglichen Schwierigkeiten einer noch jungen politischen Bewegung deutlich – natürlich zur Freude der höchst amüsierten Zuschauer. Bislang verfügt die Gruppierung über lediglich fünf Mitglieder: Charlotte (Birgit Linner), Bug (Heiko Dietz), Lex (Florian Fisch), Simon (Jörg Schur) und Beate (Daniela Nering), die leider die erste Versammlung verpasst hat. Dass sich die angehenden Politiker charakterlich doch sehr stark unterscheiden, wurde schnell klar: Der Altlinke Bug sehnt sich in seine wilde Jugend zurück und hält sich mit Beruhigungstropfen bei Laune, der draufgängerische Lex ist dem regen Bier- und Cannabiskonsum nicht gerade abgeneigt, Simon – von seinen Mitstreitern wegen seiner sensiblen Art liebevoll Simone genannt – steht (noch) bei Weltbild auf der Gehaltsliste und die umweltbewusste Charlotte hat es nicht immer leicht, sich in der »Partei« zu behaupten.

Steht »AK« überhaupt für Arbeitskreis? Nachdem diese und andere grundlegende Fragen geklärt wurden, konnten endlich die ersten Beschlüsse der Parteigeschichte gefasst werden. Dass sich diese nicht nur auf Kommunalpolitik beschränken, liegt in der Natur der Bewegung. NSA-Whistleblower Edward Snowden in Augsburg Asyl zu gewähren, fand natürlich breite Unterstützung. Müssen die Bäume im Thelottviertel vor dem Kahlschlag gerettet werden? Selbstverständlich, und zwar unbedingt mit einer öffentlichkeitswirksamen Aktion! Dass diese dann kläglich scheitert, spielt keine Rolle. »Die Partei« steckt schließlich noch in den Kinderschuhen, doch hat sich die sympathische Gruppe bereits jetzt in die Herzen der Zuschauer – und möglichen Wähler – gespielt.

Die nächste Sitzung findet am 19. Dezember statt. Im Rahmen einer neuen Serie bekommen die Parteimitglieder in den nächsten a3kultur-Ausgaben die Möglichkeit, sich zu ihren letzten Treffen und der aktuellen Tagespolitik zu äußern.

www.sensemble.de

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