Das eine tun, das andere nicht lassen
Interview mit Dr. Christof Trepesch, leitender Direktor der Kunstsammlungen & Museen Augsburg. Das Interview führte Jürgen Kannler
a3kultur: Die Kunstsammlungen & Museen Augsburg werden in Zukunft auch für die Halle 1 – Raum für Kunst im Glaspalast kuratorische Verantwortung tragen, damit verdoppeln sie nahezu ihre Ausstellungsfläche in diesem Gebäude.
Christof Trepesch: Die Kunstsammlungen & Museen Augsburg tragen schon immer Verantwortung für die gesamte Fläche der Ausstellungen im Erdgeschoss, also sowohl für das H2 – Zentrum für Gegenwartskunst im Glaspalast als auch für die Halle 1. Das haben wir operativ übrigens auch schon zur Zeit der Staatsgalerie getan. Der Kassenbereich und die technische Infrastruktur inklusive der Klimatechnik wird schon von Anfang an durch uns betreut und das Aufsichtspersonal durch uns gestellt.
Für die Programmplanung, den Belegungsplan und Fragen der Mietmodalitäten für die Halle 1 war bisher weitgehend das Kulturreferat zuständig. Diese Themen wandern in Ihren Verantwortungsbereich. Wird Thomas Elsen diesen Kulturort zukünftig betreuen? Er leitet bisher das H2 im Glaspalast.
Die Betreuung der Halle 1 – Raum für Kunst übernimmt künftig ebenfalls das Team des H2, allen voran dessen Leiter Thomas Elsen. Die Programmschwerpunkte werden in enger Absprache mit dem Kulturreferat festgelegt.
In welcher Form wird der Bewirtschaftungsetat für die beiden städtischen Kulturorte im Glaspalast angepasst?
Das von Thomas Elsen geleitete H2 hat einen geringen Etat, der gerade so ausreicht, ein attraktives Programm zu erstellen.
Mit welchen Mitteln wird er die Halle 1 kuratorisch bewirtschaften? Dürfen wir uns auf eine Aufstockung der städtischen Fördermittel freuen?
Diese Frage müssen Sie dem Stadtrat stellen. Wir freuen uns natürlich immer über die Verbesserung unserer finanziellen Möglichkeiten für Ausstellungen. In letzter Zeit ging es mehr um das Halten des Bestands, was uns im Großen und Ganzen – anders als in manch anderen Städten – halbwegs gelungen ist.
Ende 2024 läuft der Mietvertrag im Glaspalast für das H2 und die Halle 1 aus. Würden Sie gerne verlängern?
Der Glaspalast ist ein gut entwickelter Standort für die Kunst. Thomas Elsen hat das H2 vertrauensvoll und immer in enger Rückkopplung mit mir zu einer erstklassigen Adresse der Gegenwartskunst entwickelt. Nicht zuletzt damit haben wir den Glaspalast auch als ein in seiner Bedeutung angemessenes Kulturdenkmal geschützt. Vertragliche Angelegenheiten obliegen dem Kulturreferat bzw. dem Stadtrat.
»Der Titel »Halle 1 – Raum für Kunst« sagt ja schon, dass es hier um das Zur-Verfügung-Stellen von Räumen für die Kunst geht.«
Dennoch, verraten Sie uns doch bitte, ob die Kunstsammlungen & Museen Augsburg an dem Standort festhalten wollen. Er bietet beeindruckende Ausstellungsräume, hat jedoch infrastrukturell deutliche Defizite. So fehlt es zum Beispiel an Serviceeinrichtungen wie einem Shop, Kunstvermittlung oder einem Café.
Der Kassenbereich ist insgesamt zwar etwas beengt, allerdings kann er die Grundbedürfnisse der Besucherinnen und Besucher abdecken. Natürlich wäre ein größerer Shop wünschenswert, auch ein gastronomisches Angebot wäre toll.
Wie wird das Programm 2022 in der Halle 1 aussehen?
Das Programm für die nächsten Jahre steht fest. Wir zeigen dort eine aufregende Mischung von regionalen und internationalen Positionen zur zeitgenössischen Kunst. Nach der »Großen Schwäbischen« zur Jahreswende folgt der schon lange Jahre mit den Kunstsammlungen in Kooperation zustande gekommene Zeitsicht-Kunstpreis, danach präsentieren wir eine große Schau des sicher bekanntesten zeitgenössischen Künstlers aus Augsburg, Martin Eder, welche die Künstlervereinigung »Die Ecke« kuratiert. Dann folgt ein Fotoprojekt zu Hiroshima, »Black Rain Hibakusha«, und schließlich die erste große Retrospektive zu Else Bechteler, der Tochter des Augsburger Bildhauers Theo Bechteler. Der Kulturreferent möchte künftig in der Halle 1 auch einen Schwerpunkt auf digitale Kunst und Medien setzen. Diesen gilt es auszubauen.
Große Schwäbische, Zeitsicht Art Award, die Eder-Schau, das sind Programme, die von dritter Seite in der Halle 1 angedockt werden. Bei Fragen der Kuration oder Juryarbeit, bei der Ausarbeitung der Hängung bis zur weitgehenden Übernahme der damit verbundenen Kosten agieren diese Stellen eigenverantwortlich. Was bleibt den Kunstsammlungen & Museen Augsburg bei diesen Beispielen neben den Aufgaben der Vermietung und dem Zur-Verfügung-Stellen von Dienstleistung?
Der Titel »Halle 1 – Raum für Kunst« sagt ja schon, dass es hier um das Zur-Verfügung-Stellen von Räumen für die Kunst geht – sowohl für Projekte Dritter, die an uns herangetragen werden, als auch für selbst ausgewählte oder entwickelte Projekte. Der Titel sollte möglichst in der Nutzung nicht einschränken, sondern die volle Bandbreite an Kunst möglich machen.
Für die jährlichen Mietkosten im Glaspalast von über 600.000 Euro ließe sich auch das dringend benötigte zentrale Depot samt moderner Ausstellungsinfrastruktur – ein Konzept, das zum Beispiel schon in den Niederlanden oder Frankreich mit großem Erfolg umgesetzt wurde – als Alternative zum Standort Glaspalast realisieren. Ungeachtet des Ortes wäre ein Umzug nach 2024 in eigene Räume nicht auch eine Option?
Ich finde nicht, dass man die Mietkosten im Glaspalast gegen Depotkosten ausspielen sollte. Hier sollte man nach dem Motto handeln: Das eine tun, das andere nicht lassen. Zweifelsfrei brauchen wir beides: eine Ausstellungshalle vom Format des H2 und ein modernes Depot.
»Augsburg braucht ein neues Römisches Museum«
Welche Rolle wird das von OB Weber im letzten Wahlkampf aufgebrachte Thema einer digitalen Römerwelt in der Halle 1 in den kommenden Jahren spielen? Römer digital und das Behelfslager in der Toskanischen Säulenhalle. Keine stolze Bilanz für unsere alte Römerstadt.
Augsburg braucht ein neues Römisches Museum, das ist der Konsens aller Kulturschaffenden, aller politisch Verantwortlichen. Das Konzept eines LabRomanum hat den Reiz, dass man digitale Formate ausprobieren, sie auf ihre Praxis-tauglichkeit überprüfen kann. Unzweifelhaft ist, dass solche Formate in jeder zukünftigen Präsentation der Römerzeit eine Rolle spielen werden. Gerade zur Entfaltung kulturhistorischer Kontexte, aber auch historischer Zusammenhänge sind XR-Anwendungen, Augmented Reality, Apps oder sonstige Möglichkeiten nicht mehr wegzudenken.
Bliebe neben einem LabRomanum in der Halle 1 noch Platz für Programme, wie Sie sie für 2022 vorgestellt haben?
Hier stehen wir noch ganz am Anfang der Planungen. Ob, wie und wann das LabRomanum in diesen Räumen realisiert wird, ist noch völlig offen, es gibt ja auch die Idee, das römische Erbe Augsburgs an den tatsächlichen Fundorten durch Exponate oder Virtual Reality sichtbar zu machen. Bis auf Weiteres planen wir in der Halle 1 wie bisher – also mit verschiedensten Ausstellungsprojekten.
Im Jahr 2012 musste das Römische Museum in der ehemaligen Dominikanerkirche aus Sicherheitsgründen schließen. Seitdem ist eine zum Teil recht heftige Diskussion um Standort und Finanzierung eines neuen Museums im Gang. OB Weber erkennt den »Stachel im Fleisch der Stadt«, brachte bisher aber lediglich eine Entscheidung in der Standortfrage bis zum Ende der laufenden Legislaturperiode ins Spiel. Ist eine Stadt wie Augsburg überhaupt noch in der Lage, solche Projekte zu stemmen? Vielleicht sollte ja auch das Thema Römer verstaatlicht werden, wie die Bibliothek oder das Theater? Oder hätten Sie noch eine Lösung für die strittige Finanzierung des Projekts?
Grundsätzlich sind private Förderinitiativen sehr sinnvoll. Ich erinnere nur daran, dass Augsburger Bürgerinnen und Bürger eigens einen Verein zur Renovierung des Schaezlerpalais gegründet haben, der über 1,5 Millionen Euro einsammeln konnte, aber auch der Goldene-Saal-Verein hat über Jahrzehnte große Summen zur Rekonstruktion des historischen Rathauses zusammengetragen. Hier kann auch die neu gegründete Kulturstiftung einiges leisten.
Warum sollten die Bürger*innen für ein Römisches Museum spenden? Dem Spendenaufruf für einen Theaterneubau kamen sie bisher nur sehr begrenzt nach.
Die Museen der Stadt sind das kulturelle Gedächtnis der Kommune, insofern versteht es sich von selbst, dass diese auch den Hut bei ihren Institutionen aufhat, ihre Kunst- und Kulturschätze hütet, achtet und für die Zukunft bewahrt.
Kunstsammlungen & Museen Augsburg – Ausstellungsplanung 1. Halbjahr 2022
Grafisches Kabinett
28.01. bis 22.04.2022: »Die Erklärung der Welt«: Guckkastenbilder aus der Sammlung Joachim von Prittwitz und Gaffron
Schaezlerpalais
11.02. bis 24.04.2022: Mauro Bergonzoli – »Magic Rococo«
20.5. bis 11.09.2022: »Pax & Pecunia«: Kunst, Kommerz und Kaufmannstugend in der Augsburger Deckenmalerei
Neue Galerie im Höhmannhaus
24.02. bis 01.05.2022: Christof Rehm/Werner Knaupp. Malerei/Fotografie
19.05. bis 04.09.2022: Herlinde Koelbl.
Fotografie
H2 – Zentrum für Gegenwartskunst im Glaspalast
09.03. bis 18.09.2022: »European Trails«: Europäische Fotografinnen und Künstlerinnen
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Formen die Leuchten
Michael Kiessling, Galerist des Kunstraums am Pfarrhof Leitershofen, erzählt gerne, wie er Sandra Tröger im Münchner Ausstellungsraum »Sandkasten« kennengelernt hat – und wie schnell aus diesem ersten Kontakt die Idee für eine gemeinsame Ausstellung entstand. Noch im selben Jahr wurde daraus Wirklichkeit: »Form Farbe Raum« zeigt eine äußerst sehenswerte Auswahl von Trögers Werk in den Räumen von Leitershofen.