Ausstellungen & Kunstprojekte
Politik & Gesellschaft

Ukraine – Jenseits der Sprache (Teil 1)

Zwei Ausstellungen gewähren derzeit Einblicke in das Land am Ostrand Europas. Die Bandbreite reicht von reiner Dokumentation bis zur künstlerischen Aufarbeitung des aktuellen Kriegsgeschehens.

Die Ukraine ist der zweitgrößte Staat Europas, mit einer Fläche etwa anderthalbmal so groß wie Deutschland, aber mit 40 Millionen Einwohner*innen nur etwa halb so bevölkerungsreich. So viel haben wir in den letzten Monaten über das Grenzland (so auch die ursprüngliche Bedeutung des Namens) zwischen der westlichen Welt und – was immer man jenseits davon vermutet – gelernt.

Zwei Ausstellungen, fast ironischerweise beide an der mondänen Augsburger Maxstraße angesiedelt, wollen uns das Land und seine Menschen näherbringen: die Ausstellung »Sprachlos« (bzw. »Sprachlo?«)  in der Projektgalerie moritzpunkt und die Werkschau »Focus Ukraine« in der Neuen Galerie im Höhmannhaus.

Das Höhmannhaus wartet noch bis 25. September mit einer Werkschau dreier ukrainischer Fotokünstler*innen auf, die, teils streng dokumentarisch, teils inszeniert von Land und Leuten erzählen.

Vom kargen Landleben berichtet Viktoria Sorochinski (*1979 in Mariupol) in ihren Fotos, vom kleinen Glück und dem Kampf, der schier endlosen Natur ihre Früchte abzuringen.

Alexander Chekmenev (*1969 in Luhansk) lichtet schuftende Kohlekumpels im Donbass ab. Seine Menschen sind so erschöpft, ausgelaugt und abgerissen wie die Behausungen und Städte, in denen der Fotograf sie entdeckt hat.

Das Klischee vom maroden Ex-Ostblock, man möchte es so ungern bestätigt sehen, einzig, es fehlen die Gegenbeweise. Aufbruch? Wandel? Zukunft? Nicht hier, nicht jetzt.

Selbst die inszenierte Jugendkultur von Sergey Melnitchenko (*1991 in Mykolayiv) verspricht da nur wenig mehr Gestaltungsfreiheit. Die Szenerien erinnern zwar an Rock-LP-Covers von Elf, Led Zeppelin oder Jimi Hendrix (siehe Bild). Doch auch hier lauert hinter den durch die Landschaft huschenden, nackten Körpern oder dicht beisammen stehenden Freunden die Bedrohung, das Gehetztsein und die Angst vor Zensur und Zugriff irgendeiner (Staats?-)Macht.

Wenig Erbauliches in den Kunsthallen also. Kann der Bürgertreff, welcher in seiner Schau mehr als drei – zugegebenermaßen sehr subjektive – Blickwinkel vereinigt, mehr Hoffnung schüren? Mehr dazu in Teil 2.

 

www.kunstsammlungen-museen.augsburg.de/focus-ukraine

www.moritzkirche.de

bearbeitet am 13.07.2022

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