Und sonst so?
Anlässlich des 500-jährigen Bestehens der Augsburger Fuggerei richtet eine Ausstellung des Diözesanmuseums St. Afra den Blick auf das Weltgeschehen der Zeit um 1521.
Im Jahr 1521 wurden drei Stiftungen der Familie Fugger ins Leben gerufen, darunter die bis heute funktionierende Fuggerei, eine erste Sozialsiedlung. Im selben Jahr eroberten aber auch die Spanier das Aztekenreich und die Osmanen Belgrad, segelte Magellan um die Welt und sprach Luther vor dem Wormser Reichstag.
Während die Jubiläumsausstellung »Stiften gehen!« im Maximilianmuseum den Fokus auf die Augsburger Geschichte dieser Zeit, ihr Wertesystem und die Rolle von Stiftungen richtet, stellt die parallel laufende Schau des Diözesanmuseums diese Jahre in einen weiter gefassten Kontext und beleuchtet das Weltgeschehen anhand von vier herausragenden Ereignissen, deren Voraussetzungen und Nachwirkungen.
Ausgehend von Magellans Weltumseglung, Cortez’ Eroberung des Aztekenreichs, Luther in Worms und auf der Wartburg und der Eroberung Belgrads durch die Osmanen illustrieren vielfältige Objekte, wie sich den Europäern die Welt darstellte, welche Netzwerke und Verflechtungen existierten, wie die europäische Expansion mit all ihren bis heute relevanten Folgen Fahrt aufnahm. Die Handelshäuser der Fugger und Welser, seinerzeitige Global Player, gehörten zu den Protagonisten dieser wirtschaftlich und machtpolitischen Expansion nach innen und außen, die einen deutlichen Wertewandel hervorrief.
Neben realen Exponaten, teilweise als Reproduktion gezeigt, setzt die Ausstellung auch auf digitale Elemente. An einem Multi-Touch-Tisch kann auf Magellans Spuren die Welt umsegelt werden, was wohl vor allem Kindern viel Spaß bereiten wird. Johann Schöners Erdglobus aus dem Jahr 1515 wurde in Kooperation mit der Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar und der Universitäts- und Landesbibliothek in Jena so digitalisiert, dass die Besucher*innen die Weltkugel digital und in 3D von allen Seiten erkunden können.
Das klare thematische Konzept geht in der Ausstellung, die teilweise in die Dauerausstellung integriert wurde, leider ein wenig unter, und es erweist sich zuweilen als schwierig, dem roten Faden zu folgen und die Bedeutung eines Exponats jenseits von Anschauung und Materialität zu erfassen, ohne sich zwischen Lutherporträt und aztekischer Götterfigur, Buchseiten und ausgestopften Tieren zu verlieren. Da sich dieses bunte Kaleidoskop aus Pflanzen und Federschmuck, Kupferplatten und Waffen oder einem Papagei und einer Schale mit Holzspänen nicht ohne Weiteres kontextualisiert, lohnt es sich, an einer Führung teilzunehmen. Auch der zur Ausstellung erschienene umfangreiche Katalog, der neben fundierter Information zu den gut bebilderten Exponaten solides Hintergrundwissen bietet, unterfüttert die Ausstellung ideal.
www.museum-st-afra.de | 1521 | Diözesanmuseum St. Afra | bis 28. November 2021 | Zur Ausstellung erschien ein Katalog (24,90 Euro)
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