Ausstellungen & Kunstprojekte

Unheimliche Schattenlichter

Das Museum im Wittelsbacher Schloss nimmt Besucher*innen mit auf eine Entdeckungsreise zum Werk des Friedberger Künstlers Fritz Schwimbeck.

Fast ist es, als läge auf Fritz Schwimbeck (1889−1977) selbst ein Fluch, der ihn nie in den Olymp der Großen der Grafik in den 1910er und 1920er Jahren aufsteigen ließ und ihm die Nennung in einem Atemzug mit dem anderen Meister des Unheimlichen, Alfred Kubin, oder auch politischerer Künstler wie Otto Dix oder A. Paul Weber verwehrte.

Vielleicht war es auch das Hin und Her zwischen der beschaulichen Heimatstadt Friedberg und der pulsierenden Künstlerhochburg München, das ihm beide Städte nicht verziehen und wofür sie ihn mit der Verbannung in die Archive abstraften.

Wie auch immer, vielleicht ist es auch ein Segen, dass es so kam, denn auf Grund dieses Schattendaseins ist hier – 46 Jahre nach Schwimbecks Tod und als Einzelausstellung erstmals wieder seit 30 Jahren − eine Ausstellung am Start, von der man praktisch noch nichts kennt, und in der man sich durch das Unbekannte vorantasten muss, von Raum zu Raum, von Werkzyklus zu Werkzyklus.

Der junge Fritz Schwimbeck wuchs als Sohn des Friedberger Amtsrichters im Wittelsbacher Schloss auf. Nicht nur deshalb ist es der folgerichtige Ort für eine Retrospektive dieser Art. Auch ist das Schloss selbst oft in den Federzeichnungen und Radierungen (ca. 60 an der Zahl, dazu gesellen sich Exlibris und Skizzenblätter) präsent: Es liefert die gotischen Spitzbögen, Treppenaufgänge und Mauerwerk, in denen Schwimbeck seine Illustrationen z.B. zu Gustav Meyrinks Roman »Der Golem« von 1915 ansiedelt oder seinen meuchelnden »Macbeth« (nach Shakespeare) umherschleichen lässt, in starken Kontrasten aus Hell und Dunkel und mit meisterhaftem Einsatz des Lichts, mal mit sichtbarer Lichtquelle, mal als diffuser Schein im Hintergrund.

Die Themenpalette ist groß und erfreut das Herz jedes Fans der phantastischen Literatur (oder ihrer Adaptionen in Film und Comic): Untote, Fabelwesen, mystische Frauenfiguren und apokalyptische Fieberträume … Selbst ein altes Haus wird hier schon einmal zu einem Wesen mit anthropomorphen Zügen.

Von der Präsentation her hätte man hier manches gerne noch mutiger angehen und dem Ganzen noch ein bisschen mehr Geisterbahncharakter verpassen können. Aber vielleicht wollten Kuratorin Dr. Alice Arnold-Becker und ihr Team nicht zu sehr auf die Kintopp-Pauke hauen und angesichts der Bedeutung Schwimbecks für die Stadt Friedberg lieber seriös  und korrekt liefern. Dennoch: Liebenswerte Ideen wie kleine Soundeffekte, gestaltete Durchgänge oder die Fantasie beflügelnde Mitmachstationen lockern die Strenge der gehängten Rahmen auf.  Das macht die Ausstellung trotz aller düsteren Thematik sehens- und erlebenswert.

»Unheimlich. Die Kunst von Fritz Schwimbeck« ist bis 23. April 2023 im Museum im Wittelsbacher Schloss Friedberg zu sehen.

 

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