Die Augsburger Kegelbahnkonzerte gehen in die 12. Staffel. Mit dabei sind Lillian Hampson, Josy, Marcoca, Janikeliah und Picky Eater.
Unwiderstehlicher Widerstand
Wenn Sie die Nase voll davon haben, im Fernsehen Gerede über toxische Männlichkeit und/oder korrupte, menschenfeindliche Politik zu hören, dann gehen Sie ins Kino. Dort können Sie starken Charakteren, verkörpert von wunderbaren Schauspieler*innen, dabei zusehen, wie sie sich ihren widrigen Lebensrealitäten entgegenstellen — Projektor, die a3kultur-Filmkolumne im August.
Der junge Franz Walter (Lars Eidinger) hat gerade an der Humboldt-Universität promoviert, als er ein attraktives Angebot vom Auslandsnachrichtendienst der DDR erhält. Geblendet von den vielen Vorzügen, die der neue Job mit sich bringt, nimmt Franz das Angebot an. Gemeinsam mit seiner Freundin Corina (Luise Heyer) genießt er zunächst das neue Leben. In seinem Vorgesetzten Dirk (Devid Striesow) findet Franz einen ihm wohlgesonnenen Mentor, der ihm während der gemeinsamen Auslandseinsätze in der BRD mit Rat und Tat zur Seite steht. Zunächst scheinen Franz’ Missionen lediglich dem Informationsbedarf der DDR zu dienen, doch dieser wird bald immer größer und unheimlicher. Als Franz bei seinen Arbeitsaufträgen plötzlich zu Mitteln greifen muss, die er nicht länger mit seinem Gewissen vereinbaren kann, entschließt er sich auszusteigen – doch der Geheimdienst will ihn nicht gehen lassen. Franz’ Widerstands- und Überlebenskampf beginnt.
Angelehnt ist »Nahschuss« (12. August, Liliom) der Filmemacherin und Fotokünstlerin Franziska Stünkel an das Leben des Dr. Werner Teske, der 1981 als letzter Mensch in der DDR zum Tode verurteilt und hingerichtet wurde. Eidinger spielt gewohnt intensiv und sehenswert, während Striesow überrascht und bereits in der zweiminütigen Vorschau so überzeugend in seiner Rolle aufgeht, dass man ihn glatt als Hape Kerkeling in »Ich bin dann mal weg« (2015) vergisst. Wenn der ganze Film, wie im Trailer bereits suggeriert, ähnlich spannungsgeladen und beklemmend ist wie Stünkels Erstling »Veneta« (2008), wird man als Zuschauer*in das Gefühl haben, den Kinosaal mit schweißnassem Polyesteranzug verlassen. Das VEB Textilkombinat Cottbus lässt grüßen.
Cassie (Carey Mulligan) ist als »Promising Young Woman« (19. August, CinemaxX, Cinestar, Liliom) ganz unwiderstehlich und auf ihre eigene Art im Widerstand. Die Medizinstudentin gilt als »vielversprechende junge Frau«. Bis ein Schicksalsschlag sie eines Tages komplett aus der Bahn wirft. In der Folge bricht sie ihr Studium ab, zieht zu ihren Eltern zurück und arbeitet in einem Café. Doch ihre Nächte schlägt sich die junge Frau in Bars um die Ohren. Dort vermuten die Männer hinter Cassies vermeintlich äußerst betrunkener Fassade leichte Beute. Ein fataler Irrtum. Diesen Männern erteilt Cassie eine Lehre, die sie nicht so schnell vergessen werden. Doch eines Tages begegnet sie ihrem ehemaligen Kommilitonen Ryan (Bo Burnham), einem grundanständigen Mann, der mittlerweile Kinderarzt ist und schon damals in Cassie verliebt war. Seine Avancen bringen ihre Rachepläne ziemlich durcheinander. Carey Mulligan liefert als ambivalente Haupt-figur in moralischer Zerrissenheit eine brillante Performance. Vom anfänglichen »Gleiches-mit-Gleichem-Vergelten« radikalisieren sich ihre Methoden im Verlauf des Films, wobei die Racheaktionen steht ein gleichbleibendes Muster aufweisen. Dass der bonbonfarben gehaltene Film nicht in eine reine Männerhassfantasie abdriftet, ist dem Auge der Autorin und Regisseurin Emerald Fennell für menschliche Eigenarten und Gepflogenheiten zu verdanken. So wird nicht der Mann als solcher angeprangert, sondern die Gesellschaft als eine, in der sexueller Missbrauch selten so geahndet wird, wie es den Umständen nach angebracht wäre. Fennell gewann dafür den Oscar in der Kategorie »Bestes Originaldrehbuch«.
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