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Verwoben mit Farbe und Kunst

a3kultur-Redaktion

Eine neu erschienene Monographie widmet sich Else Bechteler. Die Textilkünstlerin hat bis heute Spuren in Augsburg hinterlassen. Die Tochter des Bildhauers Theo Bechteler ist Trägerin des Augsburger Kunstförderpreises, des Kunstpreises der Diözese und des Kunstpreises des Bischöflichen Ordinariats.

Die meisten werden bei dem Namen Bechteler an den Bildhauer Theo Bechteler († 1993 in Augsburg) denken, von dem 30 Werke im öffentlichen Raum die Stadt Augsburg prägen. Else Bechteler ist seine Tochter, geboren 1933 in Berlin, später, von 1954 bis 1958 mit Werkstätten in Augsburg und Immenstadt (der Heimatstadt ihres Vaters). Just vergangenen April wurde die Künstlerin 88 Jahre alt.

Als Textilkünstlerin hat Else Bechteler-Moses in mehr als fünfzig Jahren ein Werk geschaffen, das die traditionelle Bildweberei um Konzepte der (post-)modernen Malerei bereichert und ästhetische Tendenzen nach 1945 für die Tapisserie selbst fruchtbar macht: Faden und Farbe treten in ein Wechselverhältnis, bei dem das textile Material stets seinen Eigencharakter bewahrt. Bechteler, eine Künstlerin, die zwischen handwerklicher Weberei und künstlerischem Ausdruck oszilliert.

Werke von ihr lassen sich bis heute in Augsburg finden: zum einen im Hohen Dom zu Augsburg im Westchor die Tapisserie »Himmel und Erde« (als Hintergrund für das Kreuzreliquiar) und der »Adlerteppich« als Hintergrund des Löwenthrons (Bischofsthron). Zum anderen zieren ihre Werke auch Räumlichkeiten in der Raiffeisen- und Volksbank, im Bayernkolleg und an der Uni (Mensa).

1969 nahm Bechteler-Moses zusammen mit ihrem Vater und ihrem Bruder mit einer Sonderausstellung an der 21. Großen Schwäbischen Kunstausstellung 1969 (damals noch: im Augsburger Rathaus) teil. 1967 hatte sie den Kunstförderpreis der Stadt Augsburg verliehen bekommen, 1969 folgte der Kunstpreis der Diözese Augsburg. 1981 dann der Kunstförderpreis für angewandte Kunst der Stadt München. 1982 erhielt Bechteler den Kunstpreis des Bischöflichen Ordinariats Augsburg. Die im Hirmer Verlag erschienene Monographie »Else Bechteler – Faden und Gewebe« macht klar warum: Bechtelers aufwändig gearbeitete Tapisserien treten mit der Nachkriegskunst in einen Dialog mit Augenhöhe. In über 50 Jahren künstlerischer Tätigkeit hat Else Bechteler ein außergewöhnliches Werk geschaffen.

Klassische Gobelinwirkerei trifft auf Kelim und Knüpfen, Arbeiten per Hand am Hoch- oder Flachwebstuhl. Der 22 x 29 cm große Band (mit farblich in Grün abgestimmten Lesebändchen) zeigt Bechtelers monumentale Wandgestaltungen und freie Arbeiten: textile Landschaftserlebnisse, begehbare Rauminstallationen, freie Collagen und Farbetüden, letztendlich ihre kirchliche Kunst: gewobene Sakralbilder und individuell geschaffenen Priestergewänder. Ihre bedeutendste Schöpfung hier: die monumentale Tapisserie »Der erhöhte Herr« (1979 – 1981) in der Sankt Hedwigs-Kathedrale im damaligen Ostberlin; das breite Mittelstück dafür hatte Bechteler in ihrer kleinen Atelierwohnung in München gewebt.

Ergänzt werden die Farbtafeln im Buch um teils anrührende Schwarzweiß-Fotografien, welche die Künstlerin selbst portraitieren. In einer Ausklapptafel gar werden die zwei Arbeiten »Landschaft I« und »Landschaft II« (1970 bzw. 1972) der folgenden Arbeit »Origines« (1974) gegenübergestellt.

Harald Eggebrecht und Christoph Stölzl portraitieren in ihren Texten Person, Schaffen und Denken der Künstlerin, die 1949 mit einer Lehre als Weberin in einer Allgäuer Handweberei begonnen hatte. Kleine Interviewausschnitte lassen Bechteler selber zu Wort kommen, ein Lebenslauf, Übersicht über Werke und Ausstellungen sowie eine Bibliografie runden die durch und durch gelungene Monografie ab.

»Else Bechteler – Farbe und Gewebe« ist erschienen im Hirmer Verlag. 170 Seiten, 140 Abbildungen in Farbe, gebunden, mit Lesebändchen. ISBN: 978-3-7774-3682-1

Bild: Detail aus Else Bechtelers »Landschaft II« (1972) | Bildnachweis: Marianne Franke, München / Hirmer Verlag

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