Weil’s nicht weg kann!
Die MUGS-Sonderausstellung »Alles was bleibt« verstrickt Kunst mit harten Fakten rund um ein gern verdrängtes, globales Problem.
Wer hat das Haus so »zugemüllt«? Zehn Kunstschaffende der Schwabmünchener CAB-Ulrichswerkstätten errichteten aussagekräftige Gemeinschafts»Plastiken« aus Material, das eben nicht so leicht weg kann. Denn Synthetikabfälle begleiten uns seit den 1950er-Jahren hartnäckig überall. Ihre Rückstände verteilen sich in der Natur, ihr Zersetzungsprozess kann Jahrtausende dauern – speziell bei Styroporverpackungen. Im Schnitt verspeisen wir pro Woche bis zu fünf Gramm Mikroplastik – das entspricht einer Kreditkarte.
Mit diesen und weiteren alarmierenden Zahlen konfrontieren aufwändig recherchierte, ansprechend gestaltete »Planet Plastik«-Infotafeln des Bund Naturschutz, die bis Ende Juli die Ausstellung begleiten. Interessierte können hier vertieft in die Vielfalt der Kunststoffe einsteigen – mitsamt ihren Langzeitwirkungen sowie gangbaren Alternativen, etwa durch das Schaffen von Wertstoffkreisläufen.
Welche langen Schatten unser schnelllebiger Konsumalltag wirft, ahnt man beim Erkunden des gespenstischen Indoor-Skulpturenparks. Im Foyer kreuzt ein lebensgroßer »PET Gynt«-Surfer die Ozeane. Dahinter verenden Meeressäuger im Netz, sterben blecherne Riesenbienen qualvoll. Ein Disco-Outfit aus zersplitterten Tonträgern glitzert im Halbdunkel, weggeworfene Strohhalme fügen sich zu farbenfrohen Quilts.
Ergänzend zur poetisch arrangierten Spurensuche findet man verdichtetes Wissen rund um Ressourcenfresser und Klimakiller – weit über das bekannte Thema »Plastikfrei« hinaus. Ein eigenes Kapitel widmete Museumsleiterin Dr. Doris Hafner der sogenannten Fast Fashion, also dem Massenkonsum von billig produzierter Kleidung, aktuell befeuert durch soziale Netzwerke wie Instagram. Die Infoflut der Ausstellung regt ebenso zum Nachdenken an und zum schöpferischen Umgang mit Kunststoffen.
In der »Kreativ-Factory« lädt ein großer, vielfältig gefüllter Abfallcontainer zum Reintauchen und Losbasteln ein. Über den Sommer sind zahlreiche Workshops für junges Publikum geplant – im Ferienprogramm der Stadt Schwabmünchen können Schulkinder ihren eigenen Schmuck oder Spielsachen aus Abfallmaterial gestalten, Umzugskartons zum Abenteuertunnel umfunktionieren und vieles mehr. Bis zum 5. Oktober läuft die Sonderschau bei freiem Eintritt, auf Anfrage bietet das Museum und Galerie der Stadt Schwabmünchen auch kostenfreie Führungen für Schulklassen an.
Informationen und Termine unter www.kultur-schwabmuenchen.de
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