Wendepunkt
Zum Start des temporären Kunstraums »Transform 117« zeigt Hausherr Gerold Sauter eigene Arbeiten.
Für Gerold Sauter markiert die kleine Ausstellung einen Wendepunkt. Hier, an der Frischstraße, befand sich lange Jahre sein Arbeitsareal als Metallkünstler und Stahlbauunternehmer. Zum Abschied gibt es nun in einem ehemaligen Transformatorenhaus bis zum Ende des Jahres einige Ausstellungen und Konferenzen, jeweils ein Wochenende lang. Zum Auftakt sind »Analoge Arbeiten von damals« des Hausherrn zu sehen. Dem rauhen Charme des Ortes setzt Sauter drei Werkgruppen entgegen – natürlich spielt Metall, der bevorzugte Werkstoff des Künstlers, eine tragende Rolle. Neben einer langgestreckten Box, auf der golden hinterleuchtet eine Abfolge erotischer Sternzeichen schimmert, findet sich eine Reihe erst auf den zweiten Blick lesbarer Motive auf rostigen Metallplatten. Die Zweiteilung lässt Diptychen entstehen – der Leerraum der einen Bildhälfte kann gedanklich gefüllt werden.
Beim Betreten des Raumes fällt der Blick allerdings auf eine Strecke von Leuchtkästen. Auf elegant gedecktem Tisch findet sich ein Abendmahl der besonderen Art: Auf den Tellern liegen akkurat geformte Phallen – Sülze, Wurst, Wackelpudding, Schokolade. Gleich daneben die Gussform. 1992 gestaltete Sauter diese »Eat Art«. Man kann sich gut die unterschiedliche Herangehensweise der Essensgäste vorstellen…
Einen zweiten Spielort bietet das halbrund verglaste Pförtnerhaus an der Haunstetter Straße. Hier gibt Sauter Einblick in sein raumkünstlerisches Arbeiten – wie eine außergewöhnliche Treppe oder die wunderbare wolkige Luftskulptur im Ofenhaus des Gaswerksgeländes (Fotos: Eckhart Matthäus). Dazu eine überzeugende, schwergewichtige Messingkulptur: Hommage an den leichtgewichtigen Ulmer Hocker von Max Bill.
Angewandte Kunst, in Augsburg eher selten zu sehen, gibt es auch vom 18. bis 20. Oktober: Neues deutsches Design der 80er Jahre. Die aktuelle Ausstellung läuft bis Sonntag, 28. September, auf dem Betriebsgelände der Steiner GmbH an der Frischstraße 8 in Augsburg, direkt hinter der Hutfabrik Lembert, jeweils 14 bis 19 Uhr.
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