Ausstellungen & Kunstprojekte

Wie wichtig es ist, Freunde zu haben

LotusLillies

Die Ausstellung »Friends!« im H2 – Zentrum für Gegenwartskunst zeigt, dass es ohne private Förderer kaum geht. Zu sehen sind Arbeiten, die mit Hilfe der »Freunde der Kunstsammlungen und Museen Augsburg« erworben werden konnten. 

Der Ankaufsetat der Städtischen Kunstsammlungen Augsburg ... ? Es gibt ihn seit Jahren nicht. Dies bedeutet, dass nicht ein einziges Kunstwerk erworben werden könnte, sei der Kaufpreis auch noch so gering. 

Ob es an kommunalem Willen fehlt oder an den finanziellen Mitteln, sei hier nicht diskutiert – doch klar ist, dass ohne private Förderer wie die »Freunde der Kunstsammlungen Augsburg« der Bestand der Kunstsammlungen weder wachsen noch sich verändern kann.

Nun ist in einem Überblick im H2 – Zentrum für Gegenwartskunst zu erleben, welch großen Anteil die Kunstfreunde am Aufbau einer städtischen Sammlung zeitgenössischer Kunst haben. 
In die wechselnden Ausstellungen im Glaspalast, der Neuen Galerie im Höhmannhaus und im Schaezlerpalais fließen immer wieder Werke aus der eigenen Sammlung ein, oder werden im Anschluss für diese erworben – das nötige Geld kommt oftmals von den Kunstfreunden. 

Die jetzige Ausstellung belegt eindrucksvoll, wie im Zusammenspiel des scheidenden H2–Leiter Dr. Thomas Elsen als fachlicher Instanz und den Kunstfreunden als Finanziers die hauseigene Sammlung gegenwärtiger Kunst bereichert wird.

Unter den rund 30 Arbeiten regionaler und internationaler Künstler*innen aus den verschiedenen künstlerischen Gattungen ist auffallend viel Fotografisches – ein sammlerischer Schwerpunkt der letzten Jahre – zu sehen.

Gleich am Eingang findet sich einer der ersten Ankäufe: Beate Passow porträtierte in der berührenden fotografischen Serie der »Lotuslillies« (Foto oben) die letzten Chinesinnen mit eingebundenen Füßen: ihre Füße wurden von klein auf durch einbinden zur Winzigkeit deformiert, ein fragwürdiges Schönheitsideal, das die Frauen zu Trippelschritten verdammte.

Christof Rehm ist mit zwei mächtigen Schwarzweißaufnahmen schroffer isländischer Landschaften vertreten, die schon durch ihre Größe und die Struktur des Baryt-Papiers die Betrachter*in nahezu ins Bild hineinziehen. Nass, rau und dunkel erweist diese Natur sich als abweisend und anziehend zugleich, vielleicht zu groß und mächtig für einen Menschen.

Auch Karen Irmers vierteilige Installation untersucht Landschaftliches. Auf den ersten Blick haben wir vier Fotografien vor uns, doch eine dieser schwarzweißen Aufnahmen bleibt nicht statisch, sondern verändert sich – jedoch so langsam und geringfügig, dass erst geduldiges genaues Hinsehen die Bewegung offenbart.

Benjamin Appel hinterfragt den »Sinn der Hütte« indem er aus Holz, Beton und vorgefundenen Fenstern eine Skulptur der Bezüge schafft, die innen und außen aus verschiedenen Perspektiven betrachtet und gewohnheitsmäßige Wahrnehmung auf den Prüfstand bringt.

Anja Güthoffs Aufmerksamkeit gilt dem Beiläufigen, dem Weggeworfenen, aus dem sie einen eigenen Kosmos generiert. Hier ist die Künstlerin mit »Meeresgestalten«, vertreten, einer wunderbar versponnenen Serie von 54 Cyanotypien (ein altes fotografisches Verfahren ohne Kamera), entstanden im Kontext der Ausstellung »The Blue Planet«. Den wundersamen Details ihrer großräumigen barock-dystopischen Inszenierung »Tank« näherte sich Gütthoff seinerzeit wie eine Forscherin. Sie entdeckte und imaginierte dort Wesen des Meeres, die sie wissenschaftlich präzise zu einer irrealen Enzyklopädie fasste.

Resümee kulturellen Engagements

Die vielgestaltige Ausstellung visualisiert eindrucksvoll Leistung und Engagement der Kunstfreunde. Wer dies mit möglich machen möchte, sollte selbst Mitglied in diesem sinnstiftenden Verein werden! Ein Rundgang bei den »Friends!« weckt sicher bei mancher Besucher*in auch Erinnerungen an die jeweiligen Ausstellungen, in denen die Werke ursprünglich zu sehen waren. Insofern lässt sich die Schau im H2 auch als Resümee lesen.

»Friends!« ist bis zum 30. Juni im H2 – Zentrum für Gegenwartskunst im Glaspalast zu sehen. Jeden Sonntag gibt es – bei freiem Eintritt – um 15 Uhr eine Führung.

www.kunst-braucht-freunde.de

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