Ausstellungen & Kunstprojekte

»Wir versuchen das Optimum«

Christof Trepesch Porträt
a3kultur-Redaktion

Ende Juli startet auch Augsburg mit einer wichtigen Schau ins international beachtete Holbeinjahr. Die Familie von Ausnahmekünstlern der Renaissance ist tief in der kulturgeschichtlichen DNA der Stadt verwoben. Ein schöner Anlass, mit Dr. Christof Trepesch, dem Leiter der Kunstsammlungen und Museen Augsburg zu sprechen. Im Interview ging es aber auch um gute Freund*innen, Geld und die Kunst, ein Depot zu bauen. 

a3kultur: Museen genießen in Deutschland höchstes Vertrauen. Das ergab eine Studie des Instituts für Museumsforschung, die im Frühjahr veröffentlicht wurde. Diese Kulturorte rangieren in dem Ranking gleich hinter der Familie und Freunden. Was bedeuten solche Umfrageergebnisse für Ihre Arbeit?

Christof Trepesch: Das freut mich natürlich sehr, dass Museen so gesehen werden. Dieses Studienergebnis spiegelt einen wichtigen Teil unserer Aufgaben wider, nämlich Stabilität und Zuverlässigkeit zu leben. Bewusst zu sammeln, unsere Kultur langfristig zu bewahren und für die Zukunft aufzubereiten fußt auf diesen Qualitäten. Dieses Vertrauen kann auch in Euro und Cent gemessen werden. Vor Kurzem ist die Ausstellung »Friends!« im H2 zu Ende gegangen. Eine Schau, die zu 100 Prozent durch Ankäufe unter Mitwirkung des großen und sehr erfolgreichen Freundeskreises der Kunstsammlungen und Museen Augsburg ermöglicht wurde. Die Menschen unserer Region sind bereit, für Kunst viel Geld auszugeben. 

Vorausgesetzt, sie wissen, wie die Mittel verwendet werden. 

Absolut. Der Freundeskreis ist ein verlässlicher Partner für unsere Museen, und das schon seit Jahrzehnten. Er ist diejenige Vereinigung, die uns dabei hilft, unseren Bestand auszubauen. Und, was ich eben sehr schön finde, nicht nur wenn es um »alte« Kunst geht, also Kunstwerke aus den vergangenen Jahrhunderten, sondern auch um zeitgenössische Werke. Das hat die »Friends!«-Ausstellung gezeigt, die ausschließlich mit Erwerbungen der Kunstfreunde bestückt war.

Es war eine der letzten Ausstellungen, die Thomas Elsen als Leiter des H2 für die Kunstsammlungen erstellt hat. Er verabschiedet sich demnächst in den Ruhestand. Wie steht es denn um seine Nachfolge?

Diese Personalie werden wir bekannt geben, sobald die verantwortlichen Gremien der Stadt der Besetzung ihre Zustimmung gegeben haben und die obligatorische Widerspruchsfrist verstrichen ist. 

Auf diesen Nachfolger bzw. diese Nachfolgerin wartet ein sehr schönes, nicht immer einfaches Amt. Sowohl im H2 als auch an Ihren anderen Standorten laufen immer wieder hervorragende Ausstellungen, denen man mehr überregionale Wirksamkeit wünschen würde. Ihr Haus verfügt über einen geringen Marketingetat. Welche Strategie für mehr Öffentlichkeit verfolgen Sie denn für die nächsten Jahre? 

Wir versuchen natürlich das Optimum aus dem Vorhandenen herauszuholen und die Möglichkeiten auszuschöpfen, die uns zur Verfügung stehen. Aber diese sind – wie Sie schon sagten – rasch erschöpft. Unsere Etats sind durchweg sehr gering. Das haben Sie ja auch schon mehrfach berichtet. Das gilt nicht nur für die Ausstellungsetats, sondern auch für den Bereich der Öffentlichkeitsarbeit und des Marketings. Hier sind wir besonders auf Partner angewiesen. Zwar verfügen wir über ein verlässliches Netz an Unterstützern, zu denen beispielsweise Regio Augsburg Tourismus oder auch die Stadtsparkasse oder die Stadtwerke gehören, aber es ist auch für die Zukunft wichtig, dieses Netzwerk auszubauen und zu stärken. An diesem Thema arbeiten wir beständig. Wenn es uns gelingt, die Netzwerke der bestehenden Partnerschaften umfassend zu nutzen, dann haben wir sehr gute Möglichkeiten, unsere Botschaften nach außen zu tragen. Nichtsdestotrotz, alles kostet Geld. Und wir brauchen einen höheren Etat für das Marketing, um noch mehr Menschen zu erreichen.

Wir haben von dieser langen und sehr erfolgreichen Zusammenarbeit mit den Freunden der Kunstsammlungen gesprochen. Ohne dieses Engagement gäbe es kaum Neuerwerbe für Ihr Haus. Bräuchte es auch Freund*innen für eine adäquate Öffentlichkeitsarbeit, um diese Netzwerke, die Sie eben skizziert haben, in gewisser Weise zu institutionalisieren? 

Unbedingt. An solchen Ideen arbeiten wir. Wir müssen sehen, inwieweit so etwas dann auch umgesetzt werden kann. 

Die Aufgaben für die Kunstsammlungen und Museen in den kommenden Jahren sind gewaltig. So soll beispielsweise endlich ein neues Römisches Museum entstehen. Auch ein Depotgebäude wird gebraucht. Gegenwärtig wird als Ort dafür das Ofenhaus auf dem Gaswerkareal ins Spiel gebracht. Dieses beherbergt wohl noch bis in die 2030er-Jahre das Schauspielhaus des Staatstheaters. Wie ist gegenwärtig der Stand der Dinge?

Der Gedanke mit dem Depot im Ofenhaus ist mir neu, wenn auch in gewisser Weise interessant. Wir sind seit Jahren bestrebt, ein vernünftiges Depot zu finden beziehungsweise einen Depotneubau zu bekommen. Wobei es grundsätzlich immer sinnvoller ist, einen Neubau zu errichten, weil man dort die entsprechenden klimatischen Bedingungen optimal herstellen kann. Die Nutzung von Bestandsgebäuden ist immer sehr stark von der klimatischen Ertüchtigung abhängig. Das ist ein hochkompliziertes und schwieriges Unterfangen. Verbunden mit daraus resultierenden hohen Folgekosten. Deswegen müssen Fachleute sehr genau prüfen, inwiefern ein Bestandsgebäude überhaupt geeignet ist. Wir haben ganz verschiedene Objektgruppen, die getrennt gelagert werden müssen. Metall zum Beispiel braucht eine geringe Luftfeuchte. Bei Gemälden ist eine Luftfeuchte von 55 Prozent angesagt. Grafiken müssen sehr trocken gelagert werden. Und so weiter. Deswegen braucht es unterschiedliche Klimaräume und -zonen.

Unsere Nachbarstadt Friedberg hat vor einigen Jahren ein neues Museumsdepot errichtet. Wäre dieser Bau, ungeachtet seiner Kubatur und Lage, ein mögliches Vorbild, das Sie sich auch vorstellen könnten?

Die Kollegin in Friedberg hat ihr Depotprojekt vorbildlich umgesetzt. Allerdings auch zu einem Zeitpunkt, wo das Bauen noch in einem bestimmten Finanzrahmen möglich war. Dieses Depot bietet in vielerlei Hinsicht sehr gute Lagerbedingungen: Es ist ebenerdig. Es hat gute klimatische Bedingungen, und das alles mit einer Low-Tech-Ausstattung, also möglichst wenig Technologie. Aber auch unser Depot der Stadtarchäologie bietet ausgezeichnete Lagerbedingungen, die an die archäologischen Materialien angepasst sind. 

… das aber auch in einem Bestandsgebäude der ehemaligen NAK untergebracht ist. 

Aber dieser Bestand war von Anfang an klimatechnisch richtig geplant worden, und das gelang vor allem in Abstimmung und im Schulterschluss mit dem benachbarten Stadtarchiv. Insofern konnte man da ganz andere Synergien nutzen, als wenn man jetzt sozusagen ein vollkommen »neues« altes Gebäude hernimmt.

Kommen wir zum aktuellen Programm Ihres Hauses Dort steht der Name Holbein ganz oben auf der Liste. London, Wien, Frankfurt am Main – diese Metropolen feiern die Künstlerfamilie aus Augsburg mit großen, international stark beachteten Ausstellungen. Die Kunstsammlungen und Museen Augsburg versorgen die Schauen in Wien und Frankfurt mit wichtigen Exponaten. Dort wurde Augsburg als Geburtsstadt der Renaissance im Norden ganz besonders in den Fokus gerückt. Die Holbeinausstellung in Augsburg wird es mit dieser Strahlkraft wohl nicht aufnehmen können. Wie werden Sie Holbein im Jubiläumsjahr präsentieren?

Wir verorten Holbein in Augsburg und werden diese Verankerung in der damaligen Kunstszene der Reichsstadt zeigen. Wir arbeiten einerseits mit Exponaten aus dem eigenen Bestand, die andererseits ergänzt werden durch tolle Leihgaben aus Berlin, Wien und von privat. Sie können sich auf einige Neuentdeckungen freuen. Es wird eine sehr spannende Ausstellung, die genau dem entspricht, was wir vorhatten: eine konzentrierte Präsentation, die sich auch deutlich von den eben genannten Großausstellungen unterscheidet und die Holbeins Zeit in Augsburg zeigt.

Wo wird diese Ausstellung denn präsentiert werden?

In unserer Wechselausstellungsfläche im zweiten Stock des Schaezlerpalais. 

Sie hatten vor zwei Jahren mit Sicherheit noch den Plan, auch den prächtigen Ausstellungsraum in der ehemaligen Katharinenkirche ins Konzept mit aufzunehmen. Dieser Kulturort mit Kunstschätzen von Dürer, Cranach und eben Holbein ist ein Satellit der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen und nur über das Schaezlerpalais zu erreichen – aber seit bald zwei Jahren für den Publikumsverkehr gesperrt. Gibt es denn trotzdem Möglichkeiten, die wohl prominentesten Exponate aus dieser Epoche hier in unserer Region den Besucher*innen zugänglich zu machen? 

Dort nicht, die Räume werden saniert. Aber es gibt einige Objekte aus der dortigen Schausammlung, die wir in unserer Ausstellung zeigen werden. 

Zum Beispiel? 

Etwa die wunderbare Votivtafel des Ulrich Schwarz d.J.  oder das Bildnis der Veronika Welser, der Stifterin einer der Basilikentafeln. Letztere werden leider nicht zugänglich sein. Man hat jedoch die Möglichkeit, im Rahmen von Führungen im Holbeingymnasium den originalen Aufhängungsort dieser Holbeintafeln zu besichtigen, den ehemaligen Kapitelsaal. Dort befinden sich Reproduktionen, sodass man immerhin ein wenig den Genius Loci des spätmittelalterlichen Raumes erspüren kann. Und Holbeins großen Kollegen, Dürer, Cranach, die werden unter Verschluss bleiben? Genau. In diesem Jahr geht es um Holbein den Älteren. Er steht im Zentrum. 

Zum Abschluss: Was fällt Ihnen ein, wenn Sie den Slogan »Glanz der Renaissance« hören? 

Augsburg. Das ist der Werbespot, der dem lokalen Fußballverein dabei helfen soll, Trikots zu verkaufen. Als ich die ersten Werbetafeln entdeckt habe, freute ich mich, dass die Kunstsammlungen und Museen Augsburg ihre wichtigste Ausstellung des Jahres nun im XLFormat ankündigen. Und dann ging es doch nur um Fußballkommerz. Ich finde das klasse. Es ist doch hervorragend, wenn die Marke »Augsburg« als geschichtsträchtige Stadt so eine Beachtung erfährt. Ich freue mich, wenn alle Akteure der Stadt am gleichen Strang ziehen. Augsburg lebt.

Das Interview führte Jürgen Kannler.

Auch in der überregionalen Museumslandschaft ist Dr. Christof Trepesch, ein gefragter Experte. Als leitender Direktor der Kunstsammlungen & Museen Augsburg, wurde er im Juli von der AG Museen in Bayern für weitere vier Jahre im Amt des ersten Vorsitzenden bestätigt.

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