Politik & Gesellschaft

»Wir wollen das Gespräch!«

»Schwafelladen« oder Keimzelle für neue Visionen? – Der dritte Kultursalon Schwaben ist eröffnet.

»Vernetzt Euch!« lautete das Motto des Eröffungsabends beim Kultursalon Schwaben, und viele, teils nicht unbekannte Macher*innen und Mitarbeiter*innen aus der Augsburger Kulturbranche taten hierfür den ersten Schritt und fanden sich am sehr-spät-sommerlichen Donnerstagabend in der BBK-Kunsthalle im Kulturzentrum Abraxas ein, um bei hausgemachtem Flammkuchen und kühlen Getränken und umrahmt von den Sounds von stayfm-DJ Macka Dub zu hören, welche Möglichkeiten sich hier für die einzelnen Vertreter*innen der freien Szenen auftun. 

Um 20 Uhr war es soweit, und a3kultur-Herausgeber und Kultur Salon-Inititiator Jürgen Kannler hieß die ca. 100 anwesenden Gäste – etwas selbstironisch – im »Schwafelladen« willkommen. Denn vor allem die Diskussion und der Austausch von Erfahrungen soll in den nächsten Tagen im Mittelpunkt der Veranstaltungen stehen.

Zur Podiumsdiskussion zum Thema dieses Abends geladen waren Jenny Sixt von der Initiative Kulturzukunft Bayern, Anne Schuester, Leiterin des Augsburger Sensemble Theaters, Patrick Wengenroth, Theaterschauspieler und -regisseur sowie, als einziger Vertreter der Politik, der Schwäbische Bezirkstagspräsident Martin Sailer. Letzterer hatte die etwas undankbare Aufgabe, zu allen Fragen und Anmerkungen der Talkgäste und der Moderatorin Alexandra Martini vom Radiosender Bayern 2 sowie aus dem Publikum die Antworten aus der Sicht der Politik geben zu müssen, was angesichts der Unterschiede zwischen den Vorgängen in der Stadt Augsburg und dem Landkreis Augsburg bzw. dem Bezirk Schwaben, nicht immer leicht fiel. 

So war denn an diesem Abend auch nicht mit flotten Lösungen und konkreten Zukunftsmodellen zu rechnen. Vielmehr entspann sich eine Bestandsaufnahme der Defizite und Probleme, die – der Zusammensetzung der Talkrunde sei es geschuldet – vor allem am Beispiel der Theaterszene erörtert wurden, in Teilen aber auch auf jede beliebige andere Kunstgattung in der Kreativwirtschaft übertragbar sind.

Diese Issues sind vielen Akteur*innen seit langem bekannt, und für so manchen Erfahrungsbericht gab es viel wissendes Kopfnicken im Publikum: wenig sinnvolle Verteilung der (prinzipiell gar nicht so knappen) staatlichen Fördermittel, bürokratische Hürden, Kampf um Spielstättengenehmigungen, zu wenig Räume, auch dort, wo viel Leerstand ist, zu wenig Publikum wegen fehlender medialer Aufmerksamkeit, prekäre Arbeitsverhältnisse im Kulturbetrieb und der Kreativwirtschaft, immer weniger Bereitschaft großer Unternehmen zu Kultursponsoring, aber auch mangelnde Bereitschaft der Künstler*innen, unter dem Label bestimmter Konzerne zu arbeiten, aus Angst vor Imageschäden oder dem Verlust der künstlerischen Autonomie. 

Was verbindet uns überhaupt?

Zusammengefasst: Es geht um Geld, es geht um (Frei-)Räume, und es geht um Sichtbarkeit. Von allem ist derzeit für die »Freien« zu wenig da, und die aktuelle Tendenz ist nicht sehr ermutigend. Jüngstes Beispiel ist der aktuell beginnende Programmkahlschlag beim Sender Bayern 2, auf den der Künstler Felix Weinold hinwies, und der Literat*innen, Hörspielmacher*innen und anderen für den BR tätigen Kreativen eine ihrer wichtigsten Plattformen für eine Wahrnehmung ihres Werks nimmt.

Viele Probleme also, die von kleinen Kunstkollektiven und -vereinen nicht gelöst werden können, und von Einzelpersonen schon gleich gar nicht. Die meisten finden bei den zuständigen Stellen nicht einmal Gehör. Und wenn doch? »Bringt nichts.« stellt der im Publikum anwesende Kulturmacher Kurt Idrizovic (Buchhändler und Stadtführer) desillusioniert fest.

Martin Sailer betont zwar, dass das Landratsamt Augsburg selbst als Kulturort tätig werde und auch versuche, Künstler*innen und Wirtschaft zusammenzubringen, und auch im Bezirk gebe es mit dem Weiherhof bei Oberschönenfeld ein neues artist-in-residence-Projekt, doch den Kulturschaffenden in der Runde und im Publikum ist das zu wenig auf der Haben-Seite, wenn andererseits auf breiter Ebene Gagen gekürzt oder Spielstätten geschlossen werden müssen.

Wozu also Vernetzung? Hier gibt Anne Schuester die Antwort: 
»Erst müssen wir herausfinden: Was verbindet uns überhaupt?« Auf dieser Basis könne man dann Forderungen formulieren. 

Ist denn die freie Szene überhaupt zur Vernetzung bereit? »Nein«, muss Jenny Sixt hier leicht zerknirscht einräumen. Sie und ihre Initiative haben hier noch einen langen Weg vor sich. 

Lohnt es sich? Patrick Wengenroth, leidgeprüfter Regisseur an Berliner Bühnen und von 2017 bis 2019 auch Leiter des Brechtfestivals in Augsburg, überrascht gegen Ende des Talks mit der gar nicht so unkonkreten Vision gemeinschaftlich genutzter Theaterfundus-Räume oder eines gemeinsamen Fuhrparks für verschiedene Kulturorte nach dem Vorbild landwirtschaftlicher Maschinenringe. 

Ideen sind also da. Jetzt müssen nur noch alle heraus aus ihrer Blase und einander auch zuhören. Denn, wie es Anne Schuester gleich zu Beginn der Runde für ihr Theater postuliert hatte: »Wir wollen das Gespräch!« 

Am heutigen Freitag geht es weiter beim Kultursalon, u.a. mit Panels zur Museenlandschaft und zur Clubkultur.

www.a3kultur.de/kultursalon-schwaben

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