Woche für Woche, Jahr für Jahr
Der Künstler Frank Mardaus präsentiert in der Halle 1 sein Projekt »Kalenderwoche«, das alltägliche Momente kunstvoll archiviert.
Entlang der Wände der weitläufigen Halle 1 im Glaspalast formieren sich zahllose kleine Flügelaltäre zu einem streng rhythmisiert umlaufenden Reigen. Zugleich wird die museal-sakrale Stille des Raumes durch ein ominöses Wispern belebt, das sich im Näherkommen klärt: Jedes dieser Mini-Retabel ist von einem kleinen Abspielgerät bekrönt, das uns jeweils Klänge des Alltags wie Gesprächsfetzen oder Kinderlachen vermittelt. Manche dieser Altärchen zeigen ihre geschlossene Außenseite, auf der getippte Texte, E-Mails, weiß auf schwarz im Ausschnitt zu lesen sind. Die meisten jedoch offenbaren ihr bebildertes Inneres: Porträts und Alltagsbilder, die in ihrer ungelenken Ästhetik wie familiäre Schnappschüsse anmuten. Die Anordnung der Fotografien orientiert sich am Prinzip des Flügelaltars: Ein zentrales Bild wird von mehreren kleinformatigen (Kontaktabzügen) flankiert.
Dieser Zoom vom anfänglichen Gesamteindruck zum Erkennen der Details lässt sich als Umkehrung des Weges lesen, den der Künstler Frank Mardaus mit seinem Großprojekt »Kalenderwoche« genommen hat. Mardaus’ Projekt zeugt von einem langen Atem: Woche für Woche und Jahr um Jahr hält er die Alltäglichkeiten seiner persönlichen Umgebung in Bild und Wort fest. Beiläufig wirkende Fotos und Texte – vielfach als Briefwechsel mit seiner Partnerin Caroline Rusch – formiert Mardaus zu einem chronologisch geordneten Archiv, das vom persönlichen Leben und Erleben des Künstlers zeugt. Dabei überhöht Mardaus diese Alltagsmomente, indem er das lapidare Material in einen artifiziellen Kontext stellt und jeder Kalenderwoche ein separates Flügelaltärchen widmet, wie es ursprünglich den kirchlich orientierten Jahreslauf strukturierte: werktags geschlossen, feiertags geöffnet. Oft dokumentiert Mardaus die Wochenzuordnung direkt im Bild – manche der Porträtierten halten eine Tafel, die Woche und Jahr der Aufnahme nennt.
Frank Mardaus’ künstlerisches Thema ist die Beziehung von Momenten des persönlichen Lebens und Erlebens und der zeitlichen und räumlichen Struktur, in die sie eingebettet sind. Gut zwölf Jahre umfasst die Spanne, die Mardaus mit diesem Projekt abdeckt. Der an einen Kreislauf erinnernde Reigen der Bildtafeln lässt ahnen, das wir hier einen Ausschnitt einer weitaus größeren Betrachtung erleben.
Die Ausstellung »Kalenderwoche – Frank Mardaus« ist bis zum 7. April in Halle 1 – Raum für Kunst im Glaspalast zu sehen.
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