Wovon Kleider erzählen
Im tim ist derzeit ein textiler Nachlass von ungewöhnlichem Umfang zu besichtigen.
Anhand ihrer Kleider, Wäsche, Schuhe und Accessoires aus sechs Jahrzehnten – rund 1.000 Stücke, sorgsam aufbewahrt – erzählt die Ausstellung vom Leben des Schriftstellers Arno Schmidt und seiner Frau Alice, strukturiert nach den Orten, an denen sie lebten. Die Textilien erzählen von Flucht, Not, Armut, den Alltäglichkeiten der jungen Bundesrepublik.
Zu sehen sind Kleiderspenden aus den USA, Umgearbeitetes, Versandhausmode, alles eher in gedeckten Farben. Doch wurden die Sachen gepflegt, repariert, wertgeschätzt und behalten – so erklärt sich die Menge an Kleidern der Schmidts, die uns vor allem in einer Art Riesen-Kleiderschrank präsentiert werden. Jedoch schimmert immer wieder leise eine gewisse Attitüde durch, die offen lässt, inwieweit die spezielle Art der Schmidts, sich zu kleiden, rein der Not geschuldet war.
Schlicht, mit glamourösen Ausreißern
Arno Schmidt kleidete sich schlicht und bescheiden, doch gab es durchaus eine Inszenierung seiner selbst, vor allem durch Fotos. So wurde manch ein Stück, wie die dunkelgrüne Lederjacke, zu einer Art Markenzeichen. Alice Schmidts Garderobe hingegen weist gelegentlich glamouröse »Ausreißer« auf, wie den Persianermantel oder einen strahlend blauen Mohairmantel, ellenbogenlange Satinhandschuhe oder ein paar silberne Schuhe.
Die ruhig komponierte Ausstellung lässt uns einerseits erkennen, wie zeittypisch Kleidung sich zeigt, erläutert aber auch, wie innig Kleider und ihre Träger*in miteinander in Wechselbeziehung treten.
Das persönliche sich Bekleiden ist das eine, die textliche Einbindung des Textilen das andere: In Arno Schmidts Werk finden sich oft dem Stofflichen verbundene Sprachbilder. Wer diesem literarischen Aspekt genauer nachspüren möchte, kann sich abschließend in der kuscheligen Leseecke niederlassen.
Die »Kleider. Geschichten« werden bis zum 13. Oktober im Staatlichen Textil- und Industriemuseum Augsburg (tim) erzählt. Es gibt einen Audioguide fürs Smartphone und ein vielfältiges Begleitprogramm mit Führungen, Workshops und Lesungen u.a. mit Jan Philipp Reemtsma am Donnerstag, 6. Juni um 19 Uhr und bereits am Donnerstag, 16. Mai um 19 Uhr die Performance »Schmidt/Schmidt«.
www.timbayern.de
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