Die Zeit ist reif
Der Galerist Andreas Stucken hat das Zukunftsformat Art X Augsburg an den Start gebracht. Das Netzwerkprojekt von Galerien und Ausstellungsmacher*innen aus unserer Kulturregion, forciert den künstlerischen Austausch und verstärkt dabei die Stimme aller Beteiligten.
a3kultur: Wie hast du die Partner für Art X Augsburg gefunden?
Andreas Stucken: Ich habe das Projekt Art X Augsburg aufgrund einer mir fehlenden Vernetzung zwischen den Augsburger Kulturinstitutionen bzw. Galerien entwickelt. Ich kenne solche Zusammenarbeiten aus anderen Städten – Berlin (Gallery Weekend), Landshut (Kunstnacht) und München (Open Art) –, wo sie sehr gut funktionieren und Synergien produzieren. Dann habe ich den mir bekannten Augsburger Galerien und Institutionen das Projekt vorgestellt und insgesamt sieben von zehn dafür gewinnen können. Daraus ist dann ein Netzwerkprojekt für Bildende Kunst im Projektraum Augsburg Contemporary in Augsburg-Göggingen, Bergstraße 11 geworden.
Die gastgebende Galerie Zweigstelle Berlin sowie kulturelle Institutionen und Galerien aus Augsburg (Fotodiskurs, Kunstraum am Pfarrhof Leitershofen, Kunstverein Augsburg, Ecke Galerie, Maxgalerie, Sammlung Finstral, BBK) zeigen dort jeweils paarweise neue Positionen. Das Format der Doppelausstellung bietet den Kunstschaffenden auch die Möglichkeit, gemeinsame Arbeiten zu entwickeln. Mit dem Netzwerkprojekt strebe ich als Co-Betreiber von Augsburg Contemporary und Inhaber der Zweigstelle Berlin eine stärkere Vernetzung und Sichtbarkeit der Kunsteinrichtungen in Augsburg an.
Art X Augsburg geht nun in das – vorerst – letzte Drittel. Was hast du bisher aus dieser Zeit mitgenommen?
Nachdem mir jede Galerie bzw. Institution eine Künstlerin/einen Künstler vorgeschlagen hat, konnte ich darauf reagieren und eine Künstlerin/einen Künstler aus meinem Portfolio dazu aussuchen. Dies hat sehr gut funktioniert, es entstand immer eine gedeihliche Zusammenarbeit zwischen den Künstler*innen, die auch ein gemeinsames Ausstellungskonzept entwickelt haben. So wie in der aktuellen Ausstellung »Kontext« mit Angela
Stauber, die eine raumgreifende Wandmalerei im Projektraum installiert hat, auf die Manuel Frattini seine Arbeiten gehängt hat. Dies hat mir sehr viel Spaß gemacht und mir und hoffentlich auch den Besucher*innen neue Sichtweisen auf die Kunst ermöglicht. Das Arbeitsverhältnis mit meinen Kooperationspartnern war immer sehr kollegial
und es ergeben sich daraus neue Ansatzpunkte für eine weitere Zusammenarbeit im Sinne der Gegenwartskunst in Augsburg – dies natürlich auch dank der Sponsoren und Förderer des Projekts.
Wie bewertest du die Szene für Gegenwartskunst in unserer Kulturregion?
Die Gegenwartskunst in unserer Kulturregion ist vielfältig, aber ausbaufähig. Ich würde mir mehr Orte dafür wünschen, neue Galerien und Kunststandorte, die von jungen Künstler*innen und Galerist*innen betrieben werden. Ein guter Ansatzpunkt, neue Aktivitäten zu entwickeln, war für mich das Projekt »Kunsthalle UG« von Schöne Felder e.V. Davon würde ich gerne dauerhaft mehr sehen.
Art X Augsburg könnte ein wichtiger Baustein für den Aufbau einer Art Interessengemeinschaft Galerien und Kunstprojekte werden – vergleichbar den Lobbygruppen, die es in unserer Region bereits bei den freien Theatern und im Bereich der Clubkultur gibt. Ist die Zeit reif, in der Gegenwartskunst ebenfalls organisiert aufzutreten, auch um die Stimmen der Einzelnen zu verstärken?
Sehr gute Frage! Genau aus diesem Grund ist ja Art X Augsburg ins Leben gerufen worden, um der Gegenwartskunst eine Stimme zu geben und organisiert aufzutreten. Ich würde mir das sehr wünschen und freue mich über weitere Mitstreiter*innen, von denen ich auch schon den einen oder die andere gefunden habe.
Was stand bzw. steht dem bisher im Weg?
Bisher gab es keinen Impulsgeber und auch keine große Bereitschaft, sich zu organisieren. Galerien und Institutionen sind meistens Einzelkämpfer. Ich glaube aber, dass wir gerade einen Wandel erleben, und bin stolz darauf, ihn für Augsburg initiiert zu haben.
Welche Vorteile durch so eine Interessengemeinschaft siehst du für Künstler*innen, Kurator*innenprojekte und Galerien?
Mehr Zusammenarbeit, Synergien, neue Besucher*innen und vielleicht auch Kunstsammler*innen, mehr Aufmerksamkeit und Umsatz für alle – denn jede*r hat eine Gewinnerzielungsabsicht!
Hast du Pläne, Art X Augsburg fortzusetzen?
Unbedingt! Die Vorbereitungen laufen schon.
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