Ausstellungen & Kunstprojekte

Die Zukunft liegt gleich gegenüber

Gastautor

Für Georg Rehm und sein Auktionshaus stehen zum Jahresende große Veränderungen an. Welche das sind und was den sympathischen Fachmann für Antiquitäten sonst noch so beschäftigt, erzählte er uns im Interview. Und ein Überraschungsgast kam dann auch noch dazu. Ein Interview von Alexander Möckl

Betritt man das Auktionshaus in der Provinostraße, fühlt man sich gleich sehr wohl. Irgendwie strahlen die vielen Gemälde an den Wänden, das schöne Geschirr, die prachtvollen Möbel und der blinkende Schmuck etwas Heimeliges und gleichzeitig Edles aus. Und inmitten dieser mit Geschichte und Geschichten angefüllten Oase empfängt mich ein äußerst gut gelaunter Georg Rehm zum Gespräch.

a3kultur: Woher kommt Ihre Liebe zu Antiquitäten?

Rehm: Schon mein Vater war Antiquitätenhändler. Als Kind habe ich ihm dabei geholfen, all die vielen Sachen zu sortieren. Besonders sein Stand auf der Dult hat viel Arbeit gemacht. Aber ich hatte immer Spaß dabei. Somit wurde mir die Liebe zu Antiquitäten quasi schon in die Wiege gelegt.

Sie sind seit 1994 geschäftsführender Gesellschafter. Wie schafften Sie das, so lange erfolgreich zu sein?

Gute Ware, gute Preise und ein vertrauensvoller Umgang mit unseren Kundinnen und Kunden. Das sind für mich die Erfolgsgeheimnisse. Das war immer schon so und wird auch wohl noch lange geschätzt werden. Aber natürlich gab es auch mal schlechtere, mal bessere Jahre. Wir machen fünf Auktionen im Jahr mit jeweils um die 1.500 Posten. Diese fünf Auktionen müssen so erfolgreich sein, dass alle Kosten für das ganze Jahr gedeckt sind! Aber bis jetzt haben wir das immer sehr gut hinbekommen.

Man kann bei Ihnen ja auch online mitbieten. Hat die Pandemie da etwas verändert?

Wir sind schon seit 25 Jahren online tätig. Aber ja, während der Pandemie hat uns unsere Online-Erfahrung sehr gut durch diese Zeit geholfen. Gerade unsere Stammkundinnen und Stammkunden waren froh, virtuell bei uns dabei sein zu können. Und wir erhalten dadurch natürlich Gebote aus der ganzen Welt.

Was ist momentan besonders gefragt?

Ganz klar liegt Schmuck ganz weit vorn. Als Geldanlage oder zur eigenen Freude. Aber auch Volkskunst, Bronzen und sehr gut gearbeitete Möbel sind wieder schwer im Kommen. Kurz: Alles von hoher Qualität wird nachgefragt.

Zum Jahresende werden Sie Ihr Unternehmen an Christoph Neureuther übergeben. Wie schwer fällt es Ihnen, Ihr Lebenswerk in neue Hände zu geben?

Eigentlich gar nicht schwer. Denn ich bin erst einmal sehr froh darüber, dass mein Geschäft weitergeführt wird. Zudem wird Christoph alle meine sechs Mitarbeitenden übernehmen und den Firmennamen beibehalten. Da ändert sich also zunächst einmal nichts. Das ist mir sehr wichtig und lässt mich ruhig schlafen. Und ich bin ja nicht aus der Welt und bleibe ihm natürlich als Berater und Freund erhalten.

Mit der Übergabe wird es auch einen kompletten Umzug des Unternehmens geben. Warum?

Ja, Christoph wird gleich gegenüber in den MartiniPark ziehen. Dort hat er eine Halle mit 350 qm gemietet, die gerade umgebaut wird. Es gibt also auch dort viel Platz für all die schönen Sachen, Parkplätze vor der Halle – und natürlich alles ebenerdig. Unser bisheriger Standort ist doch schon sehr in die Jahre gekommen. Umfangreiche Renovierungen müssten jetzt stattfinden, die würden aber das Hauptproblem der zwei Ebenen nicht lösen. Daher ist der Umzug die einzig richtige Entscheidung.

Und wie sieht die »neue« Zukunft des Auktionshauses Rehm aus, Herr Neureuther?

Neureuther: Zunächst steht der Umzug als solcher an. In erster Linie will ich die Konstanz erhalten, unsere Kundinnen und Kunden mitnehmen an den neuen Standort – eigentlich erst einmal alles so lassen, wie es ist. Mit der Zeit werde ich das Portfolio erweitern und in die hauseigene Digitalisierung investieren. Die Nähe zum Theater – unsere Halle ist genau gegenüber – will ich nutzen, um Veranstaltungen zu organisieren, die sich rund um das Thema Antiquitäten drehen. Ich denke da an Vorträge, Beratungen und vieles mehr. Da jetzt immer mehr junge Menschen nach schönen und ausgefallenen Sachen suchen, werde ich auch diese Zielgruppe versuchen deutlicher anzusprechen.

Herr Rehm, was fangen Sie im neuen Jahr dann mit der vielen Zeit an?

Nun, ich bleibe ja weiterhin Sachverständiger. Zudem findet an jedem ersten Dienstag im Monat die kostenlose Kunstsprechstunde im Schaezlerpalais statt. Da werde ich weiterhin mein Wissen zur Verfügung stellen und Preisbestimmungen vornehmen. Die Faschingsfans in Augsburg wissen, wie sehr mir die Hollaria am Herzen liegt. Auch da werde ich weiter aktiv bleiben. Und zu guter Letzt werde ich mich intensiv um mein Rennpferd kümmern. Langweilig wird mir bestimmt nicht.

Vielen Dank Herr Rehm und auch vielen Dank Herr Neureuther für das Gespräch.

www.auktionshaus-rehm.de

Das könnte Sie auch interessieren

Malte Günther
Ausstellungen & Kunstprojekte

Malerische Landschaften

Im Grafischen Kabinett des Höhmannhauses sind seit dem 25. September Philipp Röths malerische Landschaften zwischen Spätromantik und Impressionismus ausgestellt.
Malte Günther
Ausstellungen & Kunstprojekte

Formen die Leuchten

Michael Kiessling, Galerist des Kunstraums am Pfarrhof Leitershofen, erzählt gerne, wie er Sandra Tröger im Münchner Ausstellungsraum »Sandkasten« kennengelernt hat – und wie schnell aus diesem ersten Kontakt die Idee für eine gemeinsame Ausstellung entstand. Noch im selben Jahr wurde daraus Wirklichkeit: »Form Farbe Raum« zeigt eine äußerst sehenswerte Auswahl von Trögers Werk in den Räumen von Leitershofen.

Malte Günther
Ausstellungen & Kunstprojekte

Wegrennen ist einfach!

Der Kunstverein Augsburg startet am 19. September mit der Videoarbeit »Running away is easy, it's the leaving that's hard« (2025) in den Herbst.