Ausstellungen & Kunstprojekte

Zupackend in Form gebracht

Augsburg Contemporary Esther Irina Pschibul © Andreas Stucken

»Lächle noch« – Die Bildhauerin Esther Irina Pschibul setzt bei Augsburg Contemporary die Beziehung von Körper, Raum und Emotion spannungsreich in Szene.

Die raumgreifend präsente Draperie an der zentralen Wand der kleinen Galerie spricht vom Prozess ihres Entstehens. Esther Irina Pschibul schiebt, zieht und rafft die feste robuste Stoffbahn (gewebt im Augsburger tim), bis sie in lebendigen Wellen wie ein vertikales graues Meer am Strand ausläuft, fixiert von kleinen Nadeln, deren neongelbe Köpfe punktuell im Grau aufleuchten. Pschibuls Fokus liegt jedoch nicht auf der zweifellos vorhandenen barock eleganten Anmutung der textilen Skulptur, sie ist vielmehr als »labile Schichtung« zu lesen: temporär, so nicht wiederholbar. Vor allem aber ist hier der performative Akt des Arbeitens, das Zusammenspiel des Griffs der Künstlerin, ihrer eigenen Bewegung und Emotion mit der Eigenständigkeit des Materials eingeschrieben. Diese spürbare gestische Körperlichkeit erweist sich als ungemein reizvoll. Von der physischen Kraft ihrer Entstehung zeugen auch die rund 30 handbreit großen Skulpturen aus Ton, von Pschibul mit sichtbar kraftvollem Griff in Form gebracht: »Lächle noch« … Die Frauenfiguren der Künstlerin – keramisch, versehrt und mutig, hier im Kontext des temporären Settings »was bleibt?« vertreten – sind zunächst klassische Arbeiten der Bildhauerei: Pschibul studierte in Wien bei Gerda Fassel und in Lissabon. Doch sie lässt ihre Figuren nicht allein, setzt sie in Beziehung zu ihrer Umgebung, wie im Theater werden Geschichten erzählt. Auch weitere kleine Keramiken erzählen: acht »traurige Bäume«, zartbonbonfarbig glasiert, korrespondieren hier mit 18 leichthändigen Konzeptzeichnungen. Pschibuls Werk erweist sich bei aller Konsequenz als ausgesprochen vielfältig und zupackend: Zeichnung und Skulptur, Textiles, Ton oder Silikon. Die Künstlerin bezieht Position, sie konzipiert, greift und agiert, formt mit Stift, Händen oder Nähmaschine. Absolut überzeugend.

Die Ausstellung »Lächle noch« ist bis zum 8. März im Galerieraum an der Bergstraße zu sehen, jeweils freitags (außer am 21. Februar) und samstags von 14 bis 17 Uhr, oder nach Vereinbarung. Der Blick durch das einladend raumbreite Schaufenster ist aber natürlich jederzeit möglich. Wer mit der Künstlerin ins Gespräch kommen möchte, hat am Samstag, 22. Februar von 14 bis 17 Uhr Gelegenheit dazu.

Weitere Informationen hier. 

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