Die Augsburger Kegelbahnkonzerte gehen in die 12. Staffel. Mit dabei sind Lillian Hampson, Josy, Marcoca, Janikeliah und Picky Eater.
Zwei zum Schulterzucken
Die 100. »Projektor«-Kolumne in der vorletzten Ausgabe war ein Grund zum Feiern, aber auch Augsburgs bester Exil-Filmkritiker muss mal wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Und der November hält auch gleich eine schwierige Aufgabe bereit: Zwei Filme, über die ich keine klare Meinung entwickeln konnte und sie insgesamt unter dem Label »ganz okay« für mich einordnen muss. Beide weisen gewisse Vorzüge, aber auch klare Schwächen auf. Lesen Sie selbst und vor allem bis zum Ende, because Werner Herzog.
Während des Ersten Weltkriegs lernen sich die Krankenschwester Valerie (Margot Robbie) sowie die Soldaten Burt (Christian Bale) und Harold (John David Washington) in einem Lazarett kennen und werden beste Freunde. 15 Jahre nach ihrem gemeinsamen Leben im »Amsterdam« (3. November, alle Kinos) der 1920er-Jahre stolpert das Trio in einen Kriminalfall. Als sie einen Mord beobachten, werden sie selbst der Tat verdächtigt. Gejagt von den wahren Mördern und der Polizei machen sie sich auf die Suche nach der Wahrheit. Burt, Harold und Valerie kommen einem riesigen Geheimnis auf die Spur, welches die Geschichte Amerikas nachhaltig verändern könnte.
Über die Hauptdarsteller*innen hinaus mit einem hochkarätigen Cast besetzt, verspricht David O. Russells neuester Film eine faszinierende und vielschichtige Geschichte in eindrucksvollem Look und Stil. Glaubt man den amerikanischen Kolleg*innen, wird diese »vielschichtige« Geschichte dem Film letztendlich zum Verhängnis. Schwer nachvollziehbar, zu dialoglastig, keine Spannung in einer Handlung, die diese dringend gebraucht hätte, sind nur einige der Kritikpunkte. In den USA hat sich der Film bereits ein Millionengrab geschaufelt, in Österreich wird er aus diesem Grund voraussichtlich gar nicht starten. Ob sich der Film, wie behauptet, tatsächlich wie eine Karikatur eines Blockbusters anfühlt, kann das Augsburger Publikum immerhin ab Anfang November selbst herausfinden.
Ebenfalls mit einer gewissen Skepsis zu betrachten ist »Der Russe ist einer, der Birken liebt« (3. November, Kinodreieck). Mascha (Aylin Tezel) ist wild und laut, kompromisslos und schlagfertig, doch im Grunde ihres Herzens orientierungslos. Die angehende Dolmetscherin ist Kosmopolitin, spricht fünf Sprachen fließend. Nur über ihre eigene Geschichte, die Geflüchtete in ihr, spricht sie nie. Ihr Freundeskreis ist multikulturell, feiert ordentlich und kontert den allgegenwärtigen Alltagsrassismus mit böser Ironie. Mascha liebt ohne Rücksicht auf Verluste – ihre Sprachen, ihre Freunde und vor allem Elias (Slavko Popadic). Gerade erst ist sie mit ihrem Freund zusammengezogen, als dieser durch eine zunächst harmlose Sportverletzung zum Pflegefall wird. Immer mehr gerät Maschas Leben aus den Fugen, bis sie die Flucht nach vorn antritt, sich mit nichts als ihrem Pass in ein Flugzeug setzt, Richtung Israel. Dort wartet eine neue Liebe (Yuval Scharf).
Pola Becks Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers von Olga Grjasnowa (2012) ist ein atmosphärisch intensiver Roadtrip über das Suchen und Finden von Liebe und Heimat. Doch Maschas melancholische Reise wirkt oft künstlich. Die so wichtigen Gefühle der Hauptfigur und ihre Liebesbeziehungen werden statt im Spiel und Zusammenspiel der Schauspieler*innen hauptsächlich in Dialogen zwischen Mascha und ihrem besten Freund Cem (Sohel Altan Gol) sichtbar. Und auch Elias’ Verletzung und ihre Folgen bleiben bei realistischer Betrachtung nicht ganz nachvollziehbar. Für Freund*innen oszillierender Bilder und collagierter Szenen jedoch ein Genuss.
Apropos Genuss: Falls Sie es noch nicht getan haben, stürmen Sie die Kinosäle und schauen Sie sich auf den letzten Drücker noch Thomas von Steinaeckers Dokumentation »Werner Herzog – Radical Dreamer« an (28. Oktober, Kinodreieck; 30. Oktober, Liliom). Eine gefühlvolle Annäherung und ein würdiges Denkmal für den »Soldier of Cinema« zu seinem 80. Geburtstag.
Filmfigur des Monats:
Aylin Tezel
- Geboren am: 29. November 1983 in Bünde
- Beruf: Schauspielerin und Tänzerin
- Ausbildung: Schauspielstudium an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch, abgebrochen
- 2008: erster Spielfilm »Unschuld« von Andreas Morell
- 2012/13: Auszeichnung als »Beste Schauspielerin« beim 30. Torino Film Festival, mit dem Deutschen Schauspielerpreis als »Beste Schauspielerin Nachwuchs« und mit dem Preis für »Bestes Schauspiel« beim 42. Sehsüchte-Filmfestival für »Am Himmel der Tag« von Pola Beck
- 2019: Drehbuch und Regie Kurzfilm »Phoenix« Lebt in Berlin und London
Kinoevents im November
DI 01.11. alle Kinos – Best of Cinema: »Die Klapperschlange«
SA 05.11. CINEMAXX – Verdis »La Traviata« live aus der Metropolitan Opera New York
SO 06.11. CINEMAXX – »The Bodyguard« 30. Jubiläum
MO 07.11. KINODREIECK – Queer.Film: »Wet Sand«
DO 10.11. LILIOM – »In the mood for love« dt. Fassung
MO 14.11. LILIOM – »In the mood for love« OmU
MI 16.11. CINEMAXX, CINEPLEX – A Diamond Celebration des Royal Ballet London
Kinostarts im November
DO 03.11. CINEMAXX, CINESTAR, CINEPLEX, KINODREIECK – Hui Buh und das Hexenschloss | KINODREIECK – Menschliche Dinge // Land of Dreams // Tenor – Eine Stimme – zwei Welten // Wer gräbt den Bestatter ein? // Wir sind dann wohl die Angehörigen
MI 09.11. CINEMAXX, CINESTAR, CINEPLEX – Black Panther: Wakanda Forever
DO 10.11. CINEMAXX, CINESTAR, KINODREIECK – Mrs. Harris und ein Kleid von Dior | KINODREIECK – Die Schwimmerin
DO 17.11. CINEMAXX, CINESTAR, KINODREIECK, LILIOM – Einfach mal was Schönes // The Menu | CINEMAXX – Zeiten des Umbruchs | KINODREIECK – Bardo, die erfundene Chronik einer Handvoll Wahrheiten // Die Goldenen Jahre | LILIOM – König hört auf
MI 23.11. KINODREIECK – Glass Onion: A Knives Out Mystery
DO 24.11. CINEMAXX, CINESTAR – Strange World | KINODREIECK – Guillermo del Toros Pinocchio // Zeiten des Umbruchs | LILIOM – Bones and all
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(K)eine Heimat
»Der Heimatlose«
Nach 14 Jahren auf dem Festland kehrt Hein (Paul Boche) in seine Heimat zurück – das einzige Dorf auf einer abgelegenen Nordseeinsel. Zu seiner Überraschung erkennt ihn die eingeschworene Dorfgemeinschaft nicht wieder. Sogar sein Kindheitsfreund Friedemann distanziert sich von ihm, obwohl sie einst unzertrennlich waren. Um herauszufinden, ob Hein wirklich der ist, für den er sich ausgibt, rufen die Bewohner*innen ein Dorfgericht ins Leben. Doch im Verlauf des Prozesses mehren sich die Ungereimtheiten.