Zwischen Anwesenheit und Abwesenheit
Eine Gruppenausstellung über Material, Wahrnehmung und das Verhältnis von An- und Abwesenheit. Von Elke Ritter.
Im Eingangsbereich der alten Transformatorenhalle ein Schlitz in der Mauer, der den Blick zulässt auf ein Gegenüber – eine Filmprojektion (Lucia-Charlotte Ott) auf dem rohen Mauerwerk, von Zeit zu Zeit von einem blendend hellen Blitzlicht überstrahlt. Fragen stellen sich, ob sich die Szenerie dadurch deutlicher, sichtbarer zeigt oder die Betrachtenden durch die kurzzeitigen starken Überblendungen eher auf sich selbst zurückgeworfen werden.
Die unterschiedlichen installativen Arbeiten, die in der Ausstellung »Loop Flows« vom 10. bis 12. Oktober im Rahmen des temporären Kunstraums Transform 117 gezeigt wurden, sind in der Wahl ihrer Materialien und Beschaffenheit auf das Wesentliche reduziert und interagieren im Raum nicht nur untereinander, sondern ebenso mit Wand, Ecke und Boden. Ein großformatiger Schriftzug »the boat arrived« (Mattis Heilscher) prangt unterhalb der Decke an einer Wand – in der Nachbarschaft zu einer mit einer Ansammlung verschiedener Scheinwerfer imposant ausgeleuchteten Ecke mit Nische, in der ein vermeintlich unscheinbarer Nachtspeicherofen weilt (Phlorian Wagner).
Fragen werden aufgeworfen hinsichtlich unserer täglichen Wahrnehmung von Realität – der unmittelbar anwesenden ebenso wie der abwesenden, aber dennoch existenten. Die Antworten bleiben offen. Drei quadratische Metallbecken aus Stahlblech liegen auf dem Boden verteilt, alle gefüllt mit Wasser und unterschiedlich bestückt (Clara Scheffler): im ersten mit gefundenen Schneckenhäusern und Nussschalen aus der unmittelbaren Natur, im zweiten mit einem Seifenblock, der sich in einem langsamen Prozess der Auflösung befindet, und im dritten Becken, das in eine Vertiefung im Boden weist, verliert sich der Blick in einem ungewissen schwarzen Nass.
Eine kleine Dose mit beim Kehren fremder Böden gesammelten Nägeln (Mattis Heilscher) steht ganz unscheinbar am Boden. Die Installation »Recojo mi pelo para lavar la sabana« (Theresa Fuchs) – ein Zaungitter mit kleinen Tüchern, Wäschestücken gleich, bestickt mit Satzfragmenten aus Gesprächen mit unterschiedlichen Frauen* aus Mexiko, die Aufschluss geben über ihre Verständnisse von Arbeit. Der Wäschekorb und die Waschschüssel zeugen vom tatsächlichen Prozess des Waschens vor Ausstellungsbeginn, begleitet von Sound, der sich zwischen häuslichem und öffentlichem Raum bewegt.
Unterschiedliche Dimensionen, Zeiten und Welten treffen in den einzelnen Arbeiten aufeinander, kommunizieren, spielen miteinander und mit dem Raum – verschränken sich auf verschiedenen Ebenen der Realität und der sinnlichen Wahrnehmung, ziehen sich an und driften wieder auseinander. Alle zeigen sich mit einer ähnlichen Nüchternheit und Schlichtheit und laden in ihrer Prozesshaftigkeit die Betrachtenden ein, eigene Interpretationen zu spinnen. Was bleibt, sind die Leerstellen, die Abwesenheit von Antworten, die mit eigenen Gedanken und Assoziationen gefüllt werden können.
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