Theater & Bühne

Brecht in München

Volksmund Cover
a3kultur-Redaktion

Die Spielzeit 26/27 gibt sich in München revolutionär bis kämpferisch. Wir werden sehen.

Das Beste an Augsburg sind die Züge in seine Nachbarstädte. Dieser Bertolt Brecht zugeschriebene Satz ist – natürlich – in mehrfacher Hinsicht Unsinn. Trotzdem sollten wir zuweilen in tiefer Dankbarkeit verharren, dass wir mit München eine Herzkammer deutschsprachigen Theaters direkt vor der Haustüre haben. Quasi Fußläufig zu erreichen. Oder eben mit dem Zug. Wie auch immer. Meist die Reise wert. Es folgen die Tipps für Neuinszenierungen aus der a3kultur-Redaktion.

Volkstheater

Mit einer gewissen Vorfreude erwarten wir seit Jahren den Volksmund, das fantastische Spielzeitheft des Münchner Volkstheaters. Großartig in Inhalt, Format, Witz und Design, bezieht es Position und bringt diese in den Kontext zur nächsten Spielzeit. Für 26/27 wurde das Motto ausgegeben: »Über Geld spricht man nicht«. Um folgerichtig nachzuschieben: »Wir machen es trotzdem«. Hier bezieht der Kulturort im Schlachthofviertel Position. Er thematisiert die ungerechte Verteilung des Wohlstandes in unserem Land und sinniert über die schwierige Teilhabe für alle, auch am kulturellen Leben, an Orten wie München, zeigt aber auch Ursachen des Problems auf, wenn es titelt: »Das deutsche Vermögen ist in großen Teilen vererbt.« 

Vom Augsburger Hauptbahnhof sollte man 50-60 Minuten Zeit für die Anreise einplanen. Ein Besuch im theatereigenen Restaurant Schmock ist ratsam. Ein Abschlussbier am Bahnwärter Thiel, gleich um die Ecke, unvermeidlich.

Folgende Neuinszenierungen locken uns in diesem Herbst ins Volkstheater:

  • »Die Geierwally« nach dem Roman von Wilhelmine von Hillern, für die Bühne bearbeitet von Julia Prechsl – ab dem 24. September
  • »Philophobia Intergalaktisches Cruisen im dunklen Wald« – Uraufführung von Regisseur und Performancekünstler Heiki Riipinen und seinem Ensemble – ab dem 25. September
  • »Ein Volksfeind« nach Henrik Ibsens Gesellschaftsdrama. Regisseur Sapir Heller denkt die Geschichte etwas weiter – ab dem 30. Oktober 

Wiederaufnahmen im Volkstheater:

  • »Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui« von Bertolt Brecht, Regie: Christian Stückl – ab dem 10. Oktober

www.muenchner-volkstheater.de 

Residenztheater

Es gehört keine besondere Expertise dazu das Resi zu seinen liebsten Kulturorten ever zu zählen. Nicht umsonst hat es seinen Namen unter die bedeutendsten Theater im deutschsprachigen Raum gebracht. Sehen sie selbst.

Neuinszenierungen im Residenztheater:

  • »Die Dreigroschenoper« nach Bertolt Brecht und mit Musik von Kurt Weill, unter Mitarbeit von Elisabeth Hauptmann, Regie: Philipp Stölzl – ab dem 27. September
  • »König Lear«: mit Publikumsliebling und Ausnahmeschauspieler Manfred Zapatka in einer der ganz großen Titelfiguren William Shakespeares. Aus dem Englischen von Kiki Miru Miroslava Svolikova, Regie: Elsa-Sophie Jach – ab dem 10. Oktober
  • »Raststätte oder Sie machens alle«: Claudia Bauer, Hausregisseurin am Residenztheater, inszeniert anlässlich des achtzigsten Geburtstags der Autorin eine hochmusikalische und slapstickreiche Hommage an Elfriede Jelinek – ab dem 22. Januar
Munich Machine © Hupfeld

Wiederaufnahmen im Residenztheater:

  • »Munich Machine«: Eine Utopie in memoriam Klaus Lemke von Albert Ostermaier. Foto: Brecht erklärt Hitler die Wirkung von Theater – ab dem 21. Oktober 
  • »Mercury«: Eine Spurensuche von Michał Borczuch und Ensemble – ab dem 28. September im Marstall

www.residenztheater.de 

Münchner Kammerspiele

Die Münchner Kammerspiele waren vor der Sommerpause noch unfreiwillig Teil eines elenden Dramas. Intendantin Barbara Mundel, wird ihren Posten im Jahr 2028 verlassen. Obwohl sie bereit gewesen wäre, den Vertrag zu verlängern, zog sie im Juli 2026 ihre Bewerbung für eine Verlängerung zurück. Die neue Stadtregierung, wohl noch grün hinter den Ohren, hatte die Stelle ohne Rücksprache neu ausgeschrieben.

Neuinszenierungen der Münchner Kammerspiele:

  • »Danton« nach Georg Büchners »Dantons Tod«, von Post Paradies und Ensemble – ab dem 23. September 
  • »Jugend ohne Gott« nach dem Roman von Ödön von Horváth mit Szenen von Anne Habermehl – ab dem 17. Oktober 
  • »Schubert in Paradise« von und mit Katharina Bach, Jelena Kuljić, Lucy Wilke und der Band »bitchboy« – ab dem 13. November 
  • »Anarchie in Bayern« von Rainer Werner Fassbinder – eine Jahrgangsinszenierung der Otto Falckenberg Schule, Regie: Mikheil Charkviani – ab dem 13. Februar in der Therese-Giehse-Halle 
  • »Heaven will come«: Regisseur Jan Bosse inszeniert Thomas Köcks neues Stück in einem Psychothriller-Setting – ab dem 27.Februar

www.muenchner-kammerspiele.de 

Gärtnerplatztheater

Bestimmt trägt der Gärtnerplatz nur seinen stolzen Namen wegen des wohl schönsten Hauses an diesem Ort. Der junge König Ludwig II. tat der Münchner Kultur auf jeden Fall etwas Gutes mit diesem Bau. 

Neuinszenierungen im Gärtnerplatztheater:

  • »Die Reise nach Reims«: Münchner Erstaufführung in italienischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln, mit Musik von Gioachino Rossini und Libretto von Luigi Balocchi, Regie: Dirk Schmedig – ab dem 16. Oktober 
  • »Die Landstreicher«: Operette von Carl Michael Ziehrer mit Libretto von Leopold Krenn und Karl Lindau, Regie: Christiane Lutz – ab dem 20. November
  • »Far West«: Westernballett von Mattia Russo und Antonio De Rosa, Choreografen des Künstlerteams »KOR´SIA« – ab dem 29. Januar

www.gaertnerplatztheater.de 

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