Im ausverkauften Rokoko-Festsaal des Schaezlerpalais widmeten sich vier Fortepiano-Koryphäen an ebenso vielen kostbaren Originalinstrumenten aus Augsburg, Regensburg und zwei Londoner Werkstätten der hohen Kunst des zwei- bis fünfhändigen Sonatenspiels. Nicht zuletzt die im späten 18. Jh. gebauten Augsburger Instrumente von Johann Andreas Stein waren dank innovativer Mechanik in ganz Europa rege nachgefragt und erfüllten höchste Qualitätsansprüche.
Musikalisch ernster Balsam
Sonderkonzert »Strawinsky« mit der Bayerischen Kammerphilharmonie in Gersthofen.
Wie ursprünglich schon für den Herbst 2021 geplant, ließen sich die Musiker*innen der Bayerischen Kammerphilharmonie diesmal von dem Konzertmeister Stanko Madić (seit 2018 ist er in dieser Position fest beim Münchner Rundfunkorchester engagiert) »an«-leiten, der sich mit unaufdringlichem gleichwohl sehr präzisem Dirigat sowie seiner fantastisch-apollinischen Kadenz in das subtil austarierte Spiel des Klangkörpers fügte.
Überschrieben war das unerhört-Sonderkonzert mit Strawinsky. Werke wie das »Concerto in Re« sowie die 1928 uraufgeführten Ballettmusik »Apollon musagete« beleuchteten in der Nobilitierung der Musenkunst insbesondere das neoklassische Vermögen und Vermächtnis des russischen Komponisten. Souverän war er auch als Arrangeur, was die beiden geistlichen Hugo Wolf-Lieder (aus dem Spanischen Liederbuch) verdeutlichten, in denen hörbar schon seine Todesahnung zwischen den Zeilen schwebte. Trotz so viel Strawinsky und ein wenig Orff (Catulli Carmina-Suite) waren es letztlich doch die »Ernsten Gesänge«, die zum Höhepunkt des Abends wurden. Aufrüttelnd und bezwingend modern vertonte Hanns Eisler in den Hölderlin-Texten seine Hoffnung, die er in eine nachstalinistische Ära setzte. Mit Bariton Dominik Köninger stand ein unfassbar souveräner Interpret auf der Bühne, dessen mühelos und natürlich wirkende, minutiös artikulierte Ausgestaltung den atmosphärischen Bogen zwischen Traurigkeit und Freude erfüllter Träume ausleuchtete. Getragen von den Streichern verströmte er hier sowie in den Wolf-Liedern überaus großzügig und nachwirkend den derzeit nötigen musikalischen »Balsam« auf die Seele des sichtlich von seiner Liedkunst vereinnahmten Publikums!