Brecht im Onlinemeeting
Im Rahmen des diesjährigen Brechtfestivals zeigt das theter-Ensemble unter der Regie von Iris Schmidt eine moderne Interpretation von Bert Brechts »Die Judith von Shimoda«.
Anstatt die Geschichte der Geisha Okichi als herkömmliche Theaterinszenierung darzustellen, bilden die Schauspielerinnen des theters ein Seminar zu Brechts Stück ab. Zeitgemäß, im digitalen Zoommeeting treffen sich drei Studentinnen mit ihrer Dozentin, um mittels audiovisueller Referatsbeiträgen die Legende der Okichi und ihre Aufbereitung durch Brecht zu diskutieren.
Es ist ein ambitionierter Versuch, den inhaltlich komplexen Stoff in das Hier und Jetzt zu versetzen, der leider nicht auf ganzer Linie gelingt. Die teils sehr akademischen Kommentare verbauen den Zugang zum Stück, den die moderne Interpretation wohl ermöglichen will. Die unnötig hochstilisierte Rhetorik vermittelt zwar durchaus den Eindruck eines Hauptseminars, sorgt jedoch eher dafür, dass das Publikum immer wieder ein wenig verloren wirkt. Aufgefangen wird dies glücklicherweise durch die Entscheidung des theters die Inszenierung mit etwas Humor aufzulockern und dadurch den schwer verdaulichen Stoff unterhaltsamer zu machen. Insbesondere die hinreißende Performance von Ana Stankovic, die die aufstrebende Influencerin gibt, sorgt für Lacher.
Neben den bemerkenswerten Darbietungen aller Schauspielerinnen beeindruckt auch die audiovisuelle Aufmachung des Stücks. In kurzen filmischen Sequenzen spielen die Studentinnen die Geschichte der Okichi nach, kommentieren und erweitern sie sogar. Sie lenken den Fokus von der Legendenbildung einer Heldin zu ihrer Person. Immer wieder betrachten sie, wie ihre Heldin zum Spielball der Außenwelt gemacht wird und schließlich daran zerbricht.
Das theter beweist mit seiner Inszenierung von »Die Judith von Shimoda« das Können des Ensembles, viel Kreativität und den nötigen Wagemut einen Klassiker neu zu denken.
Weitere Vorstellungstermine: 6., 7., 8., 9. März
Ort: City Club
Mehr Infos: www.theter.de
Fotos: Vincent Fladerer und Luis Kiderle