Singender Klempner von Beruf!
Gemeinsam mit seinem Bühnenpartner, dem Pianisten und Komponisten Tom Gratza stellte der Schauspieler und Leiter der Theaterwerkstatt Matthias Klösel jetzt seine faktenbasierte und literarisch-musikalische Wasserrevue »Lech du wilder Hund« in der Kresslesmühle vor.
Das titelgebende, ebenso spannungs-wie kontrastreich gestaltete Lied »Lech du wilder Hund« stammt aus der Feder des pensionierten Mittelschullehrers und Umweltfachberaters Hans Schütz, der im oberbayerischen Peiting lebt und im Allgäu geboren wurde. Auch die Zugabe, in der die kleine Schwester Wertach besungen wird, kam als subtil funkelnder Kieselklang bestens an. Diese literarische Liebe zum Lech war nur eine der vielen vitalisierenden Inspirationsquellen für das einstündige Kleinkunstprogramm, das am Mittwochabend das nasse, überlebensnotwendige Element H2O in Prosa, Lyrik, Balladen und Chansons in der gut besuchten Kresslesmühle ins Zentrum stellte.
Eine unschlagbare Steilvorlage für das neue Bühnen-Alter Ego von Matthias Klösel, der im besten Badener Dialekt als literarisch bewanderter Klempner Alois lässig den Pömpel schwenkte, war Reinhard Meys bekannter Ohrwurm »Ich bin Klempner von Beruf«. In der blauen Latzhose gab Alois seine diversen wässrigen Weisheiten logischerweise am liebsten auf der zu reparierenden Toilette sitzend zum Besten. Nebenbei und mit bewusster Unbeholfenheit machte er seinem Kollegen, dem »arbeitslosen Musiker mit handwerklichem Geschick«, immer wieder feucht-fröhliche Komplimente zum gekonnten Klavierspiel, das ihn z.B. bei der Interpretation des berühmten Schubertlieds vom »Fischer« verlässlich stützte. Es endet bekanntlich mit den Zeilen: »Halb zog sie ihn, halb sank er hin - und ward nicht mehr gesehn.« Mit Schiller und zwei Gedichten von Brecht wurde es nass und nässer, so dass Dichterfürst Goethe persönlich als gefürchteter Meister auf den verhexten Plan trat, um mit viel wallend den beiden Handwerksgesellen Beine zu machen. Von der Relevanz des Wassers zu räsonieren ist in der Wasser-Welterbe-Stadt, die aber auch das Schicksal der schaumgekrönten -Lüpertz-Aphrodite bewahrt, geradezu ein Muss. Sehr amüsant in Text und Ton enträtselte das Lied vom Ilse-See (Tom Gratza) deren Verbleib, während Klösel zum Finale mit dem berühmten Chanson von Charles Trenet dem tanzenden und azurblauen Meer huldigte. Nach zwei Zugaben und herzlichem Applaus verflüssigten sich die beiden Künstler!
Nächste Vorstellungen am 23. März in der Mühle und am 14. Juli im Brunnenhof.