Theater & Bühne

Einmal Kroatien und zurück

Gastautor

Vom 17. bis 19. März präsentierte das Sensemble Theater eine Auswahl der Werke des kroatischen Autoren Miro Gavran. Zum bereits 13. Mal fand damit das Internationale Gavran-Festival statt, schon das zweite Mal war Augsburg der Schauplatz des Geschehens.

Mit über 300 Premieren weltweit, Übersetzungen in ca. 40 Sprachen und zahlreichen Auszeichnungen ist Miro Gavran der meistgespielte, zeitgenössische Dramatiker Kroatiens. In 40 Jahren Schaffenszeit hat er unter anderem 55 Theaterstücke geschrieben, von denen einige wenige nun im Rahmen des Gavran-Festivals im Augsburger Sensemble Theater gezeigt wurden.

Gleich zu Beginn machte Corona dem Veranstaltungsteam einen Strich durch die Rechnung; die geplante Eröffnung mit der Premiere von »Eiscreme« musste entfallen. Das Stück, in dem sich Mutter und Tochter über Jahre immer wieder im gleichen Café treffen und über ihre Leben sprechen, wird stattdessen einige Tage später am 25. März aufgeführt. Als Festivaleröffnung fungierte nun die Szenische Lesung von »Kreons Antigone«, einem Text der die griechische Tragödie der Antigone wieder aufleben lässt, die kein Stück an Brisanz eingebüßt hat. Am späteren Abend folgt schließlich eine ganze besondere Aufführung von Gavrans »Kaffeepause«, in der sich Mutter und Sohn in verschiedenen Szenen über die Jahre verteilt gegenseitige Lebensratschläge geben. Die Rolle der Mutter wird von Mladena Gavran verkörpert, der Frau des Dramatikers, die nicht nur häufig Rollen in seinen Stücken übernimmt, sondern auch regelmäßig Regie führt. Sie und ihr Schauspielkollege Vedran Komerički tragen das gesamte Stück in ihrer Landessprache Kroatisch vor, das überwiegend deutsche Publikum verfolgt über deutsche Übertitel mit. Und auch wenn das Stück selbst recht simpel gehalten ist und einige Klischees bedient, überzeugen die beiden Schauspielenden durch Gestik und Mimik schon so sehr, dass die Komik auch ohne Übersetzung ankommt.

Am zweiten Festivaltag folgte auf die Buchpräsentation von Miro Gravrans »Ein Drama und vier Komödien« erneut eine Szenische Lesung, dieses Mal zu »Tschechow sagt Tolstoj Lebewohl«. Für das abendliche Theaterstück bietet das Sensemble Theater seine Bühne einer Theatergruppe aus Bukarest, die »Alles über Frauen« in rumänischer Sprache spielt. Ein Highlight des Festivals waren die Gesprächsrunden mit dem jeweiligen Team der Tagesaufführungen und dem Dramatiker Gavran selbst, welcher in sympathischster Manier Einblicke in sein Leben und Werk gab. Auch wenn sich die Geselligkeit über den Tag hinweg etwas in Grenzen hielt, erzeugten diese Gespräche eine entspannte, gemeinschaftliche Atmosphäre.

Die Mischung aus ernsten Texten, emotionalen Themen und viel Humor machten zusammen mit den wirklich beeindruckenden Interpretationen der Schauspielenden das Festival zu einem schönen Theaterevent. Die Entscheidung, die sprachlichen Grenzen zuzulassen und damit zu zeigen, wie leicht sie zu überbrücken sind, war goldrichtig. Denn es ist der Beweis dafür, dass es beim Theater nicht einfach nur um Text und Sprache geht, sondern vor allem um Herz und Gefühl.

www.sensemble.de

 

Foto v.l.n.r.: Heiko Dietz, Kerstin Becke, Miro Gavran, Mladena Gavran

 

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