Klassik

Jazz vs. Beethoven

Im 6. Sinfoniekonzert der Augsburger Philharmoniker, das diesmal Ivan Demidov leitete, machte der Saxophonist Christian Segmehl das »Concerto pour saxophone et orchestre« von Guillaume Connesson zum Ereignis.

Kam es da wirklich zum »battle« zwischen schlagkräftigen Vertretern des Jazz im Klassikpelz und dem vielfach gekrönten »King of Klassik«, Ludwig van Beethoven? Wie ernst sollte man das »versus« in der Überschrift nehmen und gab es am sinfonischen Ende einen Sieger nach Punkten, bzw. Noten? 

In Gershwins biografisch inspirierter Tondichtung »An American in Paris«, die er selber nicht von ungefähr als rhapsodisches Ballett bezeichnete, tanzte man vom ersten Moment an innerlich vor Freude mit. Laut, schräg und frech ins Orchestergeschehen platzende Autohupen signalisierten das mit orchestraler Wucht nachempfundene und pulsierende Ambiente der späten 20er, als sich in der französischen Hauptstadt mit Ravel, Poulenc, Strawinsky und Prokofjew die damals tonangebenden Komponisten austobten. An deren modernem Klassik-Sound orientierte sich Gershwin, um dann sein sehr Eigenes zu formen. Auch fast 100 Jahre nach seiner Entstehung muss man diesen quicklebendigen »amerikanischen Touristen«, wie eigentlich alle Gershwin-Werke, einfach lieben. Zum Programmauftakt eroberte er das Publikum mit Ragtime-, Blues- und Charleston-Elementen und kassierte auch dank des impulsiven Dirigats von Ivan Demidov die ersten »big points« im angesagten Wettbewerb.

Vor sieben Jahren schrieb der französische Komponist Guillaume Connesson sein Stück »A Kind of Trane«. Am Montag wurde es im Rahmen des 6. Sinfoniekonzerts erstmals in Deutschland gespielt. In Christian Segmehl, der nach seinem Musikstudium in München und Amsterdam u.a. den »ECHO-Klassik« erhielt, seit 2013 freischaffend mit renommierten Klangkörpern konzertiert und sich über etliche ihm gewidmete Stücke aus der Feder namhafter Komponisten (u.a. Moritz Eggert) freuen darf, hatte das Staatstheater genau den richtigen Interpreten aufs Podium geladen. Er machte das »Konzert für Saxophon und Orchester« zum Ereignis. Lässig im elegant gemusterten Kurzarmhemd auftretend, zeigte er sich in jeder, rhythmisch oder harmonisch noch so vertrackten Phrase technisch souverän, spürte weichzeichnend dem wunderschönen »Balladen«-Spirit im zweiten Satz nach, integrierte sich völlig uneitel in den orchestralen Teppich, demonstrierte virtuos den klanglichen Facettenreichtum, den auch der Wechsel von Tenor- zu Altsaxophon betonte. So trotzte Segmehl allen Herausforderungen, die Connesson in seiner eleganten, geschmackvollen und tiefgründigen Hommage an die Jazzlegende John Coltrane dem Interpreten stellt. Verschmitzt auch die mit den Worten »Wir sind hier im größten Jazzclub in Augsburg…« eingeleitete Zugabe: Croftrocks »Black & Blue« – nachzuhören auf seiner CD »Aggro«. Übrigens: Im Zuge der von Segmehl initiierten »AllgäuKonzerte« spielt er am 13. Mai mit den Augsburger Philharmonikern das nämliche Programm in Wangen - Nix wie hin!

Ach ja und dann traten – am Ende auch mit langem Beifall der Besucher gewürdigt – nach der Pause Beethoven und sein »Coach« Ivan Demidov mit nichts weniger als der kolossalen 5. Sinfonie an, um das einschlägig berühmte »Vier-Ton-Motiv« des ersten Satzes in den Ring zu werfen. Das war sichtlich schweißtreibend, klang jedoch insgesamt merkwürdig schroff und lies den großen Bogen und die feinzeichnenden Momente vermissen. Wäre ich Schiedsrichter, dann gäbe es an diesem Abend einen klaren Sieger!

 

www.staatstheater-augsburg.de

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